Bild: Ferdinand Ostrop: dpa/Montage: bento

Klimaschutz? Aber nur, wenn er sich wirtschaftlich lohnt. Das meint offenbar FDP-Galionsfigur Christian Lindner. Er schlug auf dem Bundesparteitag seiner Partei vor, "Mondays for Economy" zu gründen. Was das liberale Pendant zu den "Fridays for Future"-Protesten sein sollte, hat in den Reihen der eigenen Partei nicht gerade für Aufbruchstimmung gesorgt. Auf Twitter haben sich mittlerweile aber mehrere Tausend Anhänger für eine "Mondays for Economy"-Bewegung zusammengetan. 

Muss Deutschland sich auf eine kapitalistische Protestbewegung vorbereiten, oder wollen die Accounts einfach nur zeigen, wie lächerlich Lindners Vorschlag ist?

Wofür sollten die "Mondays for Economy" ursprünglich stehen?

Das weiß die FDP wohl selbst nicht so genau. Plakativ, wie man es von den Liberalen gewohnt ist, twitterte der offizielle Partei-Account den Vorschlag für die Bewegung.

Auf Nachfragen von Twitter-Usern, was das Ganze bedeuten soll, lassen sich den FDP-Account-Antworten folgende idealistische Grundsätze entnehmen:

  1. Wirtschaft und Umwelt müssen Hand in Hand gehen.
  2. Protestiert wird nicht während der Arbeits- oder Schulzeit. Erst danach.
  3. Wer das nicht versteht oder mehr wissen will, soll ins 271 Seiten lange Antragsbuch der FDP schauen.

Trotz der schwammigen Einordnung sind nach Lindners Aufforderung mehrere Twitter-Kanäle entstanden, die sich auf humoristische Weise für "Mondays for Economy" einsetzen und die Forderungen satirisch präzisieren.

Hier drei besonders lustige Beispiele:

Kinder sind in der Bewegung unerwünscht:

Das "Auf-die-Straße-gehen" wird etwas anders interpretiert:

Die Forderungen sind klar:

Um mehr über die Menschen zu erfahren, die hinter der Aktion stecken, haben wir mit den Administratoren der zwei größten Twitter-Channel "Mondays for Economy" (MFE) und "Mondays for Economy Deutschland" (MFED) gesprochen.

Eure Bewegung wächst beeindruckend schnell. Wofür setzt ihr euch ein?

MFED: "Wir können nicht von heute auf morgen die Welt auf den Kopf stellen, das ist uns schon klar. Es sind die kleinen Dinge im Alltag, die den Unterschied machen und versteckte Potenziale nutzen. Lieber mal eine Kapselmaschine statt nur den Wasserkocher zur Teezubereitung nutzen, nicht immer nur zu Fuß zum Bäcker um die Ecke. Ein Einkauf direkt beim Bauern ist natürlich schön und bequem, aber die großen Ketten bedroht so ein Verhalten täglich. Kurzstreckenflüge sind auch nur dornige Wanderungen. Die Unterstützung der Industrie beginnt im Kleinen."

MFE: "Wir stellen die Gegenbewegung zu 'Fridays for Future' dar. Das Engagement dieser verblendeten Kinder ist grundlegend begrüßenswert, jedoch fehlt ihnen leider der ökonomische Weitblick – wir sind da die Profis. Unser Ziel ist es, auf die dramatischen Verhältnisse aufmerksam zu machen, unter denen die deutsche Wirtschaft leidet. Es kann nicht sein, dass der chinesische Spargelmarkt erfolgreicher ist als der deutsche! Durch Aktionen wie Spendensammeln für das symbolische Kaufen von Aktien sagen wir den Konzernen 'Danke'. So ist Deutschland heute beispielsweise – dank vorbildlicher Unternehmen wie RWE – der größte Braunkohleexporteur Europas."

Gibt es Bedingungen, den Kontostand beispielsweise, um bei euch mitzumachen?

MFED: "Im Grunde sind alle willkommen, denen gewisse Werte am Herzen liegen, also Rendite, Ulf Poschardt oder Braunkohle. Oh, und keine Schülerinnen aus Schweden."

MFE: "Jede Person, die genauso wie wir das Mantra der Postmoderne predigt, also  Privatisierung, Steuersenkung und Sozialstaatsabbau, ist bei uns willkommen! Außerdem ist der Besitz eines SUVs von Vorteil, um an den gemeinsamen Aktivitäten teilzunehmen, durch die wir unsere Solidarität mit der Autowirtschaft zum Ausdruck zu bringen."

Ist Christian Lindner die bessere Greta Thunberg?

MFED: "Greta Thunberg, die fremdbestimmte Mainstream-Marionette linksgrün-versiffter Klimaheuchler, sollte lieber mal Dreisatz lernen. Lindner hingegen rettet uns vor Fahrverboten, hat tolle Pressefotos, kann gut mit Spargel."

MFE: "Christian Lindner hat den Sexfaktor, vermutlich mehr Geld und schon in frühen Jahren verstanden, dass ein deregulierter Markt, der Entscheidungen nach Partikularinteressen fällt, uns alle retten wird. Greta Thunberg wirbt hingegen öffentlich für eine Welt, in der Unternehmen für ihr Handeln Verantwortung übernehmen müssen – GRAUSAM. Für uns gilt: Lindner statt Kinder!"

Für gestern war eine Großdemo von euch in Frankfurt am Main angekündigt. Wie viele Tausend Menschen haben teilgenommen?

MFED: "Frankfurt hat einen Kraftfahrzeugbestand von 381.372 Fahrzeugen (Quelle: Kraftfahrt-Bundesamt). Wie viele es genau gestern waren, ist nicht bekannt, aber es waren reichlich Menschen* auf der Straße und haben für die gute Sache ihre Motoren laufen lassen. *männlich, weiß, hetero"

MFE: "Der Großteil der Bewegung findet im Hintergrund statt. Unser Ziel, die deutsche Wirtschaft zu schützen und zu stärken, kann nicht erfüllt werden, wenn Tausende auf die Straße gehen. Es waren Millionen, die sich uns am Montag angeschlossen haben, indem sie die Wirtschaft mit harter Arbeit geschützt haben, mit dem Auto gefahren sind, anstatt die Öffentlichen zu nutzen, oder den nächsten Sommerurlaub nach Mallorca gebucht haben. Ein kleiner, aber durchaus repräsentativer Teil hat dann gestern darauf aufmerksam gemacht."

Wer sind die besseren Satiriker? Ihr – oder die FDP?

MFED: "Das lässt sich nicht vergleichen. Von uns kann man nicht erwarten, dass wir bereits alle globalen Zusammenhänge, das kapitalistisch Sinnvolle und das satirisch Machbare sehen. Das ist eine Sache für Profis."

MFE: "Wir verstehen die Frage nicht. Die Idee, unsere neoliberale Bewegung "Mondays for Economy" zu gründen, kam immerhin direkt vom Parteitag. Das hat uns natürlich sehr gefreut – so konnten wir endlich sichtbar machen, was für eine wunderbare Klima- und Wirtschaftspolitik die FDP verfolgt."

Wenn man auf den Link in der Twitter-Bio von MFE klickt, wird man auf die "Fridays-for-Future"-Seite weitergeleitet. Bestimmt ein Versehen oder Zufall?

MFE: "Wir mussten feststellen, dass unsere Abteilung für digitale Infrastruktur wohl nicht nur für den Neoliberalismus kämpft, sondern auch bei "Fridays for Future" beteiligt ist. Wir haben ihr sämtliche Macht entzogen und versuchen momentan, alle zu verklagen. Wir bitten um Entschuldigung!"

Jetzt mal kurz Spaß beiseite: Seid ihr FDP-Mitglieder, oder habt einen politischen Hintergrund?

MFED: "Ich bin eine Einzelperson und über 40 Jahre alt. Ich danke einfach "Fridays for Future" für ihr Engagement. Sorry, dass meine Generation das nicht auf die Kette bekommen hat."

MFE: "Haben nicht alle relevanten Menschen, also alle mit einem gewissen Kapital, automatisch eine innige Beziehung zu der FDP? Davon abgesehen mögen wir graue Anzüge."

Also ist "Mondays for Economy" gar keine richtige Protestbewegung?

Die spitzfindigen Forderungen, grauen Anzüge, hellblauen Hemden und roten Krawatten lassen auf eine gewisse Nähe zu Martin Sonneborns Satire-Partei "Die Partei" schließen. Ob die Vermutung stimmt, oder wer sonst hinter der Aktion steckt, wollten uns die Seiten-Administratoren allerdings nicht verraten. 

Fest steht: Die "Mondays for Economy"-Aktivisten machen mit ihrer humorvollen Art des Protests weiter auf die Probleme aufmerksam, die auch schon durch "Fridays for Future" thematisiert werden. Damit sorgen auch sie dafür, dass über Umwelt- und Klimaschutz diskutiert wird. Und den Usern gefallen die lustigen Übertreibungen. Innerhalb weniger Tage konnten beide Kanäle mehr als 1100 und 2000 Follower gewinnen.

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Was genau passiert eigentlich im Ramadan?
Und nehmen Muslime dann viel ab?

Am Abend des 5. Mai 2019 (Sonntag) beginnt wieder der islamische Fastenmonat Ramadan. In der arabischen und asiatischen Welt, aber auch in Deutschland leben Millionen von Muslimen dann für vier Wochen enthaltsam. Was genau sie dabei machen – und ob sie tatsächlich abnehmen – erfährt du hier.

Was genau ist der Ramadan?

Der Name steht für einen bestimmten Monat im islamischen Kalender. Muslime betrachten ihn als besonders heiligen Monat und legen während des kompletten Ramadan eine Fastenzeit ein. Sie wollen so zu innerer Ruhe finden und damit Gott näher kommen. Für viele Gläubige ist der Ramadan ein sehr spiritueller Monat. Andere betrachten ihn mit Augenzwinkern: