Bild: Facebook / Stephen Roseman

Dies ist die Geschichte eines mutmaßlich außergewöhnlich disziplinierten Hundes mit einer Scheibe Schinken auf seinem Gesicht. Es ist aber auch die Geschichte des Internets und seiner Nutzer, Stand 2015.

Ein der Weltöffentlichkeit bislang völlig unbekannter Mensch, der sich auf Facebook Stephen Roseman nennt, postete am 23. Dezember dieses Bild öffentlich auf seiner Facebook-Seite:

This poor dog was badly burned and disfigured trying to save his family from a house fireOne like = one prayerOne share = ten prayers

Posted by Stephen Roseman on Wednesday, December 23, 2015


In der Bildunterschrift erklärt Roseman, der Hund habe schwere Brandverletzungen erlitten, als er versucht habe, seine Familie zu retten. Und er bittet darum, für den Hund zu beten – in Form von Shares und Likes.

Das haben dann auch ziemlich viele Menschen gemacht.

Bis heute wurde der Post mehr als 117.000-Mal geteilt und mehr als 62.000-Mal geliket.
Dabei hat der Hund einfach nur eine Scheibe Schinken auf seinem Gesicht liegen.

Es gibt keine Brandverletzungen, keinen Hundeheld. Abgesehen natürlich von der enormen Willenskraft des Hundes, die er bewies, indem er den Schinken nicht sofort gefressen hat.

(Bild: Facebook / Stephen Roseman)
Tausende Menschen sind einem Fake aufgesessen, einige empört das.
Mittlerweile teilen Menschen das Bild als Witz.


Das Teilen geht munter weiter. Vor allem weil viele Facebook-Nutzer den Witz inzwischen verstanden haben und mitspielen. So verwandelt sich ein etwas geschmackloser Fake in einen gelungenen Witz, der nebenbei viele Facebook-Nutzer satirisch aufs Korn nimmt.


Die unausgesprochene Frage dahinter: Wie viele der oft geteilten alarmistischen Facebook-Posts kann man eigentlich noch ernst nehmen? Immerhin beten eine Menge Menschen inzwischen für einen Hund mit Schinken auf dem Gesicht. Und fordern auch noch ihre Freunde indirekt auf, es ihnen gleichzutun.

Tatsächlich gehen in den sozialen Medien und vor allem auf Facebook immer wieder Fotos und Videos von (vermeintlich) verletzten Tieren viral. Auch die Art der Ansprache "One like = one prayer" und "One share = ten prayers" ist typisch.

(Bild: mimikama.at)

Viele der Posts machen mit schockierenden Bildern auf, führen dann aber auf Seiten, die dem Nutzer in irgendeiner Weise Schaden zufügen sollen.

Mehr dazu hier:

Und Stephen Roseman?

Der feiert sich seit Tagen für seinen Post.

I think that i deserve an Grammy for ham dog

Posted by Stephen Roseman on Sunday, December 27, 2015
Und bezeichnet sich selbst als Troll.

Er habe es sich zur Aufgabe gemacht, Leute auf intelligente Weise in die Irre zu leiten.

Insults and memes are child's play, a genuine troll will get inside your head, and hijack your thoughts.You better learn that, if you haven't already.

Posted by Stephen Roseman on Wednesday, December 23, 2015


Der Hund ist übrigens offenbar nicht einmal sein eigener. Das Bild stamme von irgendeinem anderen Facebook-Nutzer, berichtet "The Daily Dot".

Und die Menschen im Internet?

Die reagieren eigentlich wie immer. Mit ziemlich lustigen Memes.