Wie kann man bloß immer die langen Haare in der Dusche lassen? Oder nur bei Meeresgeräuschen einschlafen? Und muss es denn wirklich jeden Tag Tiefkühlpizza sein? 

Jeder Mensch hat Macken, schon klar. Aber so richtig deutlich werden die erst, wenn wir mit dem Partner zusammenziehen. Auf einmal zeigen wir unser tiefstes Inneres. Und das nicht vor irgendwem. Sondern vor jemandem, für den wir ja eigentlich toll sein wollen. Und umgekehrt.

Deshalb überlegen viele zweimal, bevor sie zusammenziehen. So viele Fragen: Werden wir uns wohlfühlen? Stellt sich irgendwann Routine ein? Kann ich mit den Macken des anderen leben? Und kann der andere wirklich mit meinen Macken leben? 

Was sagen Paare, die trotzdem den Schritt gewagt haben?
Katharina (26) aus Berlin und Michel (26) aus Wathlingen
Katharina und Michel(Bild: privat)
Wir haben unsere Wohnung bei Sims gebaut.
Katharina und Michel

Katharina: Michel und ich wohnen erst seit drei Wochen in unserer eigenen Wohnung. Ich hatte schon Schiss vor dem Zusammenziehen. Ich dachte ich verliere mein Zuhause, meinen Zufluchtsort. Wir haben beide davor im Studentenwohnheim gelebt, nicht weit auseinander. Drei Wochen vor unserem Umzug ist Michel übergangsweise zu mir gezogen.

Michel: Wir haben mit zwei Haushalten auf zehn Quadratmetern zusammengelebt. Wenn ich aus dem Bett wollte, konnte ich nicht links oder rechts raus, sondern musste an das Fußende robben und dann aus dem Zimmer. Überall waren Schränke und alles lag durcheinander.

Natürlich, wenn man auf so engem Raum lebt, geht man sich schonmal auf den Geist.
Katharina

Katharina:  Ich war mir unsicher: wird sich das in unserer neuen Wohnung bessern? 

Michel: Ich habe eher positiv in die Zukunft geblickt und freute mich die Wohnung aufzuteilen. 

Katharina: Was geholfen hat, war, uns einen Plan von der Wohnung zu machen. Wir haben aufgezeichnet, wo was stehen sollte. 

Michel: Wir studieren beide was mit Informatik. Da lag es auch nicht fern, das Ganze mal bei Sims nachzubauen.

Katharina: Und wir haben gespielt wie wir in der Wohnung leben (lacht). 

Michel: Wir haben auch eine Regel aufgestellt: dass wenn wir uns mal streiten jeder seinen Rückzugsraum hat: Kathi das Wohn- und ich das Schlafzimmer. 

Bene (21) aus Stade und Sarah (22) aus Hamburg
Bene und Sarah
Ich bereue die Zeit aber nicht. Sie hat uns gestärkt und zu dem Paar gemacht, das wir jetzt sein können.
Sarah

Sarah: Bei uns kam alles anders als gedacht. Eigentlich waren wir nur gute Freunde, die zusammen in eine WG ziehen wollten. Ungefähr eine Woche vor dem Einzug haben wir uns dann eingestanden, dass da doch mehr ist als nur Freundschaft. Unsere Beziehung fing also in unserer Wohnung an. Das war zwar eigentlich nicht der Plan, hat aber in der ersten Zeit gut funktioniert – wir waren ja auch noch frisch verliebt. Allerdings kannten wir uns vorher ja kaum und sind uns dann gleich so intensiv begegnet.

Bene: Der Freiraum hat einfach gefehlt. Andere Paare daten sich zu Beginn, wir haben gleich unseren Alltag geteilt – und das sehr intensiv durch das Studium. Zuwendungen wurden einfach eingefordert, aber manchmal hat mein einfach keine Lust auf Nähe. 

Nach einer vierwöchigen Interrail-Reise sagte Sarah mir dann, dass sie ausziehen will. Sie würde so nicht weitermachen können. Mir ging es aber ehrlich gesagt ähnlich: Der Funke war raus. Wir haben uns nicht mehr aufeinander gefreut. Der Alltag wurde uns zum Verhängnis.

Sarah: Auch wenn es schwerfiel, den gemeinsamen Ort mit all seinen Erinnerungen nach acht Monaten aufzugeben, sind wir beide nach einer Beziehungspause in WGs gezogen. Das hat unsere Beziehung gerettet: Durch den räumlichen Abstand lief es auf einmal viel besser. Wir haben uns wieder aktiv verabredet, hatten uns viel zu sagen und haben unsere Zeit wieder richtig genossen. 

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Amelie (25) und Lennart (26) aus Bremen
Wenn man einen Putzplan braucht, dann kann man es auch gleich sein lassen.
Amelie

Lennart: Nach dem Abitur wollten wir beide nach Hamburg zum Studieren. Also warum nicht einfach zusammenziehen? Deswegen war unsere gemeinsame Wohnung auch gleichzeitig unsere erste eigene Wohnung. 

Ich glaube, das war unser Vorteil: Wir kannten es ja gar nicht alleine zu wohnen. Aber man sollte sich wirklich vertrauen und gut kennen – dann sind die Überraschungen nicht so groß. 

Amelie: Die größte Herausforderung in der ersten Zeit war diese plötzliche Verpflichtung, sich abzustimmen. Wann kommst du nach Hause? Aber das hat sich nach kurzer Zeit eingespielt. Auch dank Lennart: Er ist ein extrem kompromissbereiter Mensch. Das war ich damals zu wenig. 

Lennart: Das wichtigste ist, dass man sich mit der Zeit nicht zu selbstverständlich nimmt, nur weil der andere immer da ist. Wenn jeder seinen Alltag unabhängig von dem anderen lebt, läuft man Gefahr, plötzlich die Welt des anderen nicht mehr zu verstehen. 

Amelie: Wir versuchen deswegen ganz viel miteinander zu sprechen und auch viel außerhalb der Wohnung zu zweit zu unternehmen. Und es lohnt sich. Wir kennen uns besser denn je und heiraten jetzt sogar nächstes Jahr. 

Tim (26) und Francis (25) aus Berlin
Tim und Francis
Wir bekommen immer mehr dieses "Wir"-Gefühl
Francis

Tim: Die Zeit vor dem Zusammenziehen war stressig: wir arbeiten Beide im Schichtsystem, Sie als Köchin, ich als Industriemechaniker. Wir haben uns teilweise drei Tage nicht gesehen. 

Francis: Ich kam nach Hause, legte mich zu Tim ins Bett und er musste gleich wieder los zur Arbeit. Dann wurde vor drei Jahren die Wohnung meines Onkels frei und wir entschlossen uns zusammen zu ziehen.

Tim: Das war eine wahnsinnige Umstellung für uns — wir stritten viel in den ersten drei Monaten. Es ging vor allem darum, wer was aufräumt...

... oder die Sache mit dem Geld ...
Francis

Francis:  ... Wir haben versucht ein gemeinsames Konto zu führen, das hat aber nicht so geklappt. Es wäre dann nur auf eine Person gelaufen und war so eine Art Sparkonto. Das wollten wir nicht. 

Tim: Mittlerweile teilen wir uns die Ausgaben auf: Ich bezahle etwa Miete, Strom und Internet, Sie Einkäufe und Urlaube. 

Francis: Das Zusammenleben hat uns sehr zusammengeschweißt und wir bekommen immer mehr dieses "Wir-Gefühl". 

Tim: Mittlerweile sehen wir uns auch öfter: nun kann sie ihre Schichten auch meinen anpassen. 

Das sagt der Paartherapeut Roland Kopp-Wichmann zum gemeinsamen Wohnen:

Warum haben wir Angst vorm Zusammenziehen?

 "Man kann nicht mehr tun und lassen was man will, sondern muss sich mit dem Partner einigen – über Themen wie Finanzen, Sauberkeit, Ordnung oder Freizeit. Es ist die erste richtige Bewährungsprobe für ein Paar. 

Dazu kommt, dass man nur noch selten alleine ist. Rückzugsorte wie die eigene Wohnung verschwinden. Dadurch steht man stärker unter Beobachtung. Man erlebt sich einfach intensiver – wie im Urlaub. 

Oft haben Paare die Angst, dass die Würfel gefallen sind mit dem Umzug – dass es kein Zurück mehr gibt. Dabei hat das gar nichts mit der Beziehung zu tun, sondern man macht einen großen Schritt Richtung Erwachsensein. Das ruft ein beengendes Gefühl hervor.

Was sollte man wissen? 

 "Aus einer Liebesbeziehung wird eine alltagsfähige Beziehung. Es ist eine sehr romantische Vorstellung, ein gemeinsames Zuhause zu haben. Aber:

  1. Es kommt zu Diskussionen im Alltag. Kauft man die Eier aus Boden- oder Freilandhaltung? Wie oft putzt man die Wohnung? Das wichtigste ist hierbei die offene und ständige Kommunikation. Wenn man zusammenzieht bringt das Kompromisse mit sich, die einmal geklärt werden müssen.
  2. Die erotische Spannung nimmt ab. Aber das ist ganz normal, denn man verbringt einfach viel mehr Zeit miteinander und hat mehr Möglichkeiten zum Sex. Das bedeutet aber nicht, dass man im gleichen Zug auch mehr Sex hat, denn man hat nun einen Alltag zusammen.
  3. Man fühlt sich dem Partner gegenüber verpflichtet. Kann ich heute was mit meinen Jungs machen, wenn meine Freundin nichts vorhat? Zwei Menschen haben unterschiedliche Wünsche und Vorstellungen in einer Beziehung – das muss einmal geklärt werden, damit keiner enttäuscht ist und Frust aufkommt."


Catharina (24) aus Bremen und Severin (24) aus Starnberg
Catharina und Severin
Manchmal vermisse ich meine WG, in der meine Freunde einfach immer um mich herum waren.
Severin

Catharina: Ich hatte Angst davor, dass wir zu zweit vereinsamen und uns als Paar sehr zurückziehen. Deswegen haben wir uns beide in der ersten Zeit unglaublich viel verabredet und sind uns eigentlich nur noch zufällig in der Wohnung begegnet. Bis wir gemerkt haben, dass das eigentlich totaler Quatsch ist. Warum zieht man zusammen, wenn man sich kaum sieht? 

Severin: Obwohl wir vorher schon jede Nacht beieinander übernachtet haben, sind wir uns in den drei Monaten nochmal viel näher gekommen als in den letzten drei Jahren unserer Beziehung. Plötzlich erlebst du den anderen in allen Lebenslagen: beim Aufstehen, Putzen, Einkaufen. 


Catharina: Im ersten Monat haben wir über jede Kleinigkeit diskutiert. Severin hat zum Beispiel nie die Badematte mit gewaschen oder das Auffangsieb in der Dusche geleert. Das musste einmal hart besprochen werden, aber einmal geklärt, sind diese Themen auch gegessen. 

Severin: Und das ist ja auch gerade das Schöne am Zusammenwohnen: Wir bewältigen unser Leben zusammen, als Team. Diese Gefühl, zu wissen, dass ein Mensch jeden Tag auf dich zuhause wartet, der sich wirklich für dich interessiert, ist unbezahlbar – gerade in der Zeit, als wir beide unser Staatsexamen geschrieben haben.

Mit unserem Quiz kannst du testen, wie durchschnittlich deine Beziehung ist:

Gerechtigkeit

Angeblich gibt es jetzt eine queere Einheit in Syrien – im Kampf gegen den IS

Mitten in den Trümmern des vom Bürgerkrieg zerrissenen Syrien steht eine Gruppe von vermummten Kämpfern und hält zwei Flaggen hoch. Die eine ist pink, darauf die Silhouette eines Sturmgewehrs. Die andere ist die Regenbogenflagge, das Symbol der LGBT-Bewegung.

Das Bild soll in Rakka aufgenommen worden sein – der einstigen Hochburg des "Islamischen Staates" in Syrien. 

Jetzt steht da Syriens erste Schwul-lesbische Kampfbrigade: TQILA.