Bild: kununu
Dafür gibt es eine Belohnung

Frau Wirth, Sie haben sich das Logo Ihres Arbeitgebers auf die Innenseite Ihres Handgelenks tätowieren lassen und dafür einen Flug ins Büro in Boston spendiert bekommen. War es das wert?

Anne Juliane Wirth: Absolut! Ich war in der letzten Septemberwoche dort, und die Stadt hat mir supergut gefallen. Ich bin jeden Tag 20 Kilometer spaziert, das Wetter war angenehm warm. Ich habe mich viel im Park gesonnt, habe mir den Harvard-Campus angesehen, eine Seminararbeit in der Boston Public Library beendet und die US-Kollegen in ihrem Office besucht. Es war eine tolle Reise, die ich mir mit meinem Studenten-Budget sonst nicht hätte leisten können.

Fünf schöne Tage für ein lebenslanges Tattoo scheint mir aber ein hoher Preis zu sein.

Wirth: Die meisten Menschen verorten diese Aktion irgendwo zwischen verrückt und mutig. Ich habe eine Woche lang nachgedacht, ob ich das wirklich machen soll. Aber ich bereue es nicht.

(Bild: kununu)

Was hat Sie denn überzeugt?

Wirth: Letztlich waren drei Gründe für mich ausschlaggebend: Erstens finde ich meinen Arbeitgeber wirklich toll. Das liegt auch daran, dass ich ein typisches Opfer der Generation Praktikum bin und weiß, wie es in anderen Firmen zugeht. Hier fühle ich mich zum ersten Mal rundum wohl. Zweitens mag ich minimalistische Tattoos. Und drittens wollte ich nach Boston.

Und wer hat Ihnen das Tattoo verpasst?

Wirth: Eine Freundin in ihrer WG-Küche. Sie arbeitet als Tätowiererin, da lag das nahe. Den Kollegen habe ich davon gar nichts erzählt. Erst drei Tage später, nachdem es etwas abgeheilt war, habe ich es allen gezeigt. Seither erfreut sich mein Handgelenk großer Beliebtheit.

Für die Blume gibt es einen Economy-Flug, wer sich den ganzen Firmennamen tätowieren lässt, darf sogar in der ersten Klasse fliegen.
Anne Juliane Wirth

Die Stelle haben Sie sich selbst ausgesucht?

Wirth: Ja, ich hätte mir das Logo auch auf den Fuß stechen lassen können. Da gab es keine Vorgaben. Für die Blume gibt es einen Economy-Flug, für die Blume mit einem "k" Business Class und wer sich den ganzen Firmennamen tätowieren lässt, darf sogar in der ersten Klasse fliegen.

Aber das wollten Sie nicht?

Wirth: Ich bin ziemlich winzig, mir reicht die Beinfreiheit in der Economy Class völlig.

Gibt es denn jemanden, der den Firmennamen als Tattoo trägt?

Wirth: Nein. Ich war die Erste, die dieses Angebot in Anspruch genommen hat, und soweit ich weiß, gibt es bislang keine Nachahmer. Aber ich habe noch viele freie Körperstellen, ich könnte mir das auch noch mal vorstellen.

Zur Person

Anne Juliane Wirth, 26, studiert Politikwissenschaft in Wien und arbeitet seit zwei Jahren als Werkstudentin für das Arbeitgeberbewertungsportal Kununu.

Sie würden sich noch mal das Logo tätowieren lassen, um noch mal einen Flug nach Boston zu bekommen?

Wirth: Klar. Aber ich will erst mal schauen, was das nächste Jahr so bringt. Da will ich meinen Master in Politikwissenschaft abschließen. Danach würde ich gern weiter hier arbeiten.

Meinen Sie denn, das Tattoo hat Ihre Chancen auf einen Anschlussvertrag erhöht?

Wirth: Ach, das glaube ich nicht. Da kommt es wohl doch eher auf die Leistung und auf freie Stellen an. Aber ich sehe das ganz locker: Ich habe jetzt eine gute Zeit, und das Tattoo wird mich immer an diese erinnern.

Dieser Artikel ist zuerst auf SPIEGEL ONLINE erschienen.


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