Bild: dpa / Mike Benveniste

Jedes Jahr im September räumt an der Harvard-Universität eine Gruppe Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit dem Klischee auf, Wissenschaft sei langweilig: Seit 1991 wird hier jährlich der Ig-Nobelpreis verliehen, eine Art "Anti-Nobelpreis" für Forschung und Studien, die einfach nur absurd sind. 

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Der Name ist ein englisches Wortspiel: ignoble bedeutet unwürdig oder schändlich. Verliehen wird der Preis an Wissenschaftler, deren Forschungen so verrückt sind, dass es eher unwahrscheinlich scheint, dass sie jemals einen Nobelpreis dafür erhalten.

Die Veranstalter des Ig-Nobelpreises betonen allerdings, dass sie sich mit der Preisverleihung nicht über die Wissenschaft lustig machen wollen. Es gehe darum, die Menschen erst zum Lachen und dann zum Nachdenken anzuregen. (Improbale Research)

Auch dieses Jahr wurde der Preis in zehn Kategorien an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus der ganzen Welt verliehen.

Wir haben die fünf spannendsten und lustigsten Gewinner ausgewählt und aufgeschrieben, für welche Erkenntnisse sie den Ig-Nobelpreis erhalten haben:

Kategorie Literatur

Die Frage: Bin ich der Einzige, der keine Gebrauchsanweisungen liest?

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Das wollte ein Forscher-Team aus Australien und Großbritannien herausfinden. Sie beobachteten und befragten unter anderem über sieben Jahre hinweg 170 Testpersonen. Ihre Studie trug den Namen "Life is Too Short to RTFM" (RTFM bedeutet "Read the fucking Manual"), also "Das Leben ist zu kurz um die verf****e Gebrauchsanweisung zu lesen".


Das Ergebnis: Du bist nicht allein! Die meisten Menschen, die komplizierte Geräte nutzen, lesen die Gebrauchsanweisung nicht.

Männer lesen die Anleitung technischer Geräte noch seltener als Frauen, junge Menschen lesen sie seltener als ihre Eltern. Bei allen Nutzern führt das allerdings auch dazu, dass sie bestimmte (versteckte) Funktionen der Geräte niemals entdecken.


Kategorie Ernährung

Die Frage: Lohnt sich Kannibalismus?

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Der Brite James Cole wollte herausfinden, wie nahrhaft ein menschlicher Körper ist. Mit einem Forscher-Team aus Simbabwe und Tansania berechnete er unter anderem Fett- und Proteinanteile in menschlichen Körperteilen.

Das Ergebnis: Kannibalismus lohnt sich nicht, weil Menschenfleisch zu wenig Kalorien hat. 

Kannibalismus sei ein Phänomen, das bis heute eine "morbide Faszination" auf die Menschheit ausübe. Auch unter unseren Vorfahren vor Tausenden von Jahren gab es Kannibalen.

Die Forscher konnten nach ihrer Studie jedoch beweisen, dass ein durchschnittlicher menschlicher, männlicher Körper deutlich weniger Kalorien als zum Beispiel ein Bison, ein Pferd oder ein Rind hat. Kannibalismus lohnte sich also auch schon beim Homo-Sapiens und dem Neandertaler nicht.

Kategorie Wirtschaft

Die Frage: Hilft eine Vodoo-Puppe, wenn ich meinen Chef hasse?

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Lindie Hanyu Liang und ihr internationales Team mit Forscherinnen aus Kanada, China, Singapur und den USA untersuchte, wie gut welche Vergeltungs-Methoden uns dabei helfen, Wut und Frust abzubauen.

Das Ergebnis:
Wer sich ungerecht behandelt fühlt, besonders durch die Chefin oder den Chef, will sich gegen diese Ungerechtigkeit wehren. Das ist ein natürliches menschliches Bedürfnis. Eine Voodoo-Puppe hilft dabei besonders gut.

Aber Vorsicht: Die Forscher warnen, dass Rachegelüste ungesund sind und raten daher von Vergeltungsschlägen ab. Trotzdem helfe zum Beispiel das Einstechen auf eine Voodoo-Puppe dabei, die Wut und Trauer des Betroffenen für einen Moment effektiv zu lindern.

Kategorie Chemie

Die Frage: Ist menschliche Spucke tatsächlich ein effektives Reinigunsmittel?


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Jeder kennt das angesabberte Taschentuch, das Mama oder Oma über das schmutzige Gesicht rubbeln. Wie schön wäre es, wenn man ihnen sagen könnte: "Das bringt nichts!"
Drei Forscher aus Portugal haben den Reinigungseffekt von menschlichem Speichel untersucht.

Das Ergebnis: Spucke kann als Reinigungsmittel verwendet werden. Die Enzyme "Amylase" sind dabei der wichtigste Bestandteil, sie spalten Polysaccharide (das ist zum Beispiel Stärke) und bauen sie ab. Die Forscher gaben allerdings zu, dass Spucke sich am besten eignet, um Gemälde und Skulpturen zu reinigen.

Kategorie Reproduktionsmedizin

Die Frage: Wie lassen sich nächtliche Erektionsstörungen ohne technische Hilfsmittel nachweisen?

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Zugegeben, die Fragestellung und die Problematik sind nicht wirklich alltäglich. Aber das Team aus Forschern aus den USA, Japan, Saudi-Arabien und Ägypten wollte eigentlich den Unterschied zwischen psychisch und organisch verursachten nächtlichen Erektionsstörungen erforschen. Ihnen fehlte dazu jedoch eine Methode, um festzustellen, ob der schlafende Mann eine Erektion hatte oder nicht.

Das Ergebnis:
Die einfache und absurde Lösung waren Briefmarken. Die Wissenschaftler baten die Studienteilnehmer, sich einen Streifen Briefmarken um den Penis zu wickeln. Die Enden wurden angefeuchtet und zusammen geklebt.

Bei Männern mit Erektionsstörungen blieben die perforierten Ränder zwischen den Briefmarken ganz. Gesunde Männer haben eine bis fünf Erektionen pro Nacht, bei ihnen waren die perforierten Ränder beschädigt.

Die absurde Studie trug den Namen "Nocturnal Penile Tumescence Monitoring with Stamps" - "Nächtliche Penile Tumeszenz Überwachung mit Briefmarken".


Tatsächlich gab es in der Geschichte es Ig-Nobelpreises einen Preisträger, der auch den Nobelpreis gewann:

Im Jahr 2000 wurde der Physiker Andre Geim für ein Experiment erst mit dem Ig-Nobelpreis gewürdigt, bei dem er einen Frosch (lebendig) mit Hilfe eines Magneten zum Schweben brachte. 2010 erhielt er dann den Physiknobelpreis für seine Forschungen zu Kohlenstoffstruktur Graphen (Zeit).

Und falls du gerade selbst an einer ungewöhnlichen Geschichte forschst oder jemanden kennst, der absurde Experimente abwickelt: Bewerbungen und Nominierungen können jederzeit von der ganzen Welt aus hier eingereicht werden. Viel Erfolg! 



Today

Kleiner Narwal verirrt sich im Meer und lebt jetzt mit Belugawalen zusammen
Ein Video zeigt die Tiere beim Kuscheln

Vielleicht hatte er Streit mit seiner Familie, vielleicht schmeckte ihm der arktische Tintenfisch nicht mehr – oder es war einfach Pech, was bei einem heranwachsenden Narwal vermutlich eher wahrscheinlich ist. 

Auf jeden Fall schaffte es das Tier rund 1.000 Kilometer südlich von seinem eigentlichen Lebensraum zu landen. Weit weg vom arktischen Meer.