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"Mein Opa mag seine Katze und Social Media"

Wir sind mit Social Media groß geworden. Für uns gehört Posten, Chatten, Insta-Storys machen dazu. Broadcast-Listen bei WhatsApp, Live-Video bei Facebook – wir sind in unserem Element. 

Bei unseren Eltern und Großeltern ist das nicht immer der Fall. Wenn sie "eine WhatsApp" schreiben, klingt das oft immer noch so, als würden sie einen formalen Brief verfassen. Und "im Facebook" liken sie wahllos Beiträge von unseren Ex-Freundinnen und Ex-Freunden oder anderen Menschen, deren Beiträge ihnen besser nicht gefallen sollten. 

Anderes Alter, andere Sitten? 

Natürlich, das geben wir zu, sind unsere Eltern dafür in anderen Dingen stark, mit denen wir nichts anfangen können. Steuererklärung? Mama fragen. Fahrrad kaputt? Papa fragen. Schwanger? Da kann man schon mal beide Eltern anrufen und die Großeltern gleich dazu.

Trotzdem: Dass wir aus drei Generationen kommen, spürt man vor allem, wenn es um die sozialen Medien geht. Hier sind vier Geschichten darüber, von vier bento-Redakteurinnen und -Redakteuren. @Mama, @Papa, @Großeltern, wir meinen das lieb!  

1

Marcs Opa informiert sich auf Social ausgiebig über seine Enkel.
Marc(Bild: bento)

"Mein 79-jähriger Opa mag seinen Garten und seine Katze. Und Social Media. Er ist bereits bei Facebook, WhatsApp, Skype, ICQ und kommende Woche bestimmt auch auf Instagram. Er selbst postet nicht so viel, verschickt höchstens Videos über sächsische Mundart oder Rentner-Memes. Aber er verfolgt mich und mein Leben gern und findet dann Infos über mich, von denen ich selbst noch nichts wusste.

Wie er das macht, war mir lange unklar. Bis mich irgendwann mal eine Kollegin fragte, ob der Typ, der ihr eine Freundschaftsanfrage geschickt hat, mein Vater sei. Als ich den Namen hörte, sagte ich: 'Nein, mein Opa!' Und ein dritter Kollege mischte sich ein und rief: 'Hey, mit dem bin ich auch befreundet!'

Mein Opa sammelt also fleißig meine Freunde, um auf dem Laufenden zu bleiben. Als ich ihn mal fragte, wie er auf die Idee kommt, gab er sich unschuldig: 'Na, Facebook hat mir vorgeschlagen, ich soll denen eine Freundschaftsanfrage schicken – das hab ich dann halt gemacht.'"

2

Phus Vater lädt wahllos Bilder auf Facebook hoch. Von ihr und ihren Freundinnen. 
Phu(Bild: bento)

"Ich habe meinem Vater Facebook eingerichtet, damit er mit unseren Verwandten aus Vietnam in Kontakt bleiben kann. Davor hatte er noch nicht mal eine Mail-Adresse, kein Online-Banking, er füllt immer noch Überweisungsträger von Hand aus. 

Auf Facebook schaut er sonst eigentlich nur lustige Videos. Weil er sein Handy sowieso nicht viel benutzt, es aber eine super Kamera hat, habe ich es mir für die Hochzeit einer Freundin ausgeliehen. Ich habe an dem Tag viele schöne Fotos von der Braut, mir und unseren ganzen Freundinnen gemacht. 

Ein paar Tage später scrolle ich durch meine Timeline und finde die ganzen Hochzeits-Fotos auf der Facebook-Seite meines Vaters wieder. Ganz viele davon. Ich war sofort peinlich berührt und meinte nur 'Papa, du kannst doch nicht die privaten Hochzeitsfotos meiner Freundin öffentlich posten!'. Er wusste nicht, wovon ich spreche – es stellte sich heraus, dass er die Fotos aus Versehen gepostet hatte."

3

Julias Eltern benutzen Social Media, um ihre Tochter dort abzufeiern. Wer was Böses über sie sagt, kriegt Ärger. 
Julia(Bild: bento)

"Ich bin nicht besonders aktiv auf Social Media, aber hin und wieder teile ich meine und andere Artikel über Facebook oder starte Aufrufe. Eigentlich ist es aber egal, was ich mache, denn ich kann sicher sein: Die ersten, die darauf reagieren, sind meine Eltern. Sie liken alles. Mein Vater teilt meine Artikel in unserer Messenger-Gruppe und manchmal kommentieren meine Eltern meine Posts auch. So etwa: 'Super, Julia!!!' oder 'Ausgezeichnet!'. 

Verwandte auf Social Media

Deine Verwandten machen auch lustige, peinliche oder alberne Sachen auf Social Media? Schreib uns eine E-Mail an redaktion@bento.de.

Einmal hat jemand etwas Kritisches (und sehr Unfreundliches) unter einen meiner Posts geschrieben, da hat meine Mutter mich verteidigt und den Mann persönlich angegriffen. Ich habe mich gefühlt wie in der Schule, wenn man eine schlechte Note kriegt und die Mama kommt extra rein, um den Lehrer zu maßregeln.

Sie sind auch zum Teil mit meinen Freunden befreundet – und liken deren Posts mindestens so aktiv wie meine. Eine Freundin sagte mal: 'Deine Eltern sind meine größten Fans.' Und ich dachte: Meine auch. Und eigentlich ist das sehr schön."

4

Leonies Oma bastelt digitale Grußkarten.
Leonie(Bild: bento)

"Egal, ob Weihnachten, Geburtstag oder eine wichtige Klausur: Meine Oma hat zu jeder Gelegenheit die passende digitale Karte parat. Die lädt sie nicht einfach irgendwo im Netz runter, sondern bastelt sie selbst – mit Photoshop.

Das sieht dann beispielsweise so aus: Sie montiert meinen Kopf auf den Körper eines Engels, im Hintergrund leuchtet ein Regenbogen, der bunte Text über meinen Engelsflügen überbringt mir die Botschaft: "Alles Gute zum Geburtstag, Leonie!"

Die Werke meiner Oma stechen auf meiner Facebook Pinnwand hervor. Mich macht es stolz, dass sie so kreativ und talentiert ist. Auch wenn wir wirklich unterschiedliche Vorstellungen davon haben, was ein schönes Foto von mir ist."


Fühlen

Lasst Männer in Flip-Flops endlich in Ruhe!
Wir müssen reden. Über "Lookism".
Bäh, bäh, bäh: Männer in Flip-Flops, Tennissocken, kurze Hosen. 

Jedes Jahr der gleiche Blödsinn: Frauen lästern in Artikeln (Welt) in Gesprächen in der Bahn oder im Büro darüber ab, wie sich die Herren im Sommer kleiden oder am besten nicht kleiden sollten – weil nackte Männerfüße, -beine und -arme ja so unangenehm anzuschauen seien. 

Das, meine Damen und Herren, hat einen Namen: "Lookism". Es bedeutet, jemanden aufgrund seiner äußeren Erscheinung zu diskriminieren (Journal of Libertarian Studies). Es ist ekelhaft. Es ist genauso schlimm, wie Frauen wegen ihrer Röcke, Ausschnitt oder Schminke zu verurteilen.