Bild: YouTube/Netto
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Ich hätte mir gewünscht, dass Netto scheitert – so wie andere hoffen, dass mein Lieblingsverein, der FC Bayern, mal verliert. Doch so richtig sieht es nicht danach aus. Die Viral-Wette des Unternehmens und seiner Werbeagentur scheint aufzugehen, Cat Content sei Dank.

Über 50.000 Nutzer haben einen neuen Clip der Supermarktkette auf Facebook schon geteilt. Seit Mittwochvormittag ist das Video der "Netto-Katzen" schon fast vier Millionen Mal abgespielt worden. Klar, das liegt zu einem Teil auch an Facebooks Autoplay-Funktion, aber gehörig Aufmerksamkeit generiert das Video durchaus. Bei YouTube kommt es auch schon auf deutlich über 500.000 Abrufe.

Dabei ist "Netto-Katzen" ein bemerkenswert simpler, braver Clip: Katzen gehen in einem ungewöhnlich aufgeräumten Miniatur-Netto-Markt einkaufen und klettern durch die Regale – dabei gibt es einige Anspielungen auf berühmte Internetkatzen wie Grumpy Cat.

"Netto präsentiert ein absolut süßes Katzenvideo" steht dazu in der Clip-Beschreibung auf YouTube, falls es sich dem Zuschauer nicht sofort erschließt, und: "Erlebe witzige Katzen im Netto-Markt! Seht in unserem Video, wie unsere verspielten Vierbeiner bei Netto einkaufen."

Katzen gehen immer

So sieht es also aus, wenn sich eine Agentur überlegt, wie man einem Supermarkt einen Erfolg im Internet bescheren könnte: Lass uns mal was mit Katzen machen.

Ein wenig erinnert das Konzept an die Fluggesellschaft Delta Airlines, die 2015 ein Sicherheitsvideo voller Memes und Internetphänome machte, in der sich später sogar erfüllenden Hoffnung, es könnte viralen Erfolg haben, weil ... na ja, Memes und Internetphänomene im Internet beliebt sind.

Im Vergleich zu anderen Viral-Hits wie den Edeka-Clips mit "Supergeil"-Protagonist Friedrich Liechtenstein lässt einen das Netto-Video bemerkenswert kalt. Es stammt von derselben Werbeagentur, Jung von Matt, aber es bietet kaum mehr Ideen, als niedliche Katzen in menschlichen Einkaufssituationen zu zeigen. Sie kriechen durch Regale, schieben Einkaufswagen und zitieren berühmte Internetkatzen. Ein Metakatzenvideo, und bei Weitem nicht das erste.

Bin ich zu verwöhnt?

In seinem neuen Buch "The Inevitable" beschreibt "Wired"-Gründer Kevin Kelly ein Gefühl, das hier gut passt: Wir werden im Internet ständig mit Superlativen, Unmöglichem und Rekorden konfrontiert – und das verändert uns und unsere Erwartungen.

"Solange wir online sind – was wir an vielen Tagen fast den ganzen Tag sind - werden wir angestrahlt von dieser komprimierten Außergewöhnlichkeit", schreibt Kelly. "Das ist das neue Normal." An anderer Stelle heißt es: "Die schlechte Nachricht könnte sein, dass dieser unstillbare Appetit nach Super-Superlativen dazu führt, dass wir mit allem Gewöhnlichen unzufrieden sind."

In Konkurrenz mit allen anderen Katzenvideos

Ikea hat schon mal Katzen in eine britische Filiale gelassen, und lustige Katzen gab es auch erst kürzlich in einem Bonprix-Spot. Und auch die britische Supermarktkette Sainsbury's hat Weihnachten einen viralen Erfolg gefeiert – mit einer aufwendig inszenierten Katzengeschichte.

Aber um Superlativ-verdorbene Leute wie mich zu beeindrucken, müsste man mittlerweile wohl mindestens Wasserschweine in kleinen Booten durch einen vollständig gefluteten Supermarkt fahren lassen.

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