Bild: Peter Zelewski
"Wir können uns gegenseitig die iPhones freischalten"

Chloe und Leah haben lange, rote Haare, dunkle Augen, Sommersprossen, sie tragen beide weiße Sneakers, eine blaue Leggins und ein Jeanskleid – und sehen sich zum Verwechseln ähnlich. Doch guckt man genau hin, sieht man, dass Chloe wenige Zentimeter größer ist, ihr Gesicht schmaler zu sein scheint.

Der Fotograf Peter Zelewski hat eineiige Zwillinge porträtiert und zeigt nicht nur, wie viel sie gemeinsam haben, sondern auch, was sie unterscheidet. Die Idee für die Serie "Alike But Not Alike" entstand, als Zelewski den beiden Zwillingsschwestern Kira und Taya auf einer Londoner Straße begegnete.

So sehen die Zwillinge aus:

"Delilah ist meine beste Freundin und ich bin ihre. Ich fühle mich immer wohler, wenn wir zusammen sind. Wir gucken zusammen fern, machen uns gegenseitig die Haare und..."
...schlafen sogar im selben Bett. Wenn wir uns streiten, dauert es nie lange, weil wir tief im Inneren nicht getrennt sein wollen."
"Als wir Kinder waren, wollte ich Astronom werden und Dijon Jurist. Aber jetzt studieren wir beide Betriebswirtschaft. Nichts ist besser, als einen besten Freund und Bruder in einem zu haben."
"Der einzige Nachteil ist, dass uns Freunde manchmal verwechseln, wenn wir getrennt unterwegs sind. Das kann ganz schön unangenehm sein."
"Joe ist extravaganter als ich. Er liebt Make-up und möchte eines Tages Maskenbildner werden. Ich liebe Fotografie und stehe lieber hinter der Kamera."
"Das Beste am Zwilling sein ist, dass man sich nie Sorgen machen muss, missverstanden zu werden."
"Als wir aufwuchsen, hatten wir das Gefühl, es wäre ein Fluch, ein Zwilling zu sein. Wir wurden immer als 'die Zwillinge' bezeichnet..."
"Egal ob wir zusammen oder getrennt unterwegs waren. Wir kämpften darum, eine individuelle Identität zu entwickeln."
"Wir sind beste Freundinnen und Schwestern in einem. Wir haben eine starke Verbindung: Wir wissen immer, was die andere denkt, fühlt oder sogar träumt. Chloe ist einmal vom Hochbett gefallen."
"Sie hatte schreckliche Schmerzen, weinte aber nicht einmal – doch ich konnte nicht aufhören zu weinen. Es war so, als ob ihr Schmerz auf mich übertragen wurde. Ich wusste genau, wie sie sich fühlt."
1/12

"Es war die Symmetrie der beiden, die Art und Weise, wie sie intensiv und einstimmig direkt in meine Linse schauten", sagt er über seine sofortige Faszination. Er bat um ein Fotoshooting mit den Mädchen, die Familie stimmte zu.

Es fühlte sich so an, als würde ich ein Porträt aufnehmen, wie ich es noch nie zuvor gemacht hatte.

Drei Jahre lang arbeitet Zelewski nun bereits an dem Projekt und hat mittlerweile 40 Zwillingspaare unterschiedlichen Alters, verschiedener Ethnien, sozialer Hintergründe und Geschlechter abgelichtet. Er zeigt die Duos auf den Straßen Londons vor neutraler Kulisse im Freien, um möglichst wenig über ihren sozialen Status zu verraten. Die Geschwister tragen die gleichen Kleidungstücke – so treten ihre Gesichtszüge, die Ausstrahlung, ihre Gemeinsamkeiten und Unterschiede deutlicher hervor.

Anfangs faszinierte Zelewski besonders die Symmetrie: "Ich hatte wirklich das Gefühl, dass ich mit den Porträts, die ich von den Zwillingen machte, der totalen Perfektion näher kam." Doch dann fing er an, sich immer mehr für die besondere Beziehung der Geschwister zu interessieren.

Jedes Foto ergänzt Zelewski mit Zitaten der Porträtierten, die deutlich machen, wie stark das Band zwischen den Geschwistern sein kann: Die Zwillinge Polly und Sophie haben so ähnliche Fingerabdrücke, dass sie sich gegenseitig die iPhones freischalten können.

Noch mehr Zwillings-Fotos:

"Wir waren schon immer unzertrennlich und haben uns von klein auf gleich gekleidet. Das kam bei unseren Lehrern in der Schule nie gut an. Sie hassten unsere Einheit."
"Sie sagten sogar zu unserer Mutter, dass wir uns nicht gleich anziehen sollten. Ich glaube, sie haben unsere Nähe missverstanden, aber das hat unsere Bindung nur gestärkt."
"Unsere Mutter erzählte uns, dass wir als Babys miteinander kommunizierten, ohne zu sprechen – indem wir Babygeräusche machten."
"Jetzt wo wir älter sind, hätten wir gern eine andere beste Freundin. Das Problem ist, dass, wenn wir jemand Neues treffen, sie uns immer als eins sehen und nicht als Individuen."
"Wir können uns gegenseitig die iPhones freischalten, weil wir fast identische Fingerabdrücke haben. Ein Arzt sagte mal, dass wir die eineiigsten Zwillinge sind, denen er je begegnet ist."
"Wir sind so identisch, dass wir nahezu ununterscheidbare DNA haben. Wir wären der größte Albtraum eines Gerichtsmediziners."
"Nur wenn du ein Zwilling bist, wirst du die enge Beziehung verstehen, die wir teilen. Wir sind Seelenverwandte, beste Freundinnen und lieben uns mehr als jeden anderen."
"Wir wurden in Eritrea geboren und sind nach London gezogen, als wir sieben Jahre alt waren, um medizinische Hilfe zu bekommen. Wir sind nämlich beide im selben Alter taub geworden."
"Wir haben eine unzerbrechliche Verbindung: Wir beenden unsere Sätze, lesen unsere Gedanken und spüren den Schmerz der anderen."
1/12

Die 23-jährigen Brüder Clinton und Lee kleiden sich auch als Erwachsene noch gern gleich; die Schwestern Var und Ronja bezeichnen sich als Seelenverwandte.

Die Aussagen der Geschwister verdeutlichen auch, welche Schwierigkeiten das Zwillingsdasein mit sich bringen kann. Die Schwestern Allu und Naomi empfanden es als Kinder als Fluch, einen Zwilling zu haben. "Das Problem ist, dass, wenn wir jemand Neues treffen, sie uns immer als eins sehen und nicht als Individuen", sagen die Kira und Taya, 14 Jahre alt.

Zelewski fängt die feinen Abweichungen ein, die Variationen in Gesichtsausdruck, Haltung und Charakter. "Innerhalb von 30 Sekunden werden die Unterschiede immer sehr deutlich", sagt er über die Fotoshootings mit den Zwillingen. Sofort erkenne er, wer den Ton angibt, wer sensibler ist und wer kontaktfreudiger. Er lässt beim Fotografieren die Zwillinge ihre Posen selbst wählen – daran könne man einiges über sie ablesen, meint er.

"Joe ist extravaganter als ich. Er liebt Make-up und möchte eines Tages Maskenbildner werden. Ich liebe Fotografie und stehe lieber hinter der Kamera", sagt der 15-jährige Duke über sich und seinen Zwillingsbruder.


Dieser Text ist zuerst auf SPIEGEL ONLINE erschienen.


Queer

Diese 5 Bundesländer wollen queere Menschen per Grundgesetz schützen
Längst überfällige Initiative!

Im ersten Halbjahr 2017 gab es 130 Straftaten, die in Zusammenhang mit der sexuellen Orientierung standen. Das sind fast 30 Prozent mehr, als im ersten Halbjahr 2016. Damals wurden 103 Fälle verzeichnet. 

Nun wollen fünf Bundesländer dafür sorgen, dass queere Menschen in Deutschland besser geschützt werden.

Die Länder Berlin, Brandenburg, Bremen, Rheinland-Pfalz und Thüringen sehen Handlungsbedarf – und reichen einen Antrag zur Änderung des Grundgesetzes ein, wodurch die LGBTQ-Community zukünftig besser geschützt werden soll.