In einem YouTube-Video wird ein übergewichtiger YouTuber minutenlang aufs Übelste beleidigt. Die Macher des Videos verkaufen das Ganze als "Satire" und "gegen Hass". Was läuft da schief?

Funk, das junge Angebot von ARD und ZDF, hat auf dem Kanal von "WorldWideWohnzimmer" ein Video veröffentlicht, in dem Tobias "Exsl95" Eckmeier beleidigt wird. Er sitzt er auf einem Stuhl, während eine Computerstimme ihm fast neun Minuten lang Beleidigungen vorliest – auf die reagiert er dann. "Kinnlose Kackbratze" oder "sahneschlürfender Schandfleck" heißt es darin unter anderem.

"Ich hate da mal eine Frage" heißt die Reihe – ein Format, das sich eigentlich gegen Hater richten will. Die Pressestelle bezeichnet das Format als "Satire", wie die Neue Westfälische berichtet. Dort heißt es, dass das Format darauf ziele, "Hass unwirksam zu machen" und dass den Betroffenen so "die Möglichkeit gegeben wird, auf die Kommentare zu reagieren".

Aber wie soll ein Video voller Hass gegen Hass helfen?

Der YouTuber reagiert mal verunsichert, mal amüsiert. Weder die Fragen noch seine Antworten werden dabei kritisch eingeordnet

Mit seinem eigenen Kanal ist "Exsl95" damit bekannt geworden, große Mengen Nahrung zu sich zu nehmen ("6 Flaschen Müllermilch auf Ex") und einzukaufen ("Meine XXL Nahrungsmittelbeschaffung"). Grund genug, um ein komplettes Video voller Body-Shaming zu drehen? Eher nicht.

Das Video hat mittlerweile mehr als 600.000 Aufrufe. So viele Menschen wollen sich anschauen, wie jemand beleidigt wird.

Hilft das gegen Hass? Klar, der YouTuber reagiert selbstironisch. Einige Nutzer nennen ihn auch mutig. Aber führt so ein Video nicht eher dazu, dass Äußerlichkeiten wie Körpergewicht noch stärker wahrgenommen werden?

Noch schlimmer als das Video selbst ist allerdings, dass die Kommentare nicht etwa echte Nutzerkommentare sind, die unter einem Video oder einem Posting stehen. Im Vorfeld der Sendung riefen die Macher dazu auf, möglichst "böse, beleidigende, provozierende und blöde Fragen" einzusenden.

Geht’s noch? Die Macher wollen mit ihren Videos also gegen Hasskommentare vorgehen, indem sie selbst dazu aufrufen?

Denn es fängt bereits bei der Sprache an. Genau aus diesem Grund schreibt man "gleichgeschlechtliche Ehe" und nicht "Homo-Ehe". Und "Menschen mit Behinderung" und nicht "Behinderte". All das soll dabei helfen, Menschen nicht durch Sprache zu verletzen. Denn wie fühlt sich jemand, der selbst übergewichtig ist, wenn er dieses Video sieht?

Was die Macher dieses Videos mit den Szenen nämlich auch sagen: Übergewicht ist ein Grund, sich über Menschen lustig zu machen.

Dabei soll es genau darum nicht gehen. Natürlich gibt es übergewichtige Menschen und natürlich kann das ein gesundheitliches Problem sein oder werden. Es gibt allerdings keinen einzigen Grund, warum man einen Menschen deswegen beleidigen sollte. Ganz egal, ob es sich dabei um einen berühmten YouTuber handelt oder irgendjemand anderen.


Gerechtigkeit

Das ist die Frau, die der CSU die Mehrheit entreißen kann
Unterwegs mit dem Shootingstar der Grünen

Die Ansagerin steht in der Mitte der Exerzierhalle in Ingolstadt und wird so langsam panisch. "Katha und Robert, bitte! Katha und Rooobert!" 

Katha und Robert, das sind Katharina Schulze und Robert Habeck. Sie, 33, Spitzenkandidatin der Grünen in Bayern. Er, 49, Vorsitzender der Grünen in Deutschland.

Die beiden sitzen hinter einem Essenstand auf einer Holzbank, Andy Green's Natural Food Kitchen, sie schlingen Süßkartoffelcurry aus Pappbechern in sich hinein. Da merkt Habeck, was los ist. Die Leute warten!

Er springt auf, wirft Schulze einen Blick zu, sie versteht, es geht los.

Sie laufen in die Mitte des Raumes, vorbei an einem Raumtrenner, dahinter Applaus. Schulze strahlt, Arme in die Luft: die Pose einer Siegerin. Dann verbeugt sie sich vorm Publikum. "Wartet, wartet. Bevor die erste Frage kommt, will ich noch was sagen", ruft sie. "Am Sonntagabend ist die absolute Mehrheit der CSU endlich Geschichte!"