6 Geschichten vom Scheitern.

Roadtrip mit der Gang, nie mehr Eltern-Taxi, Schule schwänzen, um ans Meer zu fahren: Ein Führerschein erweitert den Rahmen des Möglichen ins gefühlt Unendliche. 

Auf der Checkliste des Erwachsenwerdens steht das Plastikkärtchen also sehr weit oben. Dafür nimmt man auch die teuren Fahrstunden und das Streiten mit Mutti beim Üben auf dem Supermarktparkplatz in Kauf.

Wenn dann endlich die Prüfung ansteht und das Glück so nah ist, will man auf keinen Fall diese Worte hören: "Fahren Sie bitte rechts ran, Sie sind leider durchgefallen."

Dieses blöde Gefühl kennen tatsächlich mehr Menschen als man denkt:

Fast die Hälfte aller Fahrschülerinnen und Fahrschüler in Deutschland fällt durch mindestens eine der beiden Prüfungen (bento). 

Auch in der bento-Redaktion haben einige die praktische Prüfung nicht beim ersten Versuch geschafft. Wie das passieren konnte, erzählen sie hier – und zeigen ihre absurden Führerscheinfotos.

Basti

  • Alter beim Test: 21
  • Ort des Versagens: Flensburg
  • Durchgefallen: 1 mal
  • Trauma: Schreiben Sie bitte 100 mal "Ich bin kein LKW" an die Tafel.

Meine praktische Fahrprüfung endete schon nach fünf Minuten. Mein Fahrlehrer hatte mir immer wieder eingeschärft: "Wenn der Prüfer nichts sagt, fährst du weiter geradeaus."

Kurz nach dem Start ging es in einen Kreisverkehr auf dem Flensburger Uni-Campus, der nur zwei Ausgänge hatte – den, auf dem ich hereinfuhr, und einen anderen. Das einzige Problem war, dass vor mir ein ziemlich besoffener Radfahrer unterwegs war, der heftig schlingerte. 

Wie gebannt starrte ich nur auf ihn, damit er mir nicht vor die Räder fiel. Und übersah dabei, dass die andere Ausfahrt des Kreisverkehrs ein Schild hatte mit der Aufschrift: "Einfahrt nur für LKW". In meinem Prüfauto hätte ich also auf der selben Straße wieder herausfahren müssen, auf der ich reinkam. Ich habe es nicht mal gemerkt und fuhr wegen des leisen Prüfers geradeaus. 

Der Fahrprüfer sagte nur: "Dann können wir ja zurück fahren." Ich habe mich sogar gefreut, dass die Prüfung so kurz war. Erst, als wir zurück waren, erklärte mir mein Fahrlehrer, warum ich so schnell fertig war.

Nachhaltig beeinflusst hat mich das aber nicht. Es ist halt dumm gelaufen, aber ein paar Wochen später durfte ich es noch einmal probieren – am allerletzten Termin vor der Weihnachtspause. Es waren minus 10 Grad, alles war spiegelglatt. Und ich durfte deshalb mit 10 km/h durch die Innenstadt fahren. Bei der Geschwindigkeit habe ich kein Schild mehr übersehen – und bestanden.

(Bild: Giphy )

Hanna

  • Alter beim Test: 18
  • Ort des Versagens: Hamburg
  • Durchgefallen: 2 mal
  • Trauma: Hauptsächlich durch das Foto auf dem Führerschein.

Ich hatte schon zu Beginn der praktischen Prüfung richtig Schiss. Genau genommen hatte ich jedes Mal Angst, wenn ich auf dem Fahrersitz eines Autos Platz nahm. Denn mein Fahrlehrer hatte seit meiner ersten Fahrstunde alles daran gesetzt, mich möglichst stark zu verunsichern. Jedes Mal, wenn ich losfuhr, schrie er mich schon an. Bei jedem kleinen Fehler brüllte er los, als hätte ich gerade jemanden umgefahren. Zwischendurch ließ er durchklingen, dass er von Frauen am Steuer ohnehin nicht viel halte.

Die Prüfung lief dafür erstaunlich gut. Ich parkte fehlerfrei seitwärts ein, hielt mich an alle Regeln – bis wir durch eine sehr kurze Einbahnstraße fuhren. Ich sollte am Ende links abbiegen. "Aha", dachte ich, "er will sehen, ob ich mich auch links einordne" und tat genau das. Doch plötzlich sagte der Prüfer: "Jetzt sind Sie leider durchgefallen". 

Offenbar steht in dieser nur etwa zehn Meter kurzen Straße (ohne Kreuzungen) gleich nach drei Metern ein Schild, das anzeigt, dass ab dort wieder Gegenverkehr herrscht. Hatte ich nicht gesehen. Der Prüfer fragte noch meinen Fahrlehrer, ob er die Straße nicht mit mir geübt habe – schließlich komme sie in fast jeder Prüfung vor und sei die verwirrendste im Prüfgebiet. Seine Antwort: "Nö." 

Bei der zweiten Prüfung war ich dann so nervös, dass ich mich nicht mal erinnern kann, was genau ich falsch gemacht habe. Erst nachdem ich bei einem anderen, sehr netten und ermutigenden Fahrlehrer einige Stunden nahm, klappte es ohne Probleme beim dritten Versuch. Aber vermutlich auch nur, weil er die Prüfung heimlich angemeldet hatte. Ich dachte, es beginnt eine normale Fahrstunde und er sagte: "Hol schon mal deinen Ausweis raus, du bist bereit." So hatte ich keine Zeit, nervös zu werden.

Das war sehr nett und hat mir wieder etwas Vertrauen in meine Fahrfähigkeiten gegeben. Trotzdem fahre ich bis heute am liebsten allein – wenn andere Menschen im Auto sitzen, kriege ich sofort Selbstzweifel.

Simon

  • Alter beim Test: 18
  • Ort des Versagens: im Speckgürtel von Hamburg
  • Durchgefallen: 2 mal
  • Trauma: Vor dem Einparken bitte alle aussteigen und weggucken.

Bei der ersten Prüfung war ich überhaupt nicht bereit. Mein Fahrlehrer meinte nur: "Das wird schon, kommt eh auf den Prüfer an." Aber genau das war am Ende mein größtes Problem. Denn ich erwischte einen richtig fiesen Typen. 

Wir fuhren in der Prüfung eine Allee entlang, auf der an beiden Seiten Autos parkten. Dadurch wurden die zwei Fahrstreifen eher zu 1,5 Fahrstreifen. Als mir ein Auto entgegenkam, habe ich zwar gebremst, bin aber langsamer weitergefahren. 

Da hat mich der Prüfer richtig zusammengeschissen. Was mir denn einfalle, ich hätte ihn richtig in Gefahr gebracht! Ich war durchgefallen. Ich habe ihn noch gefragt, was ich in der Situation hätte tun sollen, aber er sagte nur: "Herr Schröder, wollen Sie jetzt darüber diskutieren – oder wollen Sie irgendwann noch Ihren Führerschein machen?"

Der zweite Versuch folgte schon kurze Zeit später, weil ich den Lappen unbedingt noch vor einem Auslandsaufenthalt haben wollte. Leider war es auch noch der Morgen meiner mündlichen Abiprüfung. Und der Prüfer war wieder derselbe.

Seine Ansage: "Ich sage Ihnen, wo es langgeht." Allerdings daddelte er nur an seinem Handy herum, während eine Gabelung in der Straße immer näher kam. Schließlich entschied ich, an der Gabelung links zu fahren, schaltete in den zweiten Gang, schaute in alle Richtungen und bog ab. Ohne nur hochzusehen sagte der Prüfer: "Herr Schröder, rechts vor links, fahren Sie ran, Ihr Fahrlehrer übernimmt." Dabei kam von rechts niemand!

Wieder fragte ich, wie ich mich hätte verhalten sollen – mit dem selben Ergebnis: Er schnauzte mich nur an. Die Abiprüfung lief danach entsprechend schlecht, weil ich mich so sehr geärgert habe.

Beim dritten Mal war es wieder derselbe Prüfer. Ich war so nervös! Meine Beine haben an der roten Ampel so gezittert, dass erstmal der Wagen abgesoffen ist. "Na toll", dachte ich. Aber durch irgendein Wunder habe ich die Prüfung bestanden und sogar das einzige Mal in meinem Leben perfekt eingeparkt. Der Prüfer gab mir den Führerschein – aber nicht, ohne mir noch einen herablassenden Kommentar zu meinen Fähigkeiten und meine langen Haare auf dem Foto reinzudrücken.

Autofahren ist für mich noch immer mit dem Gedanken belastet: "Ich kann es nicht." Und wenn ich einparken muss, während andere Leute im Auto sind, kriege ich Schweißausbrüche vor Stress.

(Bild: Giphy )

Vicky

  • Alter beim Test: 17
  • Ort des Versagens: Meppen in Niedersachsen
  • Durchgefallen: 1 mal
  • Trauma: Traue nie einem Nachbarn.

Im Nachhinein frage ich mich, wie ich diese Prüfung nicht bestehen konnte.

Meppen ist bis auf zwei oder drei Umgehungsstraßen eine einzige 30er-Zone. Sobald man den Stadtkern verlässt, ist man allein auf der Land- oder Dorfstraße. An vielen Kreuzungen auf den Dörfern gibt es nicht einmal Ampeln. Auch nicht an der, an der ich dann in meiner Prüfung stand.

Ich kam aus einer Dorfstraße, sollte links auf die Landstraße abbiegen. Geradeaus führte ein Feldweg. Noch nie – in keiner Fahrstunde – habe ich jemals ein Auto aus dieser Straße kommen sehen. Auch nicht, wenn ich mit meinen Eltern dort lang gefahren war. Nie! Aber genau an diesem Tag, in genau dem selben Moment, in dem ich nach links abbiegen sollte, kam von vorne ein Auto.

Am Steuer saß ein Bekannter aus dem Dorf. Er wollte von sich aus gesehen rechts auf die Landstraße abbiegen. Doch er erkannte mich und wartete. Er wollte freundlich sein, und mich vorlassen. Also bog ich links ab – und war durchgefallen. Falls es wer vergessen hat: Rechtsabbieger vor Linksabbieger. Selbst, wenn es der Nachbar aus dem Dorf ist.

Ich habe mich schrecklich gefühlt. Meine älteren Schwestern waren ebenfalls durch die Prüfung gefallen, ich wollte ihnen und meinen Eltern zeigen, dass ich es besser kann. Hat nicht geklappt. In den Fahrstunden danach war ich unsicher, bis mein Fahrlehrer mir eine Standpauke hielt: Ich solle mich zusammenreißen, ich könne das doch. Er hatte Recht. Bei der zweiten Prüfung war alles in Ordnung.

Bei der Vorfahrt bin ich seitdem aber mehr als vorsichtig: Ich frage mich immer noch, ob ich wirklich fahren darf.

Steffen

  • Alter beim Test: 17
  • Ort des Versagens: Norderstedt in Schleswig-Holstein
  • Durchgefallen: 1 mal
  • Trauma: Starrt seitdem in jede Gasse.
Steffen behauptet zwar, die Prüfung am Ende bestanden zu haben, hat den Führerschein aber "zufällig" nicht dabei...

Meine erste Fahrprüfung lief super. Das Auto ist mir nicht abgesoffen, Parken klappte toll, ich wurde mit jeder Minute selbstsicherer. Das war mein Verhängnis.

Kurz vor Fahrtende musste ich eine Hauptstraße überqueren, das klappte auch. Aber leider verlief nur zwei Meter weiter, parallel zur Hauptstraße, eine kleine Straße, die nur zum Parken benutzt wurde. Wirklich. Ich schwöre. Es ist nicht überliefert, dass dort jemals ein Auto durchgefahren ist.

Rechts vor links galt trotzdem. Ich lugte kurz nach rechts, aber da war ich an der Straße eigentlich schon vorbei gefahren. “So, dann können wir da vorne rechts ranfahren, Herr Lüdke”, hörte ich den Prüfer sagen. Okay, dachte ich, noch mal parken, kein Problem. Leider war die Prüfung stattdessen vorbei. Durchgefallen. 

Mein Fahrlehrer schlug enttäuscht die Hände vor dem Gesicht zusammen. Er hatte mich vor der kleinen Straße mehrmals gewarnt.

(Bild: Giphy )

Jan

  • Alter beim Test: 19
  • Ort des Versagens: irgendwo bei Stuttgart
  • Durchgefallen: 1 mal
  • Trauma: Supermarktparkplätze und spontan auftauchende Omis

Eigentlich hatte ich ohnehin schon ein Jahr länger gewartet. Ich fand den Führerschein nicht so super wichtig, Geld für ein eigenes Auto hatte ich als Schüler ohnehin nicht. Dann lernte ich meine erste Freundin kennen und plötzlich erschien es doch als ganz gute Idee, spontan in das Nachbardorf fahren zu können. 

In der Theorieprüfung lief noch alles super, doch in der praktischen passierte es dann. Ganz am Ende meiner Fahrt, als wirklich schon alles sicher schien, sollte ich das Auto auf einem Supermarkt-Parkplatz abstellen. Vorwärts

Die Aufgabe erschien super einfach, auch wenn zur Mittagszeit viel Gewusel war. Ich fuhr langsam über den Platz und ließ das Auto gemütlich in eine Parklücke rollen. Doch weil ich besonders vorbildlich sein wollte, setze ich noch einmal zurück, um einen Korrekturzug zu machen. Was ich dabei vor lauter Fleiß nicht beachtet hatte, waren die älteren Damen, die über den Parkplatz wuselten. Eine lief mir direkt hinter den Kofferraum und innerhalb einer halben Sekunde war die Sache vorbei. 

Der Fahrlehrer knallte den Fuß auf die Notbremse und der Motor ging aus. Zehn Sekunden vor dem eigentlichen Ende hatte ich die Prüfung vermasselt. Beim Vorwärtseinparken.

Die verkorkste Prüfung kostete mich ein paar Wochen meiner Sommerferien, einige hundert Euro und viel Spott. In meinem Freundeskreis waren Leute wegen allen möglichen Sachen durch die Führerscheinprüfung gefallen, aber keiner so unnötig. 

Einige Zeit später habe ich es dann noch einmal versucht und geschafft. Als letzte Aufgabe musste ich an einem Berg rückwärts einparken. Dieses Mal ging alles gut, meine Einpark-Ehre war wiederhergestellt.


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Aileen päppelt kranke Wildtiere wieder auf
"Das ist nicht nur mit Tieren kuscheln."

Aileen ist 21 Jahre alt und studiert BWL in Heide. Wer bei diesem Studiengang direkt das Klischee eines "typischen BWLers" im Kopf hat, dem beweist Aileen das Gegenteil: Mehrmals in der Woche steht sie in Arbeitshose und Gummistiefeln bereit, putzt Käfige und versorgt Tiere. Die 21-Jährige hilft in der Wildtierauffangstation Hamburg/Schleswig-Holstein