Bild: Photo by Drew Graham on Unsplash

Vor meinem inneren Auge stehe ich in Camouflage, Sturmmaske und Pferdeschwanz vor einer riesigen Tresortür. Aus dem Off: dramatische Musik. Nahaufnahme auf meine gerunzelte Denkerstirn, Schweißperlen laufen mir die Schläfen runter.

Australien sucht Nachwuchs-Spione – und hat ein Computerspiel entwickelt, um den passendsten Kandidaten ausfindig zu machen. 

Das könnte ich sein.

Der "Australian Secret Intelligence Service" (ASIS) ist vergleichbar mit dem britischen MI6 (Arbeitgeber von James Bond) oder dem US-amerikanischen Geheimdienst CIA. Momentan gibt es in der Spionage-Abteilung eine Trainee-Stelle zu vergeben. Es werden Leute mit ganz unterschiedlichen Hintergründen gesucht, neugierig, mit Beobachtungsgabe und guter Sozialkompetenz, verrät die australische Außenministerin Julie Bishop im Interview mit "7 News Sydney". 

Spionin stand zwar nie ganz oben auf meiner Berufs-Wunschliste. Aber es wäre schon schön zu wissen, dass ich könnte, wenn ich wollte. Bei Krimis liege ich nicht immer daneben, wenn ich den Mörder erraten will und meine Sozialkompetenz würde ich als ganz solide einschätzen. 

Also habe ich den Test gemacht!
(Bild: ASIS )

Vorsicht, Spoiler!

Wir verraten in dem Text ein paar der Aufgaben, die man in dem Spiel schaffen muss – aber natürlich nicht die Lösungen. Wenn du das trotzdem zuerst selbst spielen möchtest, kannst du das hier tun. 

Kopfhörer rein und los geht's. Erste Szene in einem fiktiven Aufzug. Ich schaue auf eine Knopfleiste, die die Stockwerke anzeigt. 

Welche ist die fehlende Nummer?
(Bild: ASIS )

Als erstes nehme ich die Quersummen aller Zahlen. Funktioniert nicht. Danach versuche ich alle fünf Ziffern durch dieselbe Zahl zu dividieren. Kein Treffer. Als mir keine offensichtliche Lösung mehr einfällt, driften meine Gedanken ab. 

In welcher Spionagesituation müsste ich wohl jemals einen Zahlencode knacken? Um eine Bombe zu entschärfen? Eine Tür zu öffnen? Einen Code zu knacken? Plötzlich reiße ich die Augen auf – natürlich! Ich klicke eine Lösung an. Die Fahrstuhltür öffnet sich.

(Bild: ASIS )

Vor mir steht eine Frau. Sie sieht prüfend-freundlich aus und erzählt, dass sie mich für die Stelle eines "Intelligence Officers" interviewen und prüfen wird. Ich höre ihr ganz genau zu, achte auf versteckte Hinweise und Anweisungen. Nichts soll meiner Aufmerksamkeit entgehen. 

Dann will sie von mir wissen, welche Zeit die Wanduhr hinter ihr angezeigt hat, als ich aus dem Fahrstuhl gestiegen bin. 

Mist. Ich rate. Sie stellt mir die nächste Aufgabe.

Sie führt mich auf einen Flughafen, wir stehen am Gate. Jetzt soll es um Sozialkompetenz gehen. Endlich, denke ich, voll mein Ding. Gleichzeitig versuche ich, alle Leute im Hintergrund im Auge zu behalten. Das mit der Uhr passiert mir nicht noch mal. 

Sie führt mich zu einer Flugbegleiterin mit strengem Dutt, ich soll sie bitten, mir einen besseren Sitzplatz zu geben. Die Frau ist beschäftigt. Wie gehe ich damit um? Meine Optionen sind diese:

(Bild: ASIS )

Das ist alles? Ich bin verwirrt und halte nach einer Uhr Ausschau. Nichts zu sehen.

Also wähle ich eine der Optionen. Die Frau fragt mich, ob sie mir helfen kann. Ich kriege vier weitere Antwortmöglichkeiten und wähle die schlüssigste aus. Die Antwort der Flugbegleiterin passt überhaupt nicht zu meinem Satz. Habe ich bestanden?

Da kommt auch schon die Frau vom Anfang zurück und erklärt mir, dass es eben darum ging, Gesichter zu lesen, ich sollte die Flugbegleiterin für mich gewinnen. 

Aha. 

Als nächstes will die Dame prüfen, ob ich Menschen in einer Masse wiedererkennen kann. Sechs Gesichter soll ich mir einprägen, dazu die passenden Namen. 

(Bild: ASIS )

Ich habe das Gefühl, die letzten beiden Prüfungen vergeigt zu haben und mache mir verstohlen Notizen – Spione werden ja wohl auch mal Stift und Papier zur Hand haben. Ich starre minutenlang auf die Gesichter von Paul, Kate und Alicia und frage mich irgendwann, ob wohl auch die Zeit, die man für das Lösen einer Aufgabe braucht, in das Ergebnis einfließt. Ich werde unruhig. 

Ich bereite mich innerlich auf Menschenmassen vor, tausende von Menschen auf dem Petersplatz in Rom oder dem Times Square in New York, großes Gewusel, in dem ich Kate und die anderen identifizieren soll. Ich atme tief durch. Ich bin bereit und klicke auf "Ready".

Dann schwenkt das Bild durch ein Flugzeug, fünf Sitzreihen entlang. Was passiert hier? Wo sind meine Menschenmassen? Saß da gerade Darryl? Und da ist schon wieder die Frau vom Aufzug und will wissen, ob ich jemanden erkannt habe. Ach und übrigens: Ob ich vorhin am Flughafen gehört habe, welcher Flug ausgefallen ist?

Nee! Hab ich nicht.

Innerlich habe ich meine Spionage-Karriere schon an den Nagel gehängt. Ich habe das ungute Gefühl, dass ich nicht in der Lage bin, meine Sinne alle gleichzeitig zu aktivieren. Was mir die letzte Aufgabe noch einmal deutlich vor Augen führt, als drei Frauen auf einmal vor mir anfangen zu sprechen und ich aus dem Palaver Informationen herausfiltern soll. Aber, soweit ich das von meinem Platz aus sehen konnte: Keine Uhren weit und breit. 

(Bild: ASIS )
Dann das Ergebnis. Ich bin fast ein bisschen aufgeregt:
Sie haben ein paar der Qualitäten, nach denen wir suchen.

Na immerhin. Und noch etwas lässt hoffen: Man kann das Spiel einfach noch mal spielen, mit genau den gleichen Fragen, so lange, bis das gewünschte Ergebnis rauskommt. 

Wer dem Test nach ein passender Kandidat ist, der bekommt einen Code ausgespielt, und kann diesen auf dem Bewerbungsportal angeben. So weiß ASIS schon genau, welcher Bewerber sich wie geschlagen hat. Wie der Geheimdienst ASIS weiß, dass der Bewerber das Spiel nicht zum siebten Mal gespielt hat, bleibt sein Geheimnis

(Bild: ASIS )

Wer sich bewerben möchte (Voraussetzung: Er oder sie muss aus Australien sein) oder einfach selbst testen will, ob er das Zeug zum Geheimagent hat, der kann das hier tun. Die Stelle ist noch bis zum 28. Februar ausgeschrieben. 


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Ein Schwimmbad in Herne will 200 ungeduschte Kinder ins Becken lassen
Splish, splash!

Das Duschen vor dem Sprung ins Wasserbecken ist oberstes Schwimmbad-Gesetz. Logisch, das ist einfach hygienischer. 

Im "Wananas"-Bad in Herne ist aber genau das gerade nicht gewollt. Zumindest für kurze Zeit. In einer geplanten Großaktion sollen nämlich 200 Kinder ins Schwimmbecken ohne vorher geduscht zu haben.