Das vierte Date in zwei Wochen. Wieder ein netter Abend, aber weder war eine besonders prickelnde Atmosphäre aufgekommen, noch war ich ansatzweise verknallt.

Jedes Mal fängt man wieder von vorne an. Ich hatte keine Lust mehr auf dieses unverbindliche rumgedate. "Hey, danke für den schönen Abend, lass uns bald telefonieren!" Dann ruft keiner mehr an.

So verplätscherten Dutzende Dates. Langsam vermisste ich das Eine, was wir Männer angeblich sowieso immer nur wollen. Sex.

Deswegen überlegte ich mir ein Experiment und erstellte auf einer Dating-Plattform zu meinem normalen Profil ein zweites.

In den vergangenen Monaten hatte ich hart im Fitnessstudio trainiert und ein paar passable Sixpack-Selfies geschossen.

Das zweite Profil zeigt nur meinen Oberkörper, ohne Gesicht. Ich musste ein bisschen über mich selbst lachen. Aber ich wollte einfach schauen, was passiert. Denn anders klappte es offensichtlich nicht.

Wer ist Hannes Isart?

Sex ist eine ernste Sache. Wegen all der Tabus und Unsicherheiten sind gerade die ersten intimen Momente ein großer Schritt (außer man hat drei Flaschen Wein gemeinsam getrunken). Unser Autor ist Mitte 30, Journalist und Comedian und hat mit der Zeit gelernt, im Bett zu lachen – und so Nähe zu schaffen.

Vielleicht liegt das an mir. Vielleicht bin ich zu nett. Dieser Übergang von einem netten Date zum erotisch aufgeladene Flirt ist meine große Schwäche.

Wie machen das bloß diese Männer, die dauernd One-Night-Stands mit ihren Tinderdates haben? Jeder hat doch so jemanden im Freundeskreis. Sollte ich beim Date aggressiver nach Sex fragen?

Allerdings habe ich noch nie von einer Frau gehört, dass sie das mag. "Dann sagte er, dass ich voll süß bin. Da bin ich sofort zu ihm gefahren. Seine Dickpics waren hot!" Noch nie gehört. Oder geben sie es nur nicht zu? Und die Männer ziehen das wohl einfach stoisch durch, 30-mal eine Abfuhr bekommen und einmal klappt's. Ich weiß nicht, ob das was für mich ist.

Zum Klicken: Alle Kolumnen von Hannes im Überblick
In seiner ersten Kolumne beschreibt er, wie lachen uns beim Sex näher bringt. Die ganzen Text lest ihr hier.
1/12

Nach ein paar Tagen likten die ersten Frauen mein Zweit-Profil. Und irgendwann die erste Nachricht: Judith fand mein Foto attraktiv und auch meinen Text recht charmant. Aber warum ich denn nur auf Sex aus sei? Wenn man jemanden liebt, sei Ficken doch erst richtig geil.

Mit Liebe wird ficken geiler? Das hatte ich nun davon. Ganz lustig, aber trotzdem war mir das Mädel zu vulgär. Freundlich wünschte ich ihr viel Erfolg auf ihrer weiteren Suche. Aber Judith lies nicht locker, ich sei jetzt doch unerwartet nett und warum ich denn kein Interesse an etwas Verbindlicherem hätte.

Warum schrieb Judith Nachrichten an einen nackten Oberkörper, wenn sie doch eine Beziehung will? Es folgten einige nicht erwähnenswerte Chats, die zu nichts führten.

Dann meldete sich Sarah und ich merkte, dass ich die ganze Aktion nicht richtig durchdacht hatte. "Mir gefällt, was ich sehe, kann ich noch dein Gesicht sehen, bevor wir uns treffen?"

Sarah war bildhübsch. Das verzwickte daran: Ich kannte Sarah! Ich hatte vorher schon mit ihr von meinem normalen Profil aus geschrieben. Gerade tänzelten wir um ein Date herum.

Ich bin meist ehrlich, das vereinfacht mein Leben. Also schickte ich ihr einen Link zu meinem anderen Profil. Sie fand diesen Zufall irgendwie lustig, sagte aber dankend ab. Erst wollte ich noch protestieren, dass wir uns doch sogar auf zwei Profilen mochten. Dann verstand ich, dass meine Zwei-Profil-Aktion ein bisschen merkwürdig ist.

Mein Plan mit dem Sex-Profil ging also einfach nicht auf. Im Gegenteil. Was nämlich nun öfters passierte war nicht sehr förderlich für mein Selbstbewusstsein.

Zum Klicken: Es gibt Anmachen – und dann gibt es Tinder-Sprüche (Mehr davon gibt's bei Tinderwahnsinn)

1/12

Immer mehr Frauen schrieben freundlich und fragten nach einem Gesichtsbild. Und wenn ich es ihnen schickte, kam keine Antwort mehr. Das kränkte mich einerseits, andererseits amüsierte es mich, dass ich überhaupt in so eine Situation kam.

Ich wollte das Profil schon begraben, da meldete sich die "Ficken-ist-mit-Liebe-geiler"-Dame noch mal. Sie sei abends in einem Club. Ob ich Lust hätte, sie zu finden und zu ficken.

Ich seufzte und löschte mein Nacktfoto-Profil.

Ich war auf der Suche nach netten Sex-Dates, aber mein Profil zog nicht die Frauen an, die ich mir wünschte.

Als ob mir das Leben zeigen wollte, dass man keine Sexprofile braucht, landete ich mit dem nächsten Date gleich am ersten Abend im Bett.

Was ich daraus gelernt habe? Ich muss zu Anfang nicht so offensiv auftreten. Wenn die Chemie stimmt, dann folgt auch der Rest. Ich glaube, ich habe mir dieses Sex-Profil vor allem aus Faulheit angelegt.

Was auch stimmt: Es gibt zwar Online eine Riesenauswahl. Das macht es aber nicht unbedingt leichter, jemanden zu finden, der zu einem passt. Sei es für eine Beziehung oder für eine Nacht.

Und jetzt zu dir:


Gerechtigkeit

Wie eine Mutter ihrer Tochter zeigt, ihren Afro zu lieben

Was sind schöne Haare? Oft genug lautet die Antwort darauf Kate Middleton oder Jennifer Aniston. Aber: "Einen Afro zu tragen ist bis heute nicht Teil des gängigen Schönheitsideals", sagt Lekia Lée. Viele Afrikanerinnen glätten sich ihre Haare und verwenden dazu chemische Produkte.

Das ist nicht nur viel Arbeit, sondern im schlimmsten Fall gesundheitsschädlich, weil die Chemie Kopfhaut und Haare schädigt. Lekia setzt sich deshalb dafür ein, dass Afrikanerinnen ihre natürliche Haarstruktur nicht mehr verstecken.