An einer Kreuzung im kleinen Luftkurort Jackson am Rande der Rocky Mountains passiert – nichts. Und das Internet rastet aus. Seit Wochen gibt es einen Livestream aus dem kleinen Ort im US-Bundesstaat Wyoming. Zu jeder Tages- und Nachtzeit klicken sich Tausende Fans rein, um das Geschehen zu kommentieren. "Jackson Hole Town Square" ist zum Web-Hype geworden. Und hält noch immer an.

Worum genau geht's?

Um eine Webcam, die die zentrale Kreuzung in Jackson zeigt. Jackson ist ein 8.600-Einwohner-Kaff mitten in "Jackson Hole", einem Tal am Rande der Rocky Mountains. Auf "See Jackson Hole" zeigt das Städtchen mehrere Livestreams, unter anderem vom Rodeo-Feld und einem Bootshaus. Am beliebtesten ist aber die Zentralkreuzung.

Klickt man sich zur europäischen Mittagszeit in den Stream, ist es dunkel. Die Ampeln blinken im roten Sparmodus. Klickt man spät abends rein, "brummt" Jackson zur Mittagszeit: Autos fahren vorbei, Passanten überqueren die Fußgängerwege. Im Hintergrund wiegen sich die Bäume im Wind.

So sieht's live in Jackson aus:
Wie reagiert die Öffentlichkeit?

Die Kommentatoren auf YouTube rasten förmlich aus. Besonders beliebt ist der Sheriff des Orts. Er weiß mittlerweile um den Hype und winkt gerne, wenn er vorbeifährt. Ein anderes Highlight sind rote Pick-up-Trucks. Sobald einer vorbeifährt, kommentieren die User eilig: ALL HAIL RED TRUCK! Manche haben eigene Banner gebastelt, die sie im Chat posten. Die besten Sprüche zum "Geschehen" in Jackson klingen dann so:

"The traffic lights have changed!!"
"He has a warning vest."
"OMG RED TRUCK!!!!"
"Where is the sheriff?"
"Food Truck. KEEP THEM KITCHENS COMING!"
"Jogger"
"Pretty blue sky. No rain today"
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Und was soll das Ganze?

Zunächst ist es natürlich einfach nur ein großer Spaß. Aber dann vor allem: Eskapismus. Im Netz geht vieles gleichzeitig, die Kommunikation mit Freunden wird zur Messenger-Apokalypse. Der "Jackson Hole Town Square" hingegen ist angenehm entschleunigt. Es gibt keine Handlung, auf die man sich konzentrieren muss, kein Hashtag, dem man folgen muss.

Der Neurologe Javid Sadr beschreibt das als "Watchfulness": Unser Hirn freut sich darüber, einfach mal abzuschalten und zu genießen, ganz ohne mitdenken. Es ähnelt der Idee von Slow TV – bei dem im Fernsehen stundenlang Eisenbahnstrecken, Kaminfeuer oder Bernd das Brot in Endlos-Dialogen gezeigt werden.

Und noch ein Punkt macht den Livestream für viele User besonders: "Jackson Hole Town Square" ist authentisch. Die Menschen zeigen sich nicht am verlängerten Selfie-Arm, sie schmieren keine duck faces auf die Linse. Sie machen einfach ihr Ding; eine herrliche Erleichterung unter all den Instagram-Inszenierungen.

Das ist dann auch die eigentliche Botschaft, die einige vorausdenkende Livestream-Pessimisten bereits in den Kommentaren hinterlassen:

"Get a life!"

Lass uns Freunde werden!


Haha

Wer hat's gesagt: Der philippinische Präsident Rodrigo Duterte oder ein mieser Westernheld?

Hurensohn! So musste sich Barack Obama vom philippinischen Staatsoberhaupt Rodrigo Duterte beschimpfen lassen. Obama sagte daraufhin ein geplantes Treffen mit ihm wieder ab. Auch den Papst hat Duterte schon als Hurensohn bezeichnet.

Vor seiner Wahl hatte Duterte angekündigt, Kriminelle massenhaft im Meer zu versenken. Für solche Sprüche wurde er gewählt – weil allen klar war, dass es nicht bloß Sprüche bleiben würden. Als Bürgermeister der zweitgrößten Stadt des Landes hatte er bereits brutal aufgeräumt.