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Ein Konzert, zwei Meinungen

Beleidigende Texte, die voll von wüsten Pöbeleien seien, menschenverachtend und frauenfeindlich – so sehen Lokalpolitiker im baden-württembergischen Rottenburg die 187 Strassenbande. Und würden deshalb am liebsten den Auftritt der Rapper in ihrer Stadt beim Sommer Open Air verbieten.

Was sagen die Politiker?

Die Gemeinderatsfraktionen der Linken und der Grünen distanzierten sich explizit und entschieden von dem Auftritt der Rapper um Gzuz und Bonez MC. Linken-Fraktionssprecher Emmanuel Peter sagte, dass der Stil der Strassenbande dazu beitrage, dass die Sprache in den sozialen Medien immer verletzender werde und auch mitleidlos sei. (Schwarzwälder Bote)

SPD und CDU äußerten sich ähnlich: Es sei unbegreiflich, wie die Verpflichtung der Band zustande kam. Die Stadträte seien verwundert darüber, dass sich die Verantwortlichen nicht besser informiert hätten, erklärten die Fraktionen in einer gemeinsamen Mitteilung.

Warum wird das Konzert nicht abgesagt?

Wie der "Schwarzwälder Bote" berichtet, hätte die Stadt höchstens das Sommer Open Air komplett absagen können – dann würde auch der Auftritt von Limp Bizkit am Tag danach ins Wasser fallen. Birgit Reinke, Pressesprecherin der Stadt, sagte: "Uns steht es als Stadt nicht zu, da jetzt eine Zensur zu betreiben."

Allein der Konzert-Veranstalter entscheide, welche Bands bei dem Open Air auftreten, mit der Stadt spreche er sich lediglich ab. Die 187 Strassenbande sei kurzfristig gebucht worden, da andere Bands abgesagt hätten, erklärte die Sprecherin. "Wir haben als Stadt ein großes Interesse daran, dass dieses Event stattfindet". Man sei aber über den Auftritt "wirklich nicht begeistert".

Wie reagiert der Veranstalter?

Marc Oßwald ist seit 2013 für das Rottenburger Event verantwortlich – und weist die Kritik aus dem Gemeinderat als "provinziell" zurück. 

"Natürlich sind die Texte sexistisch", sagte er dem "Schwarzwälder Boten". Aber das sei Teil der "Jugend-Subkultur". Er verweist auf die Kunstfreiheit und darauf, dass eine Gesellschaft auch Dinge aushalten müsse. Eine Grenze ziehe er dennoch: Kollegah und Farid Bang würde er wegen ihres Antisemitismus nicht buchen.

In Paderborn hatten sich Uni-Angehörige gegen einen Auftritt der 187 Strassenbande beim Asta-Sommerfestival gewehrt – am Ende erfolgreich.

Die Studierenden sowie Professorinnen und Professoren wollten die sexistischen Texte der Rapper nicht auf ihrem Campus hören (bento). Am Ende wurde der Auftritt der 187 Strassenbande abgesagt – wegen angekündigten "Störaktionen" (Neue Westfälische).


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