Bild: Esther Wiegardt/Unsplash

Jeder Elternbesuch ist doch irgendwie gleich. Exzessives Aufräumen und Putzen der Wohnung. Zeigen, dass man im Leben zurechtkommt. Und am besten auch, dass man genau weiß, was man in Zukunft will. Das hier ist die Chronik eines Elternbesuchs – die jeder versteht, der Eltern hat.

Samstag, 8.22 Uhr

Du wachst auf, weil dein Mitbewohner schon wieder die Wohnungstür zugeknallt hat. Gerade willst du dich noch einmal umdrehen, als dir einfällt, dass deine Eltern heute kommen. 

Für einen Moment willst du dir beweisen, dass du dein Leben im Griff hast. Du überlegst, schon mal aufzustehen, um dich und die Wohnung auf den Besuch vorzubereiten. 

Dann stellst du den Wecker auf halb zehn, in der Überzeugung, das ganze Aufräum-Pensum schon irgendwie zu schaffen, und schläfst wieder ein.

Samstag, 10.41 Uhr

Du hast verschlafen. 

Ok, aber Kaffee muss sein. Du gehst in die Küche und wagst einen Blick in die Spüle ­– zwei Pfannen, ein Topf und ein paar Gläser stapeln sich darin. Alles mit der Ruhe, du hast noch eeeeeewig Zeit. Erst mal Kaffee.

Samstag, 13.45 Uhr

Langsam gerätst du in Panik. Deiner Mitbewohnerin ist offenbar Duschgel im Badezimmer ausgelaufen. Der Boden klebt und riecht nach Vanille. 

In Rekordgeschwindigkeit saugst du dein Zimmer, Flur und Küche, putzt das Bad und spülst Geschirr. Beim Bäcker gegenüber kaufst du Kekse. Eigentlich wolltest du etwas backen, aber die Idee hast du schon vor über einer Stunde verworfen. 

Zu Hause legst du alles auf den schönsten Teller, den ihr habt. Dein Mitbewohner kommt nach Hause, setzt sich mit einem Döner in die Küche und schaut dir beim Putzen zu. Klassiker.

(Bild: Jude Infantini/Unsplash)

Samstag 14.04 Uhr

Alles, was noch rumliegt, stopfst du in den Schrank. Seit Wochen siehst du zum ersten Mal wieder den Stuhl, auf dem all deine Kleidungsstücke liegen. 

Deine Mutter schickt dir eine Nachricht auf WhatsApp. "Gleich sind wir da! 💕🌼" 

Du gehst noch mal von Zimmer zu Zimmer und hoffst, dass niemand auf die Idee kommt, deinen Schrank zu öffnen.

Im letzten Moment fällt dir der kitschige Seehund ein, den dir deine Eltern von ihrem letzten Urlaub auf Sylt mitgebracht haben. Du findest ihn in deiner Schreibtischschublade und stellst ihn gut sichtbar auf dein Bücherregal.

Samstag, 14.33 Uhr

Das erste, was du von deinen Eltern siehst, sind ihre Hinterköpfe. Sie begutachten das Treppenhaus. Dein Vater überprüft fachgemäß die Statik des Hauses, indem er gegen die Wände klopft. Erst dann sagen alle Hallo!

Samstag, 14.35 Uhr

Deine Eltern begrüßen dich überschwänglich. Deine Mutter hat eine Flasche Wein mitgebracht. Deine Mitbewohnerin kommt das erste Mal heute aus ihrem Zimmer, nimmt deiner Mutter schon mal die Flasche ab und begrüßt deine Eltern mit einem strahlenden Lächeln. 

Den Wein siehst du nie wieder.

Samstag, 14.41 Uhr

Du zeigst deinen Eltern dein Zimmer und freust dich, weil es ihnen gefällt. Sie sagen, wie schön du es doch hast und sind sichtlich erleichtert, dass du nicht in einer Opium-Höhle haust. 

Du machst deine Mutter unauffällig auf den Seehund im Regal aufmerksam. Dein Vater setzt sich auf dein Bett. Sehr bequem, findet er. Beide sagen, dass du sehr ordentlich bist. Du schielst zu deinem Kleiderschrank und schlägst vor, in die Küche zu gehen.

Samstag, 15.01 Uhr

Deine Eltern sitzen mit deinem Mitbewohner an dem viel zu kleinen Küchentisch und freuen sich über die Kekse. Ihr trinkt Kaffee und deine Mutter merkt an, dass eure Küche "praktisch und zweckmäßig" aussieht. 

Samstag, 16.18 Uhr

Deine Mutter hat angefangen, unaufgefordert aufzuräumen. Jezt gerade spült sie das Geschirr von eurem Kaffeekränzchen. Dein Vater überprüft alle an der Wand angebrachten Regale und zückt dann seinen Reiseführer. Er ist bestens vorbereitet und hat schon ein Restaurant ausgesucht, in dem ihr heute Abend essen gehen könntet. 

Samstag, 16.59 Uhr

Deine Eltern brechen in das Hotel auf, in dem sie sich ein Zimmer gebucht haben. Du hast ihnen angeboten, in deinem Bett zu schlafen, aber sie wollten "keine Umstände machen". Ihr verabredet euch um halb acht zum Essen.

Samstag, 19.38 Uhr

Deine Eltern warten schon im Restaurant. Du hast deine Lieblingshose nicht gefunden, weil sie ganz unten in deinem vollgestopften Schrank lag. Ihr bestellt etwas und deine Eltern fragen, was du denn beruflich so geplant hast. 

Ob du dir jetzt schon etwas Genaueres vorstellen könnest und wie es denn in der Liebe so läuft. Du beginnst zu schwitzen, bestellst noch ein Glas Wein und trägst deine gestern Nacht noch schnell im Bett überlegten Aussagen einigermaßen souverän vor.

Samstag, 22.04 Uhr

Ihr verabredet euch zum Sightseeing am nächsten Tag. Natürlich erinnern sie dich daran, auf dich aufzupassen und fragen nach, ob das nicht gefährlich sei, so spät alleine nach Hause zu gehen.

Sonntag, 8.30 Uhr

Du quälst du dich aus dem Bett und schaffst es, eine Stunde zu spät am vereinbarten Treffpunkt zu sein. Dein Vater und deine Mutter nehmen es dir ein wenig übel, studieren aber gerade ohnehin so konzentriert den Reiseführer, als hätten sie sich auf einen anderen Planeten geschossen.

Du sagst genervt: "Das hier ist Köln." Dann zeigst du ihnen die paar Sehenswürdigkeiten, die du kennst. Dein Vater ergänzt deine Stadtführung um alles, was er weiß. Und das ist viel. 

Sonntag 13.22 Uhr

Deine Mutter sucht einen vertrauensvoll aussehenden Menschen, der ein Erinnerungsfoto von euch machen soll. 

(Bild: Dan Gold/Unsplash)

Sonntag, 17.55 Uhr

Deine Eltern verabschieden sich von dir. Deine Mutter sagt, dass du bald wieder mal zu Besuch kommen sollst, dein Vater klopft dir auf den Rücken. Sie versichern dir, dass sie es ganz toll fanden.

Sonntag, 20.23 Uhr

Völlig erschöpft liegst du mit Jogginghose auf deinem Bett. Du schielst auf deinen Schrank und hast jetzt schon Angst, ihn je wieder zu öffnen. Dann vibriert dein Handy. Deine Mutter schickt dir 48 Bilder vom Wochenende auf WhatsApp. 


Art

Banksy trollt die Kunstwelt – und das Internet macht ein Meme daraus
Hier sind die besten.

Mit seiner neuesten Aktion hat Banksy die Kunstwelt getrollt: Bei einer Versteigerung vergangene Woche wurde der Druck eines seiner bekanntesten Werke verkauft. 1,2 Millionen Euro bezahlte jemand für das Mädchen mit dem roten Luftballon. Allerdings zerstörte sich das Bild noch in der Auktionshalle selbst. (bento)

Banksy hatte in den Bilderrahmen einen Schredder eingebaut. So sah das dann aus: