Eigentlich hat man als "Influencer" ein schönes, leichtes, reiches Leben, sollte man meinen. Markenhersteller schenken einem Produkte, und wenn man die dann publikumswirksam lobt, bekommt man Geld dafür. Also wird eine inszenierte Version des eigenen, tollen Lebens bei Instagram oder YouTube verbreitet, so dass möglichst viele Fans – die auch gerne so ein tolles Leben führen möchten – auf die richtigen Konsumideen kommen. Zum Beispiel: mal wieder Turnschuhe kaufen.

Naomi Campbell, Supermodel seit den Achtzigern, war schon Influencerin, als das Wort noch gar nicht erfunden war. Früher hat sie ihr Geld noch mit ehrlicher Werbung verdient, heute wird sie offenbar auch dafür bezahlt, so ähnliche Dinge zu tun wie Bibi oder Dagi Bee: In Instagram-Fotos Produkte hochhalten und in der Bildunterschrift dazu erklären, wie diese Produkte ihr ohnehin schon tolles Leben bereichert haben.

Naomi, So nice to see you in good spirits!!! Could you put something like: Thanks to my friend @gary.aspden and all at adidas - loving these adidas 350 SPZL from the adidas Spezial range.
@iamnaomicampbell

Wie das funktioniert, hat Campell jetzt versehentlich ihren knapp drei Millionen Instagram-Fans vorgeführt. Zu einem Foto, in dem sie ein paar weiße Adidas-Turnschuhe über ihre Hände gestreift hat und in die Höhe hält, postete Campbell – oder wer auch immer solche Dinge für sie erledigt – statt der vom Werbekunden vorgeschlagenen Bildunterschrift ein bisschen mehr.

"Naomi", war da zu lesen "schön zu sehen, dass du gut drauf bist!!! Könntest Du sowas schreiben: Danke an meinen Freund @gary.aspden und alle bei adidas - ich liebe diese adidas 350 SPZL aus der adidas Spezial range." Dann folgten noch ein paar Emojis und @adidasoriginals. Screenshots der allzu offenherzigen Bildunterschrift kann man sich zum Beispiel bei "Mashable" oder "Jezebel" ansehen – das Original ist mittlerweile von Campbells Instagram-Account verschwunden.

Als jemand den Fehler bemerkte, wurde er eiskalt und kommentarlos korrigiert.

Jetzt steht unter dem Bild nur noch genau das, was "ihr Freund Gary Aspden" vorgeschlagen hatte:

"Thanks to my friend @gary.aspden and all at adidas - loving these adidas 350 SPZL from the adidas Spezial range. #thesearemine"
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Unbemerkt war der Lapsus aber nicht geblieben: Diverse Kommentare unter dem Bild beziehen sich noch immer auf den mittlerweile gelöschten Arbeitsauftrag von Adidas: "Cash für Kommentare", schrieb einer, "und die Leute fallen darauf rein". Anderen ist die offenkundige Manipulation augenscheinlich völlig egal:

Bitch, wir haben alle die E-Mail in der Bildunterschrift gesehen HAHAHA, liebe dich aber trotzdem!
Naomi Campbell ist nicht die einzige "Influencerin", deren Account versehentlich das eigene Geschäftsmodell offengelegt hat.
  • Der durch eine Reality-TV-Sendung bekannt gewordene C-Prominente Scott Disick etwa veröffentlichte versehentlich die Anweisung seines Auftraggebers, eines Herstellers von Protein-Drinks: "Schreibe um vier Uhr nachmittags Eastern Standard Time Folgendes: Bildunterschrift: Bleibe bei meiner Sommer-Trainingsroutine auf der Höhe mit meinem morgendlichen @booteauk Protein-Shake!"
  • Die als "Bachelor"-Finalistin bekannt gewordene 24-jährige Angelina Heger veröffentlichte versehentlich ein von ihrem Sponsor diktiertes Posting, das nach dem Werbespruch, das Produkt sei "voll von Superfoods wie Granatapfel und grünem Tee" die schriftliche Anweisung enthielt, hier sei ein 'slightsmile'-Emoticon einzufügen. Die Heger gleich mitpublizierte, statt das gewünschte Emoji einzufügen, was wiederum zu viel Häme führte.

Für all jene, die noch immer glauben, dass Instagram-Prominente tatsächlich ständig ohne jeden Hintergedanken irgendwelche Produkte feiern, sind solche Zwischenfälle eine wichtige Erinnerung: Was hier passiert, ist überwiegend Marketing. Oder, wie es die prominente Instagram-Aussteigerin Essena O'Neill aus Australien es einmal formuliert hat:

Soziale Medien, nicht das echte Leben!

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