Bild: Alisa Anton via Unsplash

Oh du fröhliche, besinnliche Weihnachtszeit: Überall duftet es nach frisch gebackenen Plätzchen, frisch geschälter Mandarine und warm dampfendem Glühwein. Weihnachtszeit bedeutet aber auch: Brechend volle Einkaufsstraßen, völlig überlastete Paketdienste, Schneematsch in den Schuhen und der alljährliche Kampf um die besten Geschenke. Und dann gibt es da noch den Endgegner: Den Weihnachtsmarkt. 

Denn im Grunde läuft jeder Weihnachtsmarktbesuch genau gleich ab. 

Kaum bricht die viel zu frühe Dämmerung herein, ploppen auf deinem Handy drei verschiedene Whatsapp-Gruppen auf. "Na, hat wer Lust auf einen spontanen Ausflug auf den Weihnachtsmarkt?" schreibt Lisa mit einer Fülle von weihnachtlichen Emojis, von denen du nicht mal wusstest, dass sie existieren. 

Lisa ist nämlich die Person, die schon im Spätsommer die ersten Lebkuchen aus dem Wühltisch im Discounter inhaliert. "Nein Lisa, auf gar keinen Fall" denkst du dir, nur um dann mit nicht weniger Emojis zu schreiben: "Hmm, also auf ein, zwei Tassen Glühwein wär ich schon dabei!". 

Du fragst dich, wieso du schon wieder zugesagt hast – aber irgendwie willst du dieses traute Weihnachtsfeeling ja schon mal wieder erleben.

Schon auf dem Weg zum weihnachtlichen Happening bist du genervt von den überdurchschnittlich vielen Leuten, die sich mit dir in die U-Bahn quetschen und heute mal – ganz individuell – ihre Nikolausmütze aufgesetzt haben. Voll Vorfreude schnattern Kolleginnen und Kollegen über das ach so tolle Meeting am Nachmittag, das sie jetzt mit drei bis fünf Litern Glühwein vergessen möchten. Eigentlich geht es dir ja nicht anders.

Du kommst an, Lisa und ihren Freund erkennst du schon von weitem, denn sie tragen beide den gleichen weihnachtlichen Strickpulli. 

"Fröhliche Weiihnachteeeeen" kreischt sie dir in einer Stimmlage entgegen, bei der so manche Glühweintasse zerspringt. Eigentlich findest du sowas affig, aber irgendwie freust du dich jetzt schon ein bisschen auf den Abend.

Ihr drückt euch durch die knapp drei Millionen Mitmenschen, die sich an diesem bescheidenen Dienstagabend für die Flucht in eine Parallelwelt entschieden haben. Zwischen erbrochenem Glühwein im Scheematsch und den ersten Takten von "Last Christmas", die über den gesamten Platz schallen, versucht Lisa dir noch das genaue Rezept für dieses tolle Zwiebelchutney zu erklären, das sie als "weihnachtliches DIY" Projekt gestartet hat. Du findest es total albern, aber hoffst heimlich darauf, auch eines geschenkt zu bekommen.

Ihr steht gerade am dritten Stand, der handbemalte Teelichthalter mitsamt Holzschnitzereien verkauft, als – natürlich, denn wie könnte es anders sein – dir der erste Arbeitskollege auf die Schulter tippt. Du führst zehn Sekunden lang gezwungenen Smalltalk mit Phrasen wie "Tja, einmal im Jahr ist das ja auch ganz schön" oder "Nee, ich bin hier auch nur wegen der tollen Kunststände" und siehst begeistert dabei zu, wie der Strom aus Menschen deinen Gesprächspartner langsam weiterdrängt. Irgendeinen Nutzen hat so eine Masseneinstimmung auf die Weihnachtszeit also doch. 

Der Glühwein-Stand ist erreicht und das große Boxen um die besten Plätze beginnt. 

Lisa ist zum Glück Profi darin, luchst dir schon mal 30€ ab, von denen du nie wieder etwas sehen wirst, und bestellt für alle die ausgefallensten Glühwein-Variationen, die der Stand mit dem individuellen Namen "Glühhütte" zu bieten hat. 

Dir passiert, was dir immer passiert: Zuerst verbrennst du dir die Zunge an diesem Hipster-Gebräu und dann redet Lisa so lange über ihr weihnachtliches Pinterest-Board auf dich ein, bis der Inhalt deiner Tasse komplett ausgekühlt ist. Weil das am Alkoholgehalt aber nichts ändert, leerst du sie trotzdem in ein paar Zügen. 

Die Weihnachtsmarkt-Saison hat begonnen!

Posted by bento on Friday, November 30, 2018

Mit dem leichten Schwips der ersten Tassen wagt ihr euch wieder ins Getümmel – Zeit zu essen!

Auf Lisas Nase ist verlass, denn sie erschnüffelt die weihnachtlichen Essensstände aus kilometerweiter Entfernung. Deine Füße sind nicht nur komplett durchgefroren sondern schmerzen auch vom vielen Stehen und den Menschenmassen, die auf sie getreten sind. An "Willis Bratwursthäusl" musst du deinen letzten Geldschein abdrücken, um dir einen Kartoffelpuffer zu kaufen, der sich das drei Wochen alte Bratfett vermutlich schon mit allerlei Bratwürsten geteilt hat. Teilen findet Lisa auch nicht so schlecht, und kauft für sich und ihren Freund gemeinsam eine Wurst, die dann auch dementsprechend kompliziert vertilgt wird.

Während du diesem Verbrechen an jeglicher Esskultur beiwohnst, merkst du, dass es auch langsam mal Zeit wird, dich in eine dieser endlosen Toilettenschlangen einzureihen. Um dir die Wartezeit im Kalten zu verkürzen, lässt du Lisa noch eine weitere Runde Glühwein erkämpfen und weißt jetzt schon, dass du das morgen bereuen wirst. Aber Glühwein schmeckt trotzdem einfach zu gut.

Selbst deine Freundin Lisa hat sich von dem äußerst widerlichen Toilettengang in ihrer weihnachtlichen Manie entmutigen lassen, und schlägt irgendwann vor, sich in Richtung Heimweg zu machen. 

Dein mittlerweile gut angetrunkenes Ich grölt eigentlich nach zwei weiteren Runden Glühwein, aber pünktlich um 22 Uhr schließt der Weihnachtsmarkt bekanntermaßen. 

Also drängst du dich, mit der nun mehr lallend als plappernden Lisa, ihrem Freund und der halben Stadt hin zur nächsten U-Bahn Station, die mittlerweile mehr nach Ausnüchterungszelle als Bahnhof riecht.

Endlich bist du wieder Zuhause: Der Glühwein beginnt jetzt schon hinter der Stirn zu schmerzen, Mariah Carey grölt noch immer in deinem Kopf und das Bild von Lisa und ihrem Freund beim Wurstteilen hat sich wohl für immer in dein Gedächntis eingebrannt. 

"Nie wieder mach ich so einen Scheiß", denkst du dir – und überlegst schon heimlich, wann du dich nächste Woche wieder in das Weihnachtsmarkt-Getümmel stürzen kannst. 


Sport

Diese Bloggerin zeigt mit Hilfe von Photoshop, wie absurd Schönheitsideale sind
Warum wir aufhören sollten, Schönheitsidealen nachzujagen

Was ist eigentlich ein perfekter Körper? Das kommt natürlich immer darauf an, wen man fragt – und wann. 

Denn Schönheitsideale ändern sich. Und das ganz schön schnell: Wo heute gern ein voluminöser Hintern und eine schlanke Taille betont werden, waren vor wenigen Jahren noch große Brüste wichtig. 

In einem Leben kann eine Frau also immer die gleiche Figur haben – und trotzdem ständig unzufrieden sein. 

Besonders eindrücklich hat das jetzt die Bloggerin Cassey Ho demonstriert. Sie hat Bilder von ihrem Körper den Idealen vergangener Zeit angepasst – und das Ergebnis ist verblüffend. 

So sieht Cassey eigentlich aus: