Olympia, Schmolympia. Soziales Chaos, Milliardenkosten und vom IOC eingeschränkte Berichterstattung: Wofür das alles? Eine Bande von medikamentös hochgezüchteten Übermenschen wirft mit Scheiben, rennt im Kreis und springt über umfallende Zäune. Nun hat das Treiben endlich ein Ende, und ich frage mich:

Musste man sich das wirklich angucken?

Nein, natürlich nicht. Es gibt allerdings ein paar Tätigkeiten, deren Meisterschaft ich tatsächlich so beeindruckend finde, dass wir sie viel stärker feiern sollten. Und die ich mir sogar bei den Olympischen Spielen anschauen würde.

1. Steuererklärung richtig und rechtzeitig abgeben.

Die lange vergessene, antike Kunst der "Steuererklärung" ist wohl die am schwersten zu meisternde Disziplin der Welt. Auf MDMA mit dem Wingsuit zu fliegen ist nichts gegen den Rausch, der einen beim Ausfüllen der zwei Milliarden Kästchen im ELSTER-Formular erfüllt.

Das einzige Problem: Auch wenn die Idee von kämpfenden Steuerberatern witzig ist, stelle ich mir das reine Zuschauen beim "Steuer-Limbo" nicht all zu packend vor. Andererseits schauen die Menschen aber auch Formel 1, ohne vor Langeweile einen Hirnschlag zu bekommen.

“I just think that sports are stupid, and anyone who likes them is just a lesser person and has a small intellect.”
Amy Schumer in Trainwreck
2. Serien-Marathon.

Etwas, womit sich nun wirklich jeder identifizieren kann: Schmerzender Hintern, tränende Augen, knurrender Magen. Aber eine Folge muss noch rein! Wie lange hält man es aus? Besonderer Kick: Diese Sportart wäre total inklusiv, hier könnte wirklich jeder gegen jede antreten.

Würde diese Disziplin bei Olympia laufen, könnte man außerdem gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Sport und Serien gleichzeitig gucken.

3. Kochen.

Schnell einen kleinen Gurkenschaum, dann ein anständiges Pilz-Risotto und zum Abschluss noch ein Soufflé an einer Orangenreduktion? Kannst du nicht? Ist ja auch sauschwer!

Es hat sicherlich einen Grund, dass es in der vergangenen Dekade mehr Koch- als Nachrichtensendungen im Fernsehen gab: Menschen sind von dieser Kunst beeindruckt. Außerdem steht man als Koch unter Zeitdruck, benötigt viel Training und Ausdauer, schwitzt stark und wird am Ende von einer Jury (aka den Gästen) bewertet.

Ein Eintrag als offizielle Sportart ist also eigentlich nur noch Formsache.

Bonus: Gedopt wird hier auch! Dass Koks und Speed in den Sterneküchen der Welt zu einem anständigen Team-Essen vor Schichtbeginn dazugehören, wissen wir nicht erst seit diesem tollen Video:

4. League of Legends.

Habt ihr euch die durchgepeitschten Gamer mal bei einem Turnier angeschaut? Und ja, ich meine sowohl das Publikum als auch die Spieler. So viel psychischen Druck und Anspannung im Gesicht sieht man sonst nur bei Backpackern an der deutsch-holländischen Grenze.

Die professionellen Jungs (und Mädels, aber halt wirklich viele Jungs) trainieren jeden Tag in eigens für sie gekauften Villen und werden von gegnerischen Teams für viel Kohle abgeworben. Die ins Netz gestreamten LCS-Events haben Millionen von Zuschauern, eine riesige Fankultur und zahlen den Gewinnerteams Millionenbeträge aus. Zum Vergleich: Die grandiosen deutschen Fußballerinnen bekommen bei einem EM-Titel ein paar Zehntausend Euro und ein Kaffeeservice. (SPIEGEL ONLINE)

Bonus: Und es gibt sogar eigene Korruptionsskandale! (reddit) Wird das dann nicht eigentlich automatisch olympisch?

5. Sex.

WER WÜRDE BITTE NICHT DIE INTERNATIONALE SEXOLYMPIADE SEHEN WOLLEN? 69% der Menschen zwischen 14 und 49 schauen die Spiele doch eh nur wegen der hübschen und durchtrainierten Athleten.*

Um das Ganze nicht zu unangenehm zu machen, könnte man es wie beim Eiskunstlauf machen: Die Athleten treten dann einfach mit einem festen Partner an und führen eine einstudierte Choreographie zu selbstgewählter Musik vor. Das ist Kunst, das ist Emotion, da hat der Kommentator was zu erzählen!

Ich würde es gucken, alleine schon wegen der nackten Pirouetten.

*Schätzung: Fantasie

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