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Ein ganz normaler Tag auf dem Oktoberfest

Zugegeben: Das Oktoberfest ist nicht für jeden etwas. Man muss schmerzunempfindlich sein im Bezug auf Gerüche, Essen und natürlich: Alkohol. 

Für mich ist es eines der schönsten Wochenenden des Jahres. Ganz einfach, weil man nur hier bestimmte Situationen erlebt, besonders wenn man mehrere Tage auf der Wiesn verbringt – so wie ich mit meinen Kumpels. 

Was das für besondere Oktoberfest-Situationen sind? 

Hier sind die Momente, die du nur kennst, wenn du ein Wochenende auf der Wiesn verbringst. 

8:30 Uhr: Aufstehen (wenn du gestern auf der Wiesn warst)

(Bild: Giphy)

Obwohl auf der Wiesn die Zelte schon um 23:00 Uhr schließen und du eigentlich genug Schlaf hattest, wirst du das Gefühl nicht los, jemand prügelt mit einem Hammer auf deinen Schädel ein. Irgendeiner deiner Kumpels kommt mit dem obligatorischen Spruch: "Die letzte der sieben Maß gestern muss wohl schlecht gewesen sein."

Aber lange Zeit für Selbstmitleid bleibt nicht. 

Die Wiesn ruft schließlich.

10:15 Uhr: In der Bahn zur Theresienwiese

(Bild: Giphy)

Wer noch einen Tisch im Zelt will, muss früh genug da sein. Die Idee hast du aber nicht exklusiv. Die Menschen in der Bahn tragen so viel Aftershave oder Parfüm, dass selbst der trotz der frühen Tageszeit schon angetrunkene Engländer mit der Bifi nicht dagegen anstinken kann. 

11:30 Uhr: Im Zelt

(Bild: Giphy)

Nach dem spöttischen Blick der Security, weil du aussiehst als hättest du direkt neben dem Zelt geschlafen, trittst du ein. Der Geruch im Eingang lässt dich am gesamten Tagesprojekt zweifeln. Eine Mischung aus Kotze vom Vortag, frisch gezapftem Bier und Desinfektionsmittel

Du fragst dich: Warum tut man sich den Scheiß eigentlich an?

11:45: Die erste Maß

(Bild: Giphy)

Platz genommen. Erste Bestellung des Tages: vier Maß. Keine drei Minuten später stehen die Humpen auf dem Tisch. Du zahlst 50 Euro, also etwas mehr als fünf Euro Trinkgeld. Denn: Zahlst du auch nur einen Cent weniger, siehst du den Kellner nie wieder. 

Der erste Schluck ist kaum zu beschreiben. Er schmeckt, wie es auf der Toilette im Flixbus von Berlin nach Lissabon riecht. Dein Katerschädel von gestern ist einfach noch nicht überwunden. Nach dem ersten Anstoßen sieht dein Tisch jetzt schon aus wie ein Nichtschwimmerbecken. 

13:02 Uhr: Stiefel trinken

(Bild: Giphy)

Ein offenbar italienischer Tourist vier Bänke weiter stellt sich unter tosendem Applaus in seinem Dirndl (!) auf den Tisch, kippt eine Maß Bier in seinen Stiefel und ext sie. Ein komisches Gefühl, wenn sich Ekel mit Neid mischt.

13:28 Uhr: Mittagessen

(Bild: Giphy)

Plötzlich haut dich die zweite Maß fast um. Du solltest dringend etwas essen. Das ist auf dem Oktoberfest vor allem eines: teuer. Egal. Neun Euro für eine Brezn? Muss jetzt sein. 

Zurück am Tisch merkst du, dass deine Entscheidung richtig war. Der Typ einen Tisch weiter liegt auf dem Tisch und versucht Schnupftabak zu essen.

16:41 Uhr: Paaaaarty

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Nachdem die Band ihre bayrischen Volkslieder abgespult hat, gibt es endlich Hits. Du stehst mit der vierten Maß glücklich auf der Bank und fragst dich "Who the fuck is Alice?"

18:13 Uhr: Wo sind die Schienbeinschoner?

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Du stehst seit vier Stunden auf der Bank, wirst zum elften Mal von hinten geschubst und knallst mit dem Schienbein gegen die Tischkante. Es sieht mittlerweile aus wie der Anbau vom großen blauen Haus.

20:47 Uhr: Die Blase drückt

(Bild: Giphy)

Um dem Wahnsinn kurz zu entkommen, gehst du auf die Toilette und bist sicher, dass du noch nie so saubere sanitäre Einrichtungen gesehen hast. Das Einzige was stört, ist ein erbrochenes Wiesn-Hendl in der Pinkelrinne. Du überlegst kurz, ob du probieren solltest, hast dich aber bemerkenswerterweise im Griff.

23:00 Uhr: Feierabend

(Bild: Giphy)

Während du dir die letzten Tränen aus dem Gesicht wischst, weil du gerade eine ergreifende Performance von Robbie Williams' Angels abgeliefert hast, lässt du dich nach draußen treiben. 

Noch immer laufen Tausende auf der Festwiese herum, um viel zu teure Fahrgeschäfte zu nutzen. Das muss verhindert werden. Du hälst einem neunjährigen Mädchen einen flammenden Vortrag darüber, dass es kompletter Quatsch ist, acht Euro für eine Fahrt im Riesenrad zu bezahlen. Auf die Frage, ob sie dafür früher 16 Mark ausgegeben hätte, guckt sie dich nur verwirrt an.

00:00 Uhr: Zuhause

(Bild: Giphy)

Du weißt nicht ganz genau, wie du das geschafft hast, aber du liegst im Bett.

Und denkst jetzt schon: Nur noch 364 Tage, dann darfst du endlich wieder hin. 


Today

Eine Playlist mit einer Speichelprobe erstellen? Spotify arbeitet jetzt mit einem DNA-Analyse-Büro zusammen
Das Wichtigste in vier Punkten

Es klingt gruselig in so vielerlei Hinsicht: Spotify ist eine Kooperation mit einer DNA-Analyse-Agentur eingegangen und bietet jetzt Playlists auf Basis deiner Gene an (ancestry.com). Was dahinter steckt. 

Wie will Spotify eine Playlist auf DNA-Basis erstellen?

  • Der Kooperationspartner von Spotify ist Ancestry. Das ist einer dieser Anbieter von DNA-Analysen, wie auch MyHeritage oder 23andMe, die ihren Kunden mithilfe einer eingesendeten Speichelprobe aufzeigen wollen, was ihre wahre Herkunft ist: zu wie viel Prozent ist jemand mitteleuropäisch, nordafrikanisch, skandinavisch und so weiter (SPIEGEL ONLINE).
  • Das Geschäft an sich ist schon ziemlich zweifelhaft, jetzt ist auch noch Spotify eingestiegen. Wer eine DNA-Analyse bei Ancestry macht, bekommt dann auch eine Playlist bei Spotify zusammengestellt mit Musik aus seinen Herkunftsländern (ancestry.com).
  • Kommt bei der DNA-Analyse also zum Beispiel raus, dass du zu 13 Prozent chinesisch und 34 Prozent schwedisch bist, bekommst du eine Playlist mit 13 Prozent chinesischer und 34 Prozent schwedischer Musik.
  • Welche Art Musik ist dabei vollkommen frei, die Playlist kann also alles enthalten von Schlager bis Heavy Metal. Die deutsche Beispiel-Playlist enthält zum Beispiel Tokio Hotel, Wolfgang Lippert, Madsen und Normahl. Die Playlist aus Schweden enthält unter anderem Icona Pop, ABBA und Avicii.

Wie zuverlässig ist diese DNA-Analyse?

Es gibt Wissenschaftler, die nennen diese Art der Ahnenforschung "genetische Astrologie" (Guardian). 

Weder die Abgrenzungen der Nationalstaaten noch die Prozentzahlen lassen seriöse Schlüsse von der DNA auf die Geschichte oder Identität der untersuchten Person zu (Stern).

Und erst Recht nicht auf ihren Musikgeschmack.