Was hörst du?

An manchen Tagen stellt das Internet die ganz entscheidenden Fragen: Ist dieses Kleid zum Beispiel weiß-golden oder blau-schwarz? Sind diese Shirts pink-weiß oder grau-türkis? Oder hört man bei dieser Audiodatei "Yanni" oder "Laurel"?

Die simpel klingenden Fragen teilen die Menschheit, weil unser Gehirn eine ziemlich komplizierte Sache ist. Und es – je nach Gehör oder Blick unterschiedliche Antworten gibt: Manche sehen die eine Farb-Kombination, manche die andere. Manche hören den einen Ton, mache einen anderen.

Nun entzündet sich der Streit an einer ganz delikaten Frage: Sagt eine Puppe bei den Muppets tatsächlich "Fuck"?

Es geht um den Charakter Grobi, einen guten Kumpel von Kermit, dem Frosch. Der blaue Kerl ist in einer Szene zu sehen, in der er mit einer anderen Puppe über ein Selfie fachsimpelt. Grobi – im Englischen heißt die Figur "Grover" – sagt, die Kamera zu drehen sei eine großartige Idee.

Aber wie genau formuliert er das? Nutzerinnen und Nutzer hören zwei Varianten:

  • "Yes, yes, that’s a fucking excellent idea."
  • "Yes, yes, that sounds like an excellent idea."

Hier ist die Szene, in der Grobi angeblich fluchen soll:

Es geht also um die Frage, ob sich etwas eine "verfickt gute Idee" ist – oder sich nur "wie eine gute Idee anhört".

Was hörst du?

Fluchen ist in den USA ein großes Thema. 

Das Wort "Fuck" und Abwandlungen davon werden im Fernsehen immer mit einem Piepton überlegt. So soll verhindert werden, dass Kinder das als anstößig empfundene Wort hören. 

Wenn nun ausgerechnet in einer Kindersendung eine Figur fluchen soll, bringt das ziemlich viele Eltern auf. Und amüsiert viele andere. 

Die Macher der Muppets haben sich zu dem Audioschnipsel nicht offiziell geäußert. Dass Grobi in Wahrheit nur Unverfängliches spricht, gilt aber als recht sicher – eine Kindersendung in den USA würde das Risiko wohl nicht eingehen, Eltern derart zu verschrecken. (Mashable)

Die Szene ist also wahrscheinlich eine akustische Illusion. Für viele funktioniert es so: Je nachdem, welchen Satz man sich zum Gesagten vorstellt – also den mit oder oder ohne "fucking" – hört man auch den entsprechenden.

Oder anders: Wir hören das, was unser Unterbewusstsein hören will.


Streaming

In "Black Mirror – Bandersnatch" spielst du die Hauptrolle: So funktioniert der Film
Wir haben ihn getestet.

Mit "Black Mirror – Bandersnatch" ist auf Netflix ein Film online gegangen, auf den viele lange gewartet haben (bento). Er ist interaktiv, der Zuschauer kann also aktiv in den Handlungsverlauf eingreifen, indem er Entscheidungen für den Protagonisten fällt – das ist spannend, ein interessantes Experiment. Als Zuschauer aber auch echt anstrengend.

Die Serie "Black Mirror" ist an sich schon keine leichte Kost.

Versteht mich nicht falsch. Ich finde, "Black Mirror" ist eine gute Serie. Trotzdem habe ich für die ersten vier Staffeln ewig gebraucht. Es gab durchaus Tage, manchmal Wochen, wo ich dachte "Heute war so ein harter Tag, mir geht gerade so viel durch den Kopf – jetzt nicht auch noch eine Folge 'Black Mirror'." 

An anderen Tagen konnte ich es dagegen kaum erwarten, noch so eine spannende Geschichte aus der Serie anzusehen: Bei "Black Mirror" steht jede Folge für sich. Jede Folge erzählt eine abgeschlossene Geschichte mit immer anderen Charakteren. 

Abgesehen von leichten Andeutungen oder kleinen Easter Eggs gibt es nichts, was innerhalb einer Folge an eine andere erinnert. 

In der Serie werden für gewöhnlich düstere Dystopien erzählt. Geschichten über Medien und Technik und welche (ethischen) Auswirkungen sie auf uns und unser Zusammenleben haben. 

Charlie Brooker, der Erfinder der Serie, fragte: "Wenn Technologie eine Droge ist, und genauso fühlt es sich doch an: Was sind die Nebenwirkungen?" (Süddeutsche Zeitung) In "Black Mirror" zeigt er verschiedene Antwortmöglichkeiten auf seine Frage. 

Und jetzt kommt mit "Bandersnatch" also ein interaktiver "Black Mirror"-Film.

"Bandersnatch" soll außerhalb der Serie als eigenständiger Film laufen, er gehört nicht zur für Anfang 2019 erwarteten fünften Staffel

Es wird die Geschichte von Stefan erzählt, einem jungen Programmierer im Jahr 1984, der einen Roman als Videospiel herausgeben möchte. Schon der Roman "Bandersnatch", der seinem Videospiel als Vorlage dient, lebt davon, dass der Leser verschiedene Entscheidungen treffen kann. Er muss dann auf bestimmte Seiten blättern, um dort die Auswirkung seiner Entscheidung auf den weiteren Handlungsverlauf zu lesen.

So in etwa funktioniert "Black Mirror – Bandersnatch" dann auch auf Netflix. Nur dass nicht in einem Buch geblättert wird, sondern auf Netflix. An bestimmten Punkten werden unten im Bildschirm zwei Optionen eingeblendet und der Zuschauer hat wenige Sekunden Zeit, sich zu entscheiden. Tut er es nicht, entscheidet Netflix automatisch.

Die Auswahl beginnt mit einfachen Fragen, wie welche Cornflakes Stefan zum Frühstück essen oder welche Musik er in seinen Walkman einlegen soll. Doch spätestens, wenn es darum geht, ob Stefan einen Job annehmen soll, wird es komplizierter.

Schaut damit also jeder – bedingt durch seine Entscheidungen – einen anderen Film? 

Vielleicht ein bisschen. Denn man kann sich tatsächlich falsch entscheiden und wird dann doch wieder zu einer Ausgangssituation zurückgeleitet, wo man dann die Möglichkeit bekommt, sich nochmal "richtig" zu entscheiden. Beim ersten Schauen war ich nach zehn Minuten fertig. "Bandersnatch" empfahl mir, doch noch mal zurückzugehen und eine andere Entscheidung zu treffen.

Letztendlich wurde "Bandersnatch" von Menschen mit begrenzten Mitteln und begrenzter Zeit gedreht. Darum konnten natürlich nicht zu viele Handlungsverläufe ausführlich parallel produziert werden. Insgesamt liegen aber etwa 300 Minuten Filmmaterial vor, für alle möglichen Handlungsverläufe, nach allen verfügbaren Entscheidungen (bento). 

Manchmal liegen nur 90 Sekunden, manchmal fünf Minuten zwischen den Entscheidungen, die der Zuschauer treffen muss. 

Es lässt sich also selbst ausrechnen, dass da nicht viel Spielraum ist und keine allzu krassen Abweichungen von der Kernhandlung möglich sind.

Und so ist es mir beim Ansehen mehrfach passiert, dass ich Szenen mehrmals gesehen habe (natürlich mit leichten Abwandlungen, denn die Beteiligten hatten plötzlich Déjà-vus), wieder die gleiche Frage gestellt bekommen habe und mich so anders entscheiden konnte. So wurde meine Version von "Bandersnatch" nun also doch in eine vorgegebene Richtung gedrückt – auch wenn es dann doch verschiedene Enden gibt.

Ein interaktiver Film in der Form ist ein spannendes Experiment – aber auch anstrengend.

Dass ich nach einer falschen Entscheidung Szenen nochmal sehe, ist höchstwahrscheinlich dem Vorbild zu verdanken. Ich habe ein Leben verloren, ich darf es nochmal versuchen – halt wie in einem Videospiel, um das es in dem Film ja geht. Ein spannendes Experiment.

Aber seid vorgewarnt: "Bandersnatch" ist nichts, was ihr heute Abend mit euren fünf Freunden mal eben gucken könnt. 

Ohne zu viel von der Handlung verraten zu wollen: Sogar im Film stellen Stefan und sein Kollege fest, dass man manche Spiele am besten alleine entwickelt. Diesen Film guckt man auch am besten alleine. Und konzentriert. 

Aber dann ist er wirklich spannend und ein interessantes Erlebnis.

Hier ist der Trailer zu "Black Mirror – Bandersnatch":