Holt schon mal die Taschentücher raus!

Bushaltestelle, Wartezimmer, Konferenz verpasst: So ein Alltag besteht selten aus großen Gefühlen. Zwischen morgens aufstehen und abends ins Bett gehen kriegen wir es gerade so hin, unser eigenes Leben zu regeln. Nicht immer schaffen wir es, auch an andere zu denken: an Mama, zum Beispiel.

Wann haben wir dieser bedeutenden Frau zum letzten Mal gesagt, was sie uns bedeutet? Wie hat sich das Verhältnis in den vergangenen Jahren entwickelt? Haben wir uns diese Fragen überhaupt schon mal gestellt

bento hat sechs Menschen mitten in ihrem Alltag getroffen. Und sie gebeten, die eigene Mutter anzurufen und ihr zu sagen, wie wichtig sie ist. "Ich habe dich lieb" – dieser Satz sollte während des Gesprächs fallen, das war unsere einzige Vorgabe

Warum? Einfach so. Weil es ein Lächeln ins Gesicht zaubert und uns den Alltagstrott kurz vergessen lässt.

Die Fotos zeigen, wie das Gespräch ablief – alle Involvierten waren einverstanden, Bilder und Teile des Gespräches hier zu zeigen. 

Hagen, 24, Doktorand Mechatronik, ruft Mama an

Nach rechts wischen, um die Fotos zu sehen.

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Mutter: Ach Hagen, ich dachte, du wolltest erst heute Abend anrufen?

Hagen: Ja, ich wollte dir nur kurz schon mal sagen, dass ich dich lieb habe.

Oh. Das ist aber schön. Das sagst du sehr selten. Ist was passiert?

Nein, nein. Es ist nichts passiert. Mich hat nur gerade jemand auf der Straße angesprochen und gefragt, ob ich bei einem kleinen Projekt mitmache.

Ach, schade. Dann meinst du es gar nicht ernst?

Doch, Mama. Natürlich habe ich dich lieb. Auch wenn ich es nicht so oft sage. 

Bist du mit deiner Freundin unterwegs?

Jule ist in der Bibliothek und muss lernen, sie hat nächste Woche Dienstag noch mal die Prüfung in Statistik, wo sie letztes Semester durchgefallen ist.

Da drück ich ihr die Daumen. Kommt ihr mal wieder nach Böblingen, wenn die Prüfungen vorbei sind?

Ich weiß nicht, vielleicht kommen wir vor unserer Balkan-Reise noch mal. Böblingen ist ja nur ein kleiner Umweg

Das wäre schön, Oma würde sich auch freuen.

Lea, 22, Tagesmutter, ruft Mama an

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Lea: Hallo Mama.

Mutter: Hallo Lea, wie gehts dir?

Ja, ähm, gut. Ich ruf eigentlich nur an, um dir zu sagen, dass ich dich sehr lieb hab.

Lea-Marie, was ist los? Bist du schwanger?

Quatsch, ich wollte das einfach nur mal sagen.

Puh, dann ist ja gut, ich hatte kurz so ein ungutes Gefühl. Kommst du gerade von Arbeit?

Ja, ich geh jetzt zu Kaufland und später zu Wenzel.

Dann grüß ihn mal schön. Ich hab dich auch lieb, mein Schatz.

Moritz, 27, leitet einen Schachverein, ruft Mama an

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Mutter: Hallo Moritz, was ist denn los, wir haben doch erst heute Vormittag telefoniert?

Moritz: Hallo Mutti, ja, ich ruf nur noch mal an, um dir zu sagen: Ich habe dich lieb.

Was hast du gesagt?

Dass ich dich lieb habe, wollte ich noch sagen.

Moritz, hast du Drogen genommen, bist du betrunken?

Nein, hab erst ein Bier getrunken!

Na, dann ist ja gut. Nicht, dass du wieder damit anfängst!


Ja, natürlich, Mutti.

Trotzdem schön. Ich habe dich auch lieb. Du kommst doch am Samstag zum Geburtstag, bringst du Louisa mit?

Sie kann nicht, sie ist über das Wochenende in Wien.

Ach ja, Louise. Sie ist so ein nettes Mädchen. Ich freu mich auf dich, zieh dir was Ordentliches an, du weißt ja, wie Oma ist.

Chantal, 25, Punk, ruft Mama an

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Mutter: Och Chantal, wie schön, dass du dich mal meldest. Wir haben ja schon so lange nichts von dir gehört.

Chantal: Ich habe dich lieb.

Uh, mein Hasenbubbel, das freut mich aber sehr. (Schluchzen) Wann kommst du denn mal wieder nach Hause? 

Ich weiß noch nicht, hab gerade viel zu tun, vielleicht in zwei, drei Monaten oder spätestens dann zu Weihnachten.

Am Wochenende kommen Oma und Opa aus Gehaus zum Grillen vorbei. Papa ist gerade viel unterwegs, er hat so viel Stress mit seinen Baustellen in Wetzlar und Frankfurt und ist unter der Woche fast gar nicht mehr zu Hause. Übrigens haben wir gerade ganz viele leckere Weintrauben hinten an der Laube. Die hast du doch immer so gerne gegessen.

Ja, stimmt, die Weintrauben. Vielleicht komme ich wirklich früher mal vorbei. Aber ich muss jetzt Schluss machen, ich muss noch mit Alfred Gassi gehen.

Das wäre so schön. Machs gut, mein Hasenbubbel.

Monia, 26, Lektorin, ruft Mama an

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Monia: Ich hab dich lieeeb.

Mutter: Das ist aber lieb. Ich dich natürlich auch!

Ich fand unser Wochenende so schön, da dachte ich, ich ruf noch mal an.

Oh. Da werde ich ganz rot. Ich hab dich lieb!

Maik, 28, Feinmechaniker, ruft Mama an

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Mutter: Ach Maik, ich habe gerade an dich gedacht.

Maik: Ich hoffe, nichts Schlimmes?

Nein, meine Uhr ist kaputt und ich dachte, du könntest sie bestimmt super reparieren.

Muss ich mir mal anschauen. Aber eigentlich wollte ich dir sagen, dass ich dich lieb habe.

Das ist aber schön. Ich dich auch, Maik.

Ich sag das einfach viel zu selten.

Meine Augen werden ganz feucht. 


Ich bin gerade in der Stadt, um ein Geschenk für Daniel zu kaufen. Nächste Woche ist doch unser Jahrestag.

Das ist schön. Ach, ich hab dich auch lieb, mein Schatz. 


Alle Fotos: Felix Adler. Besuche ihn hier auf Instagram oder auf seiner Website, um mehr über seine Arbeit zu erfahren.


Gerechtigkeit

Schottischer Bezirk bekämpft Armut – mit kostenlosen Tampons und Binden
Die Aktion in drei Zitaten

Die Periode ist schmerzhaft und unangenehm. Man ist meist einfach froh, wenn sie vorbei ist. Noch schlimmer wird sie allerdings durch die Preise für Tampons und Binden. Die sind häufig so hoch, dass sich einige Frauen gar keine Hygieneprodukte leisten können – und manche stattdessen sogar auf alte Zeitungen und Klamotten zurückgreifen, wie eine Umfrage in Schottland zeigte (The Guardian). 

Daran will der schottische Bezirk North Ayrshire Council etwas ändern. Deshalb gibt es dort jetzt in mehr als 100 öffentlichen Gebäuden Automaten mit Tampons und Binden – umsonst. (BBC)