In der Werbung für Tampons oder Binden war Blut bisher hellblau. Es tropfte wohldosiert aus einem blank polierten Glas – oder es kam einfach von oben, aus dem Nichts, und landete sanft auf Weiß.

Die Menstruation kommt in solchen Kampagnen ziemlich sauber daher, als hätte sie nichts mit dem menschlichen Körper zu tun. Mit dem Zyklus, den jede Frau auf der ganzen Welt einmal im Monat durchlebt. Der oft unangenehm, manchmal sogar schmerzhaft und alles andere als steril ist.

Der britischer Hygieneartikel-Hersteller Bodyform will genau das in einer neuen Werbung zeigen. In dem Clip dazu tropft eine blutrote Flüssigkeit in die beworbene Binde, man sieht, wie das Blut einer unter der Dusche stehenden Frau die Oberschenkel entlang läuft.

Dann ist ein junger Mann im Bild, der mit einer Packung Binden an der Drogeriekasse wartet. Und schließlich folgen Szenen einer Party, auf der jemand als Binde verkleidet fröhlich durch die Gegend hüpft:

Es ist ein Video, das irritiert  – weil es die Periode der Frau auf eine Art und Weise thematisiert und präsentiert, wie es sonst eher selten geschieht: Als etwas Normales, über das jeder ganz normal sprechen und berichten kann und das nicht erst abstrakt in irgendein Labor verlegt werden muss. 

Was ist schon so schlimm an der Wahrheit? 

Blut ist rot, Überraschung! Frauen laufen manchmal aus, dann muss der Freund im Laden um die Ecke Binden-Nachschub besorgen. Und: Die Regel kann wehtun oder auch nicht, je nachdem, wie die Frau selbst das empfindet. 

Das klingt so einfach, doch es gibt noch immer Menschen und ganze Kulturen, für die das Thema mit Scham behaftet ist. Hierzulande mag man die eigene Chefin vielleicht nur ungern laut nach einem Tampon fragen.

In Entwicklungsländern hingegen wollen ganze Völker von Menstruation nichts wissen, sie gilt als Schande, und es gibt keinen Zugang zu bezahlbaren hygienischen Produkten oder sauberem Wasser (Plan International).

Szene aus der "Bodyform"-Werbung: Ganz normales Blut?(Bild: Bodyform)

Wie wenig wir darüber sprechen, zeigen die Reaktionen, die die Kampagne bei potenziellen Abnehmerinnen des Produkts hervorruft. Auf Twitter feiern viele Frauen den Mut des Unternehmens, die Periode nicht mit Hochglanzbildern zu beschönigen: 

Ist die Menstruation nun also wirklich etwas, für das Frauen sich schämen müssen? Ist es peinlich, darüber zu reden?

Nein. Zumindest einigen Menschen ist es das nicht.

Die Künstlerin Hannah Altman etwa wurde bekannt, weil sie blutrote Glitzerpartikel in Schlüpfer kippte, um zu zeigen, wie schön und wichtig der weibliche Zyklus ist. 

Die Designerin Lili Murphy-Johnson entwarf eine Schmuck-Kollektion, die aus einem Slipeinlagen-Armreif und dunkelrot gefärbten Broschen bestand.

"Die Kollektion fokussiert sich auf etwas, das wir ständig zu verstecken versuchen", sagte Murphy-Johnson zu bento.

Langsam trauen sich Frauen, zu dem eigenen Körper und all seinen Flüssigkeiten zu stehen

Aus dem Bedürfnis nach Natürlichkeit und Akzeptanz ist eine Bewegung geworden, die weit über das Hashtag Body Positivity hinausgeht: In Italien forderten Frauenrechtler erst kürzlich ein Gesetz, das es Frauen erlaubt, während ihrer Periode extra Urlaub nehmen zu dürfen (stern). Weltweit werden Bücher verlegt, in denen Autorinnen einen offeneren Umgang mit der Menstruation fordern – in Deutschland zuletzt "Ebbe und Blut" (bento).

Es ist ein Bedürfnis, mit dem die Branche auch Geld macht – wie jetzt "Bodyform" mit seinem ungeschönten Werbefilm. 

Bei den Konsumentinnen stößt das allerdings nicht nur auf Zuspruch:

Ob der Drang, jedes Detail körperlicher Zustände für alle öffentlich sichtbar machen zu müssen, nun zu weit geht, oder keine Grenzen kennt – das muss am Ende wohl jeder für sich selbst entscheiden.


Streaming

Konzentration, bitte! "Babylon Berlin" sucht den roten Faden
Die Serie ist gleichzeitig vorhersehbar und undurchsichtig.