Schon mal einen Plastikbecher mit Armen und Beinen gesehen?
(Bild: Sooperdavid)

Der Welpe muss flüchten. Zähnefletschen bringt nichts, bellen auch nicht. Die Tüte greift ihn trotzdem an. Sie reißt die Arme in die Luft, packt den kleinen Hund am Hinterteil und wirft ihn ins Wasser. Die böse Tüte hat gewonnen. So zumindest interpretiert Sooperdavid, ein britischer Amateur-Künstler, das Filmchen aus dem Netz, das er mit seinen Zeichnungen überarbeitet hat.

Der 29-Jährige schnappt sich Videos aus dem Netz und verpasst alltäglichen Dingen ein Gesicht und die Arme und Beine eines Strichmännchens. Mit der Multimedia-Software Flash erweckt er Gegenstände wie Schrauben, Luftballons und Wasserflaschen zum Leben. Oder eben eine Plastiktüte. Der ursprüngliche Netzclip ist schon lustig: Ein ängstlicher Hund flüchtet vor einer harmlosen Plastiktüte und springt ins Wasser. Doch die digitalen Pinselstriche von Sooperdavid machen die Szene noch skurriler.

(Bild: Sooperdavid)
(Bild: Sooperdavid)

Mit seinen Filmchen ist der Brite zum Star bei Reddit geworden. Im Januar vergangenen Jahres veröffentlichte er seine erste Gif-Kreation als Kommentar unter einem Beitrag. Das Gif zeigte einen Hund, der auf der Couch mit einem Tennisball spielt. Natürlich kein normaler Tennisball. In der Videoversion von Sooperdavid hat der Ball ein Gesicht, streckt dem Hund die Zunge raus und wedelt mit Armen und Beinen. Das gefiel den Reddit-Nutzern.

Ein Forums-Mitglied hat das Gif zum Anlass genommen, eine Gruppe mit dem Namen "Real Life Doodles" zu gründen, was so viel bedeutet wie "Kritzeleien im echten Leben". Mehr als 120.000 Fans haben den Kanal mittlerweile abonniert, den Sooperdavid moderiert, und senden täglich ihre eigenen Gif-Kreationen an die Gruppe: Zum Beispiel eine wütende Graffiti-Wand und zwei scherzende Schornsteine. "Ich bin immer noch überwältigt davon, wie groß die Sache mittlerweile geworden ist", sagt der Künstler aus Manchester.

(Bild: Sooperdavid)

Schadenfreude ist ein wichtiges Element in vielen dieser Doodle-Videos, auch bei Sooperdavid. Immer wieder landet jemand auf dem Hinterteil, bekommt eine Flasche an den Kopf oder fällt schockiert vom Stuhl. Das sieht lustig aus, ist aber für manche Betroffenen auch ziemlich schmerzhaft. Doch darum gehe es ihm nicht, sagt Sooperdavid. Er zeichne genauso viele Doodles für nette Videos, wo niemand verletzt und kein Gegenstand beschädigt werde.

Gestik und Mimik seiner Kritzel-Geschöpfe passt Sooperdavid immer der Situation im Video an. Wenn er glaubt, der Eimer hat Spaß, dann bekommt er eben ein Grinsen verpasst. Wenn eine Dose durch den Schredder gedreht wird, dann sieht das Gesicht nicht mehr ganz so glücklich aus. "Ich stelle mir eigentlich nur vor, was das Ding machen würde, wenn es real wäre, und dann zeichne ich das."

(Bild: Sooperdavid)

Rund 120 Gifs hat der Brite schon mit seinen Kritzeleien verziert. In der Regel benötigt er ein bis zwei Stunden für einen Kurzclip. Doch es kann auch mal etwas länger dauern. Wegen der vielen Gesichter hat er für ein Video mit einem Hund, der ganz viele (natürlich lebende) Luftballons zerbeißt, etwa 14 Stunden gebraucht. Geld verdient er nicht mit seiner Netzkunst, er zeichnet die Doodles nach Feierabend. Denn eigentlich arbeitet Sooperdavid in der Logistik-Abteilung eines Pharmakonzerns

"Ich zeichne diese Gifs aus Spaß in meiner Freizeit, weil die Menschen sie offenbar mögen und weil es sie glücklich macht." Dieses Hobby wird er wohl auch so schnell nicht aufgeben. "Ich werde sie so lange zeichnen, bis niemand mehr diese Gifs sehen will."

(Bild: Sooperdavid)
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