Bild: bento-Montage
So ätzend können Wohnungs-Castings wirklich sein.

Musstest du dich mal bei jemandem so richtig, richtig einschleimen? Wenn du jemals ein WG- oder Wohnungs-Casting besucht hast, wahrscheinlich schon. Solche Besichtigungen sind meistens für beide Seiten unangenehm: Innerhalb kurzer Zeit soll man sein fremdes Gegenüber gut genug kennenlernen, um danach entscheiden zu können, ob man zusammenleben will – oder als Mieter den Ansprüchen genügt. 

So viel Druck und Erwartungen binnen wenigen Minuten tun wahrscheinlich keiner Begegnung gut – auch deshalb gehen solche Besichtigungen immer mal wieder richtig in die Hose. 

Wir haben Menschen nach ihren schlimmsten Erlebnisse gefragt:

Küchenschlacht statt Casting

2011 erlebt von Nadin

Ich suchte ein Zimmer zur Zwischenmiete in Köln – die Wohnung, die ich besichtigte, war weder billig noch in einer guten Gegend. Trotzdem ging ich zum Casting, denn ich musste wirklich dringend eine Bleibe finden. Ich war nicht die einzige, die eingeladen wurde: In der Küche quatschten schon sieben andere Mitbewerberinnen und -bewerber mit den fünf WG-Mitgliedern. Ich lies mich durch die Räume führen, bis ich einen Zettel in die Hand gedrückt bekam.

Ich überflog das Papier und las: "Was würdest du für die WG kochen?" "Wie jetzt, so generell für euch kochen? Macht ihr Kochabende?", fragte ich. "Nee, wir sieben nach dem Casting heute aus und machen eine zweite Runde. Da müssen die Auserwählten gegeneinander kochen und wer am besten ist, bekommt das Zimmer", erklärte mir einer der Bewohner grinsend. Mir fiel die Kinnlade auf den Boden. Was bildeten die sich eigentlich ein? Ich war wütend, blieb aber trotzdem freundlich – von der WG hörte ich nie wieder etwas.

Kein Mietvertrag für schwule Männer

2017 erlebt von Alex

Ich suchte für mein Zimmer in einer Vierer-WG in Wien einen Nachmieter. Mir schrieb Jonas, den ich auf Anhieb sympathisch fand: Meine Mitbewohner und ich luden ihn zur Besichtigung ein und verstanden uns alle total super – er bekam das Zimmer. Nachdem er den Mietvertrag unterschrieben hatte, fragte ich ihn, ob er mal mit mir Kaffee trinken gehen würde. Wir trafen uns immer öfter und uns war beiden schnell klar, dass das mehr als Freundschaft war.

Als ich meinen Mitbewohnern davon erzählte, kündigten sie ihm den Vertrag, noch bevor er überhaupt eingezogen war: Sie wollten nicht noch mal mit einem schwulen Mann zusammenleben. Ihre Begründung: Schwule Männer und Heteromänner können nicht gut befreundet sein. Ich packte am nächsten Tag meine Sachen, schlief über einen Monat auf der Couch einer Freundin. Ich betrat die Wohnung nur noch ein einziges Mal, um gemeinsam mit Freunden meine Möbel zu holen. Jonas zog in eine andere Wohnung – wir sind bis heute ein Paar.

Der rassistische Jäger

2016 erlebt von Baha 

Ich bin in Bayern geboren und studiere dort in einer Kleinstadt. Ich hatte einen Termin für eine Zimmerbesichtigung – das Zimmer befand sich in einem Landhaus. Schon von außen sah alles sehr bayerisch aus: ein mehrstöckiges Holzhaus, drumherum ein riesiger Acker und ein Stück Wald. Der Vermieter – ein fränkischer Jäger – erklärte mir, dass ich gemeinsam mit ihm, seinen beiden Töchtern und seiner Frau hier wohnen würde. Als erstes machte er mir klar, dass seine Töchter für mich "tabu" seien – dann erzählte er mir von seinen Waffen und warnte mich davor, mich an die Regeln zu halten. 

Ich wusste schon längst, dass ich nicht hier einziehen wollte, doch sein letzter Satz toppte alles. Zur Verabschiedung meinte er in breitem Fränkisch: "Wissen Sie, als ich zuerst Ihren Namen gelesen habe, hatte ich schon Angst, Sie seien ein Afrikaner, oder noch schlimmer, so ein Chinese – die immer mit ihrem Kommunismus. Aber bei Ihnen hab ich ein gutes Gefühl!"

4 Der Stalker

Erlebt von Max

Ich war auf Wohnungssuche und rief eine Hausverwaltung in Frankfurt an. Der Mann am anderen Ende der Leitung war sehr nett, bot mir seine Hilfe an und bat um meine Handy-Nummer. Die gab ich ihm, er war zuversichtlich, meinte: Ja, wir finden was für dich. 

Eigentlich wurde es dann schon komisch. Er rief mich manchmal abends an. Um acht oder neun Uhr. Dabei ging es aber nicht um eine Wohnung. Er erzählte mir nur von seinem Tag. Einfach so.  Ich blieb höflich, ich wollte schließlich eine Wohnung. Deshalb machte ich Smalltalk. 

Dann fragte er mich, ob ich nicht Lust hätte, im Büro vorbeizukommen, um mich persönlich vorzustellen. Bis dahin hatten wir ja nur telefoniert. Ich meinte: Ja, kann ich machen. Bei WhatsApp schrieb er mir dann wenig später, dass es gut sei, wenn wir uns mal so richtig kennenlernten, ganz ungestört. Dann könne er auch seinem Chef sagen, dass wir Freunde seien. Dann hätte ich bessere Chancen auf eine Wohnung. 

Ich war einfach richtig geschockt, als ich das gelesen habe. Ich dachte nur: Geht's noch? Ich wollte mir das nicht gefallen lassen, also schrieb ich ihm, wie sein Chef es fände, wenn er das lese. Dass er mich bedränge und die Verzweiflung der Menschen ausnutze. 

Da drehte er durch. Er meinte: Ich lass mich nicht von dir bedrohen. Er warf dann wiederum mir vor, dass ich seine Situation ausnutze. Ich blockierte ihn. Ich hörte nie wieder etwas von ihm. 

Schlimme WG- und Wohnungsbesichtigungen

Du hast bei der Wohnungssuche auch Gruselgeschichten erlebt? Schick sie an fuehlen@bento.de

Mit einer Einsendung erklärst du dich mit einer Veröffentlichung auf bento und sämtlichen anderen Medien der SPIEGEL-Gruppe einverstanden.

News und Storys von bento per WhatsApp oder Telegram!


Art

Dieser Videokünstler verwandelt sich in eine alte Frau
Passiert das gerade wirklich?

Duncan Evans ist Videokünstler. Der 22-Jährige lebt in Wales und arbeitet als freier Grafikdesigner. In seiner Freizeit filmt er kurze Illusions-Videos

Darin spielt er mit Perspektiven und Effekten, setzt gezielt Schnitte und erzeugt dadurch unmöglich erscheinende Szenen: Ganz nebenbei lässt er Spielkarten im Raum schweben oder verwandelt sich in eine alte Frau. 

Duncan dreht diese Videos zum einen, weil es ihm einfach Spaß macht: