Märchenonkel, Hassblicke und Pimmel-AfD

Bayern ist kaum verdaut, aber trotzdem sind da am Sonntag schon wieder Wahlen: Hessen entscheidet über einen neuen Landtag und eine neue Landesregierung. Und was ist das Tollste an jeder Wahl? Schlimme Wahlplakate! Da haben die Hessen einige zu bieten. 

Martin Fuchs hat uns erzählt, was er von den Plakaten hält und was die Parteien besser machen müssten. Er ist Politikberater und beschäftigt sich mit Wahlkämpfen, unter anderem auf seinem Blog Hamburger Wahlbeobachter. Außerdem sammelt er seine persönlichen "Wahlplakate from Hell"

Sein Fazit: 

Im Vergleich zu Bayern habe ich das Gefühl, dass in Hessen weniger kreative Plakate hängen.
Martin Fuchs

Auch die Themen in Hessen sind andere. "In Hessen sind eher Diesel-Fahrverbote und Bildungspolitik im Fokus, in Bayern waren es viel Heimat und Integration," sagt Fuchs.

Aber jetzt zur Anschauung am hängenden Objekt. 

Zum lockeren Einstieg liefert die SPD ein Suchspiel:

Na, alle gefunden? Schön! 

Zur Belohnung liest der Thorsten (SPD-Spitzenkandidat) euch was vor:

Die FDP will sich vom "Märchenonkel" Schäfer-Gümbel abgrenzen 

Ganz, ganz böse:

Der FDPler, der so böse gucken kann, ist Spitzenkandidat René Rock. Doch er kann noch mehr. 

In einer Guerrilla-Aktion hat er den Wahlkampf der Grünen gekapert:

Rock meets Grün

Heute haben BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Hessen ihre Großflächen in Wiesbaden vorgestellt. René Rock hat dort mal vorbeigeschaut.

Posted by FDP Hessen on Friday, September 14, 2018

Geniale Aktion oder grobes Foulspiel? Unser Experte: "Das war fast schon eine klassische FDP-Aktion. Ich finde das extrem klug, weil man so viel Aufmerksamkeit erhält, Fotos von solchen Aktionen gerne und viel im Netz geteilt werden und man sich kostengünstig an ein bestehendes Event dranhängt."

Findet er also mega. Das mag der FDP reichen. 

Dem amtierenden Ministerpräsidenten Volker Bouffier reicht das nicht:

Die nach eigenen Angaben "sehr gute Partei" Die Partei setzt auf Personalisierung und namhafte Kandidaten. 

Die Partei hat ihren eigenen Bouffier. Mario Bouffier. 


Und natürlich wollen wir euch den unrühmlichen Tiefpunkt der Plakatierung nicht vorenthalten:

Die AfD-Pimmelpuppe. Garantiert mit Rechtsdrall.

 


So, durchatmen. Nach den ganzen schlechten Plakaten haben wir uns gefragt: Was macht denn eigentlich ein gutes Wahlplakat aus?

Unser Experte, der Hamburger Wahlbeobachter, sagt: 

Ein gutes Wahlplakat lebt immer von einer Idee. Die meisten Plakate haben keine. Und von einem starken Inhalt. Auch das wird gerne vergessen.

Seine Tipps an künftige Kandidatinnen und Kandidaten:

  • Klare Schrift (gerne auch mit schrillen Farben)
  • Klare Aussagen
  • Ungewöhnliche Blickwinkel für Porträts
  • Plakate, die mit anderen Plakaten interagieren
  • Ironie

Am wichtigsten: Emotionen erzeugen. "Plakate, die das im Informationswirrwarr unserer Städte schaffen, haben schon sehr viel richtig gemacht. So verankern sich Name und Gesicht am Besten," sagt Fuchs.



Today

Elektro-Roller sollen erlaubt werden, doch die Regierung macht alles noch komplizierter
Das Gesetz ist nämlich typisch deutsch

Früher hattest du einen Tretroller. Heute vielleicht auch – aber dann auf jeden Fall mit E-Motor. Das ist nämlich gerade total angesagt, zumindest sieht man die Dinger gerade auf vielen Radwegen.

Aber dürfen die da überhaupt entlang rauschen? Nein, eigentlich nicht. E-Roller sind bislang nicht für den Straßenverkehr zugelassen. Doch das Verkehrsministerium will das jetzt ändern.

Eine entsprechende "Verordnung über die Teilnahme von Elektrokleinstfahrzeugen am Straßenverkehr" komme "Ende 2018 oder spätestens Anfang 2019", sagte eine Sprecherin des Verkehrsministeriums.

Warum sind E-Roller bisher nicht erlaubt?

Motorfahrzeuge, die schneller als sechs Kilometer pro Stunde fahren, brauchen in Deutschland für öffentliche Straßen eine Betriebserlaubnis und eine Versicherung.

Was genau soll erlaubt werden?

  • In der Verordnung soll festgeschrieben werden, dass die Roller mit bis zu 20 Kilometer pro Stunde auf Fahrradwegen unterwegs sein dürfen.
  • Sollte es kein Fahrradweg geben, dürfen sie auch auf der Straße fahren, Gehwege sind tabu.
  • Außerdem müssen sie mit einer "Lenk- oder Haltestange", zwei voneinander unabhängigen Bremsen, Blinkern und "einer helltönenden Glocke" ausgestattet sein. Die Verordnung liegt der Deutschen Presse-Agentur vor. 
  • Die kleinen Roller brauchen außerdem eine Versicherungsplakette, ähnlich wie Mofas und kleine Motorroller.

Klingt doch gut – was ist trotzdem schwierig an der Verordnung?

Kritiker finden, dass die Verordnung zu weit geht. Die Roller werden nämlich behandelt, wie ein Mofa. Somit muss der Fahrer mindestens 15 Jahre alt sein und einen Mofa-Führerschein besitzen.

Auch die technischen Anforderungen sind dem TÜV-Verband zu weitreichend.

Ein weiterer Streitpunkt ist die Versicherungspflicht der Zweiräder. Durch eine Versicherung würden die Roller nämlich mit Kraftfahrzeugen gleichgestellt. Das würde bedeuten, dass zum Beispiel der Transport in Bussen und Bahnen verboten wäre. Doch viele Pendler nutzen die E-Roller eben für den Weg zur nächsten Bushaltestelle und dann wiederum zum Arbeitsplatz. 

"Eine Mitnahme in Bussen, S-Bahnen, Straßenbahnen und Zügen sollte grundsätzlich möglich sein", bentont der Verband. 

Für welche E-Fahrzeuge gilt die Verordnung nicht?

Weiterhin verboten bleiben sollen sogenannte "Hoverboards", also Skateboards mit Elektromotor. Bei den Boards gilt weiterhin eine zulässige Höchstgeschwindigkeit von sechs Kilometern pro Stunde. Sollte ein Hoverboard schneller sein, handelt es sich um eine Ordnungswidrigkeit, die 70 Euro kostet.

Mit Material von dpa