Achtung, Smombies!

Menschen, die auf Handys starren, den Rücken leicht zum Buckel gekrümmt laufen sie über die Straße: Vor diesen gewiss gefährlichen Personen warnt ein neues Verkehrsschild in Reutlingen. Unbekannte haben es in der Stadt in Baden-Württemberg in der Nähe eines Gymnasiums aufgestellt.

Das Schild sieht fast aus wie ein offizielles Verkehrsschild und zeigt einen Mann und eine Frau, die auf ihr Handy starren – ohne auf den Verkehr zu achten. 

Smombies nennt zumindest der Langenscheidt-Verlag (der mit dem Duden) solche Personen. Der Verlag kührte das Wort 2015 zum Jugendwort des Jahres, es ist eine Mischung aus Zombies und Smartphone.

Anja Putterstein, Social-Media-Managerin des Stadtmarketings, postete das Bild auf Facebook und Twitter. Seitdem gibt es in der Stadt kaum ein anderes Gesprächsthema mehr. Inzwischen haben mehr als 6900 Menschen das Bild auf Facebook geteilt. Dort bestätigte das Stadtmarketing auch, dass das Schild echt sei. Wer dahinter stecke, sei nicht klar. Man selbst sei es jedenfalls nicht gewesen.

Vielleicht seien es ja besorgte Eltern oder Lehrer gewesen, vermutet Tanja Ulmer, sie arbeitet für das Stadt-Marketing (Tagesschau). "Ich meine, das Schild bildet ein Stück Realität ab", sagt sie. Leute achteten immer weniger auf den Verkehr, spazierten abgelenkt durch die Straßen. "Wer weiß, vielleicht gar keine schlechte Idee, solch ein Straßenschild auch regulär einzuführen". (Reutlinger General-Anzeiger)

Auch das Ordnungsamt ist begeistert. "Es ist genial. Es ist ein Weckruf", sagt Ordnungsamtsleiter Albert Keppler. Das Amt habe die Botschaft verstanden. "Es ist gravierend, zu wie vielen Beinahe-Unfällen es durch Leute kommt, die auf ihre Handys starren". Ist das Schild also eine tolle Möglichkeit, um endlich gegen die vermeintlich überhand nehmende Handynutzung junger Menschen vorzugehen? Wahrscheinlich nicht, denn es wird bald wieder abgehängt. Gesetz sei Gesetz, sagt das Ordnungsamt.

Bestraft werden solle der oder die Verantwortliche aber nicht. Das liege im Ermessen des Ordnungsamtes – und dort halte man das für einen gelungenen Scherz. Falls sich die Verantwortliche nicht meldet, will das örtliche Gymnasium das Schild möglicherweise in der Schule aufhängen. (Südwest Presse)

Aber: Das Schild ist kopiert.

Der oder die Unbekannte hat sich von zwei Schweden inspirieren lassen: In Stockholm hatten die Werber Jacob Sempler und Emil Tiismann 2015 drei Warnschilder an Laternenmasten angebracht.

Eigentlich sollte ihre Kunstaktion "A sign of the times" Handy-Nutzer zum Nachdenken bewegen. Dem schwedischen Radio sagte Tiismann, dass viele Fußgänger die Schilder aber gar nicht bemerken würden: Sie würden stattdessen auf ihr Telefon schauen. (bento)

1/12

Diesmal stecken die Schweden nicht dahinter. Ihr Kunstwerk wurde kopiert. Wer lieber das Original hat: Das Technoseum in Mannheim hat eines der Schilder in seine Sammlung aufgenommen.


Today

Gute News: Es leben noch viel mehr Gorillas als angenommen
Forschende haben die bedrohten Tiere gezählt.

In Afrika leben mehr als doppelt so viele Gorillas als bisher angenommen. Das hat ein internationales Forscherteam herausgefunden.

Die Forscherinnen und Forscher wanderten zu Fuß durch 59 Orte in Zentralafrika und zählten die selbstgebauten Nester der Affen, in denen diese nachts schlafen. (Guardian)

Das Ergebnis: Sie fanden heraus, dass in den Gebieten etwa 360.000 Gorillas und rund 130.000 Schimpansen lebten.