Bild: Ralf Hirschberger/dpa
Ein bisschen erotisches Kopfkino bleibt dem Vermieter sicher in Erinnerung.

Vor den deckenhohen Fenstern raschelt der Wind durch die Baumkronen, unter deinen Füßen gepflegter Parkettboden, die Einbauküche wie neu und der Preis: nur ein kleines bisschen über deinem Budget. Dafür kannst du dir das Ticket für den Nahverkehr sparen, denn diese Wohnung liegt perfekt!

Nur dass du sie wahrscheinlich nicht kriegst.

Mit dir drängeln sich Dutzende Anwärterinnen und Anwärter durchs Treppenhaus in die 50 Quadratmeter große Wohnung. Ins Bad kommst du kaum, weil die Masse schon ins Wohnzimmer drückt. Panik stiegt in dir auf. Wo ist der Vermieter? Wo die Formulare zum Ausfüllen? 

Wie soll ich aus dieser Masse herausstechen?!

Die Wohnungssuche ist gerade in Großstädten zum Überlebenskampf geworden. Nur dass Stärke in diesem Fall keine Frage des Körperbaus ist, sondern der Strategie. Wer eine Wohnung will, braucht Glück, muss erben – oder sich was einfallen lassen.

Die eigene Würde kann dabei schon mal auf der Strecke bleiben. Wer wohnen will, muss sich selbst vergessen können. Das Gefühl kennst du? Dann werden dir Situationen wie die folgenden bekannt vorkommen:

1

Um Eindruck zu machen, bist du dir für nichts zu schade.

Du bist, was du trägst – zumindest im ersten Moment. Die Kleiderwahl ist also eine wichtige Entscheidung vor einer Wohnungsbesichtigung. Damit lässt sich spielen. Das Sommerkleidchen darf kurz sein, das deiner Freundin auch. Sie soll mitkommen, als deine vermeintliche lesbische Partnerin. Ihr haltet Händchen, sie gibt dir einen zarten Kuss auf den Nacken. Ein bisschen erotisches Kopfkino bleibt dem Vermieter sicher in Erinnerung.

2

Du stellst eine Bewerbungsmappe zusammen – mit Pärchenfoto auf dem Deckblatt.

Deinen Bruder hast du noch dafür ausgelacht: eine Bewerbungsmappe für eine Wohnung! Mit Deckblatt, Inhaltsverzeichnis und Bewerbungsfotos! Wie spießig, wie peinlich

Bis du siehst, wie andere bei einer Massenbesichtigung dem Vermieter genau das in die Hand drücken. Du selbst kannst nur den Mieterbogen ausfüllen, aber was soll man daraus schon lesen? Eine Zahl sagt doch nichts über dich aus.

Nach der vierten Massenbesichtigung setzt du dich an den Computer und stellst alle Dokumente zusammen, die Vermieter haben wollen: Schufa, Gehalt. Ein paar Infos über dich und deinen Partner oder deine Partnerin können nicht schaden. Also: Alter, aktuelle Adresse, Beruf. Und der Vermieter soll ja wissen, zu wem die Dokumente gehören. Auf dem Bild aus dem letzten Urlaub seht ihr eigentlich ganz sympathisch aus. Du packst es vorne drauf, kaufst ein paar Heftmappen und hältst sie fortan jedem unter die Nase, der nicht danach fragt.

Hast du ähnliche Situationen erlebt?

Hast du auch schon krasse/absurde/witzige Situationen bei der Wohnungssuche erlebt? Dann erzähl sie uns!

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3

Du rufst beim Vermieter an – immer und immer wieder

Endlich: Die Bewerbungsunterlagen sind eingereicht, die Vormieter hat dich empfohlen. Fehlt nur noch der alles entscheidende Anruf der Wohnungsgesellschaft. Ein Tag vergeht, zwei Tage, am dritten Tag hältst du es nicht mehr aus. 

Du rufst bei der Zentrale an und lügst: Du hättest eine Zusage für eine andere Wohnung, wolltest diese hier aber viel lieber und müsstest schnell eine Entscheidung treffen. Einen Tag später hast du immer noch nichts gehört – und rufst wieder an. So wie die nächsten fünf Tage, in der Mittagspause, manchmal auch noch abends. Eine Antwort bekommst du nie.

4

Du nimmst alles. Wirklich alles.

Monate sind vergangen und deine Erwartungen mit ihnen. Du stehst mit 50 Leuten in einem Treppenhaus im Bahnhofsviertel, es riecht ein bisschen nach Schimmel. Die Wohnungstür geht auf und dahinter erstreckt sich kein Parkettboden, sondern ein riesiges klaffendes Loch. Nacheinander balancieren alle über einen Balken entlang darüber. Die Tapeten sind gelb vom Zigarettenrauch des Vormieters, der Preis mehr als die Hälfte deines Gehalts. Der Vermieter streckt dir einen Mieterbogen hin. Du füllst ihn aus.


Food

Kochen mit Insekten: Wir haben einen Heuschrecken-Salat probiert
"Nussig"

Was für viele nach Dschungelcamp und Ekelessen klingt, ist für andere vollkommen normal: Rund 65 Prozent der Weltbevölkerung essen Insekten. In vielen Ländern Asiens oder Afrikas gehören sie zu den Grundnahrungsmitteln.

Doch in unserem Kulturkreis ist das Essen von Insekten eher unüblich. Das könnte sich in naher Zukunft ändern, denn seit dem 1. Januar 2018 sind Insekten als neuartiges Lebensmittel in der EU zugelassen und können offiziell verkauft werden.