Scheiße ist ihr Thema: Das Team von "Goldeimer" vertreibt Komposttoiletten für Festivals und Klopapier für den Hipster mit Herz–  ein Teil des Erlöses geht auch an die Welthungerhilfe

Zur Bundestagswahl will das Unternehmen nun "Hass und Hetze" in Klopapier verwandeln – indem sie hetzerische und rechtspopulistische Kommentare, die zum Beispiel auf Flyer gedruckt wurden, recyceln und zu Klopapier machen. 


Wir haben mit Malte Schremmer (30), Geschäftsführer von "Goldeimer" über die Aktion gesprochen.
Es hat uns einfach aus den Latschen geschmissen, dass nur 60,3 Prozent der jungen Menschen wählen gehen
Malte von Goldeimer (Zahl laut Bundeszentrale für politische Bildung​).

"Gleichzeitig ist der ganze Wahlkampf so populistisch und hat zeitweise nur noch wenig mit Fakten zu tun." 

Dem habe man etwas entgegen setzen wollen, etwas das junge Menschen erreicht. "Unser Publikum, das wir auch auf Festivals antreffen, ist sehr jung", sagt Malte. 

Mit dem "Scheisspapier" wollen sie politisches Bewusstsein schaffen. Daran erinnern, wie wichtig die Wahl ist. Und vielleicht Unentschlossene dazu bewegen, am 24. ihr Kreuz zu setzen. Hehre Ziele!

Und wie kommt jetzt die Hetze ins Klopapier?

Bis zur Wahl werden Flyer, auf denen rechtspopulistische Parolen stehen, gesammelt und an das "Goldeimer"-Team geliefert. 

Man kann die Papiere selbst in ihrem Büro in Hamburg vorbeibringen, oder man schickt sie per Post

Und auch das Team selbst geht sammeln: Zum Beispiel bei Aktionen in Berlin, bei denen sie einen hassfreien Wahlkampf fordern, oder bei Demos in Brandenburg oder bei Aktionen wie hier vor dem Hamburger Rathaus. 

(Bild: Goldeimer )

Das gesammelte Papier soll dann bei der Toilettenpapier-Produktion genutzt werden. Zerkleinert und dann zu Klopapier recycelt, um  dann als Sonderedition "Scheisspapier  – Hass ist für’n Arsch“ verkauft zu werden. 


(Bild: Goldeimer)

Bisher wurden etwa sechs Müllsäcke voll gesammelt. Unterstützt werden sie von der Initiative "Aufstehen gegen Rassismus". 

Wir haben eine Aktion der Initiative "Aufstehen gegen Rassismus" begleitet: 

"Aufstehen gegen Rassismus"

"Aufstehen gegen Rassismus" wurde im März 2016 ins Leben gerufen. Das Bündnis vereinigt Initiativen gegen Rechts und will eine breite Gegenbewegung zu AfD und Co. in Deutschland anstoßen. Erstunterzeichner des Aufrufs waren unter anderem einige Landesverbände der Grünen, Die Linke, jüdische Gemeinden, aber auch Antifa-Gruppen.

Mehr zur Initiative findet ihr unter aufstehen-gegen-rassismus.de.


Eines ist Malte aber ganz wichtig: "Es geht nicht darum Plakate von rechtspopulistischen Parteien abzureißen oder sonstigen Vandalismus zu betreiben." 

Generell soll das Ganze auch keine gezielte Aktion gegen einzelne Parteien sein, wie man vermuten könnte, sondern gegen Hetze im Allgemeinen

Bisher wurden etwa 300 Rollen des Klopapiers vorbestellt, fünf Euro kostet einen Rolle. "Die meisten zahlen aber acht Euro", sagt Malte.

Ein großes Geschäft?

Das Unternehmen will mit der Aktion kein Geld verdienen: Der Gewinn des "Scheisspapiers" soll an den Verein CURA gehen, der sich um die Opfer von rechter Gewalt kümmert. 


Gerechtigkeit

Flaschensammlerin sorgt für Aufsehen

Eine Rentnerin sammelt am Münchner Hauptbahnhof Pfandflaschen. Ein Verstoß gegen die Hausordnung, sagt die Bahn. Nun ist die Aufregung groß.

Anna Leeb wollte nur ihre Rente aufbessern. Die 76-Jährige sammelt Flaschen - das tat sie auch im Hauptbahnhof München. Laut der Bahn ist das allerdings ein Verstoß gegen die Hausordnung. Als Leeb nun dabei gesehen wurde, wie sie Pfandflaschen einsteckte, wurde sie von Sicherheitsbeamten der Bahn unsanft aus dem Gebäude befördert.