Eine Sonderedition von Klopapier bringt Hundeliebhaber derzeit in Extase. Die einen decken sich für Monate ein, die anderen verkaufen die Rollen auf eBay. Innerhalb kürzester Zeit ist aus dem Klopapier ein Internet-Hype geworden.

Was ist so besonders an dem Klopapier?

Die Special-Edition zeigt einen Mops in einem Ringel-Pulli und Blumen auf dem Haar. Er flüstert: "I Love You!" Einige Mops-Liebhaber scheint das in Sammellaune gebracht zu haben. 

Bilder bei Instagram zeigen Berge des Papiers in Wohnungen, in vollgepackten Kofferräumen und zusammen mit echten Hunden. 

Sogar zu eBay haben es die bedruckten Blätter geschafft. In einigen Versteigerungen kauften User eine Packung für bis zu 25 Euro. Und das aus gutem Grund: In einigen Fillialen war das Toilettenpapier innerhalb weniger Tage ausverkauft. Da kann man schon mal richtig Geld in die Hand nehmen, um seinen Lieblingshund auf dem Klopapier zu haben. 

Neu ist die Idee mit außergewöhnlichen Motiv auf gewöhnlichen Sachen aber nicht. 

Hier sind fünf "Limited Editions", für die wir auch viel Geld ausgeben würden:

1. Taschentücher in Simpsons-Optik

Denn was ist cooler als mit Bart und Homer wieder gesund zu werden? Die Limited Edition ist aus dem Jahr 2003. Mittlerweile kostet eine Packung Taschentücher bei eBay stolze 42 Euro

2. Eine Schlumpf-Figur aus dem Überraschungs-Ei

Aber natürlich nicht irgendein Schlumpf. Ein Nachtwächter-Schlumpf aus dem Jahr 1983. Geile Farbe, geile Lampe, geiler Schlumpf. Wer ihn haben will, sollte sich aber beeilen. Er ist derzeit zum Spitzenangebot von 25.000 Euro auf eBay.

3. Hanf-Schokolade von Ritter-Sport

(Bild: Ritter Sport)

Schokolade mit Hanf? Schokolade mit Hanf! Vollkommen legal versichert der Hersteller. Trotzdem wurde die Edition auf 100.000 Tafeln begrenzt. Also jetzt schnell zuschlagen, bevor sie abläuft.

4. Eine fehlgeprägte Zwei-Euro-Münze aus Griechenland

(Bild: dpa)

Ja, richtig: Münzen sammeln kann sich lohnen. Besonders wenn man eine fehlgeprägte Münze aus Griechenland aus dem Jahr 2002 besitzt. Die Unterschiede zu einer normalen Münze sind kaum zu sehen. Aber Hauptsache selten! Der Preis ist dafür umso besser: Bei eBay werden drei Münzen für insgesamt 54.000 Euro angeboten.

 5. Kevin Carrot

Kennst du nicht? Die niedlichen Plüschfiguren gab es zum vergangenen Weihnachtsfest in vielen englischen Aldi-Filialen. Sie waren Werbegeschenke und am Ende sogar dafür verantwortlich, dass sich Kunden gegenseitig verletzt haben, um noch eine Figur von Kevin und seiner Familie zu ergattern. 


Queer

Jung, schwul, Muslim: Tugay Sarac kämpft für die Rechte queerer Muslime – und wird deshalb bedroht
Hier erzählt er, warum er trotzdem weitermacht.

Nicht jeder ist familiär bedingt an Polizeischutz gewöhnt. Tugay schon.

Seine Tante Seyran Ateş ist die Gründerin jener Berliner Moschee, in der Frauen Imaminnen sein dürfen. Bei Muslimen auf der ganzen Welt hat sie sich damit unbeliebt gemacht. Aber immerhin: Durch diesen familiären Background ist Tugay nicht schnell Angst einzujagen.

Ganz entspannt sitzt er auf dem weichen Teppich der Ibn-Rushd-Goethe-Moschee. Der Raum ist weiß und leer, es hallt ein bisschen, wenn Tugay spricht – die Moschee hat im ehemaligen Theaterraum einer evangelischen Kirche in Berlin-Moabit Unterschlupf gefunden. 

Hier, in diesem Raum, versucht seine Tante, eine Religion neu zu denken – und Tugay seine Identität. Denn er ist schwul und gläubig. Damit ist er einer der wenigen, die öffentlich zu beidem stehen. Wahrscheinlich macht er auch deshalb schnell einen Witz: Ja, dass er TuGAY heiße, sei ein Zufall. Er versucht, den Druck aus dem Gespräch zu nehmen. 

Denn queere Muslime haben Angst – auch in Deutschland. "Ich kenne einen Mann, der von seiner Familie mit Benzin übergossen wurde. Er sollte angezündet werden, weil er schwul ist", wird er später erzählen. 

In seiner LGBTQ-Gruppe für Muslime gibt es bis jetzt etwa fünf Mitglieder. 

Die fünf Millionen Muslime in Deutschland haben bei diesem Thema viel zu wenig Unterstützung – umso wichtiger ist Tugays Initiative.

In der Ibn-Rushd-Goethe-Moschee sind Schwule, Lesben und Transgender nicht nur willkommen, sie können sich auch trauen lassen. Die Moschee lädt regelmäßig zu Veranstaltungen ein, zum Beispiel zur "Queer Muslim Night". Dann reisen queere Muslime aus aller Welt nach Berlin. 30 bis 40 Menschen kommen zu den Treffen dann zusammen, unter ihnen zum Beispiel der schwule Imam Ludovic-Mohamed Zahed aus Paris. Zahed predigt, sie beten zusammen und essen, halten Vorträge über Homosexualität in islamischen Texten oder präsentieren ihre Arbeit in unterschiedlichen Ländern, und sie können sich endlich austauschen.

Darüber, was ihnen ihr Glaube bedeutet – und ihre Sexualität.

Für Tugay zum Beispiel war es ein langer Weg, bis er sich eingestehen konnte, dass er schwul ist. Als Kind wuchs er mit den konservativen Idealen seines Vaters auf. Und für den war alles "schwul", was nicht in ein sehr enges Bild von Männlichkeit passte. Den Kinderwagen von Tugays Schwester zu schieben, zum Beispiel.

Als Tugay dann mit 13 bemerkte, wie sehr er sich zu Männern hingezogen fühlt, wusste er nicht, wohin mit sich und seinen Gefühlen. Seine Freunde und Familie ahnten nichts. "Auf dem Schulhof redeten alle über Mädchen, also habe ich das Spiel einfach mitgespielt." Aber die ganze Zeit über fragte er sich, was er tun solle.

Seine erste Lösung: radikaler Glaube.