Bild: Unsplash/Justin Follis

Für viele Paare ist das Zusammenleben in einer gemeinsamen Wohnung eine romantische Vorstellung: Jeden Morgen nebeneinander aufwachen, jeden Abend nebeneinander einschlafen, zusammen kochen und Möbel aussuchen. 

Aber was, wenn man feststellt, dass das Zusammenwohnen einfach gar nicht funktioniert? Darf man wieder auseinanderziehen? Muss man gleich auch die Beziehung beenden? 

Diese zwei Paare sind trotz räumlicher Trennung zusammen geblieben. Aber wie haben sie das geschafft?

Wir haben mit den beiden Frauen darüber gesprochen, woran es beim Zusammenwohnen scheiterte und wie sich die Beziehung danach verändert hat. Außerdem erklärt eine Paartherapeutin wie sie mit solchen Situationen umgeht und wie sie den Patienten hilft.

Laura, 30, und ihr Freund, 29, sind seit viereinhalb Jahren ein Paar und haben zwei Kinder.

Erst wollte ich nicht, dass er bei mir einzieht. Aus Liebe zu ihm habe ich meine Meinung allerdings geändert. Er hat damals noch bei seiner Mutter gewohnt. Ich habe mich gefragt: Wie soll man mit jemandem zusammenwohnen, der nicht weiß, was es heißt, nur eine Bananenkiste zum Sitzen und eine einizige Kochplatte als Herd in seiner Einzimmerwohnung zu haben? Das prägt. Man lernt, selbstständig zu sein. Ich bin mit 19 von zu Hause ausgezogen und hatte einfach nichts.

Trotzdem fühlte es sich schön an, nebeneinander einzuschlafen und aufzuwachen. In den guten Momenten haben wir uns bewusst Zeit füreinander genommen, Videospiele gespielt, die Kinder bespaßt. Aber die Organisation des gemeinsamen Haushaltes hat einfach gar nicht funktioniert. Es ging um banale Dinge, ich habe mich trotzdem aufgeregt: Mein Duschgel war ständig leer, das dreckige Geschirr stand auf der Spülmaschine, Socken lagen unterm Wohnzimmertisch – da bin ich ausgerastet. 

„Diese ganz vielen kleinen Dinge bauschen sich zu einem großen Chaos auf.“

Irgendwann waren wir dann mit unseren Kindern im Urlaub und haben gemeinsam beschlossen, dass wir auseinanderziehen. Es lief zu der Zeit echt schlecht, wir haben uns nur noch gestritten, die Trennung stand kurz bevor. Wir haben uns hingesetzt und überlegt, wie es weitergehen kann. 

Ich habe meinem Freund gesagt, dass ich eine Trennung ganz schrecklich fände. Wir haben schnell gemerkt, dass wir uns noch mögen, nur eben das Zusammenleben nicht klappt. Da hatte sich viel aufgestaut. Den Problemfaktor "gemeinsamer Haushalt" haben wir dann aus unserem Leben gestrichen.  

„Zwischen Partnerschaft, Zusammenwohnen und völlig getrennte Wege gehen, muss es doch noch ein Dazwischen geben.“

Das klingt im ersten Moment einfach, es hat dennoch viele Tränen und Streitereien gegeben. Ich kenne niemanden, der auseinandergezogen und trotzdem zusammen geblieben ist. Einerseits hatten wir eine Lösung gefunden, ohne uns zu trennen. Andererseits hatten wir Zukunftsangst. Der größte Teil der Gesellschaft denkt bestimmt, dass wir völlig verrückt sind. Weil eine Beziehung auf Distanz – vor allem mit Kindern – angeblich nicht funktioniert. 

Ich habe auch keine Ahnung, wie dieses Experiment ausgeht. Es ist sicherlich die härteste Probe für eine Beziehung. Ich bin oft schlecht drauf, verunsichert, aber ich glaube fest dran, dass wir es schaffen. Meinem Freund geht es ähnlich: An manchen Tagen sagt er, dass es ein Fehler war, an anderen hält er es für genau den richtigen Schritt. 

Wir merken, wir wir uns wieder näher kommen. Jetzt suchen wir gemeinsam Möbel für unsere jeweiligen Wohnungen aus, die trotzdem uns beiden gefallen. Ich lerne meinen Partner noch einmal ganz neu kennen – seinen Geschmack und was ihm wichtig ist, wenn er auf sich alleine gestellt ist.

Unsere Kinder leben bei mir, weil ich halbtags arbeite. Er arbeitet in der Nähe, wir sehen uns mehrmals die Woche. Ob wir noch einmal zusammenziehen, lassen wir offen. Wir versuchen es jetzt so und wenn es die Beziehung weiterhin stärkt, dann ziehen wir das auch noch die nächsten zehn Jahre durch.

„Diesen Weg wollen oder können viele andere nicht gehen. Ich hoffe trotzdem, dass wir damit glücklich werden.“

Chrissy, 21, und ihr Freund, 23, sind seit zwei Jahren zusammen. Nach ein paar Monaten zogen sie in eine gemeinsame Wohnung, nachdem er schon täglich bei ihr schlief.

Er verbrachte jeden Abend bei mir, seit unserem ersten Tag als Paar. Von meiner Wohnung aus war der Weg zur Arbeit für ihn kürzer. Immer mehr Kram von ihm sammelte sich über die Monate bei mir an. Irgendwann wollten wir ein bisschen mehr Privatsphäre, da sich die Wohnung im Haus meiner Eltern befand. Wir haben uns dann gemeinsam etwas Neues gesucht.

Bislang hatte ich die Miete alleine bezahlt, auch deshalb fand ich es gut, endlich einen gemeinsamen Mietvertrag zu haben. Eigentlich finde ich, sollte man sich mit dem Zusammenziehen Zeit lassen. Aber es passte damals einfach. Möbel zu kaufen hat besonders Spaß gemacht. Wir gehen allgemein gerne zusammen einkaufen. 

Es fühlte sich auch gut an, abends nach Hause zu kommen, die Füße hochzulegen und auf den Fernseher zu starren. Manchmal braucht es ja nicht mehr, um gemeinsam glücklich zu sein. Wir haben uns oft gesagt, dass wir die Nähe des anderen sehr genießen.

„Beim Einrichten der Wohnung waren wir uns noch einig, aber einen Monat später haben wir uns nur genervt.“

Aber schnell war klar: Wir sind sehr unterschiedliche Menschen: Ich bin chaotisch, er räumt viel auf – es hat geknallt.

Von unserer gemeinsamen Wohnung aus bin ich jeden Tag eineinhalb Stunden nach Leipzig zur Arbeit gependelt. Irgendwann kam mir die Idee: Ich habe ihm gesagt, dass ich nach Leipzig in eine günstigere Wohnung ziehen möchte. Ich hatte Angst, dass er sich dann auch direkt von mir trennen will. Aber er empfand es nicht als Problem. 

Also ist er wieder im Haus meiner Eltern eingezogen und ich in eine neue Wohnung. Nach meinem Auszug habe ich ihn ganz schlimm vermisst, das war furchtbar.

„Ich habe abends im Bett gelegen und geheult.“

Wir haben dann telefoniert, bis einer eingeschlafen ist. Irgendwann habe ich mich dran gewöhnt. Ich wohne jetzt alleine mit meinen zwei Hunden – das ist für mich und die Tiere am besten. Jetzt muss ich nicht mehr Rücksicht nehmen, wie ich mich einrichte und wie ich wohne.

Dass ich weg bin, darüber hat er sich nie beschwert. Er ist froh, dass er seine Ordnung hat und ich eben mein Chaos. Außerdem freuen wir uns jetzt viel mehr auf das Wiedersehen am Wochenende. Wir sind zufriedener als vorher. Klar, schläft man abends nicht mehr kuschelnd ein, aber sonst hat sich für uns nicht viel verändert.

Dass wir nochmal zusammenziehen, ist erstmal kein Thema. Falls wir irgendwann Kinder bekommen, sollte man darüber nachdenken. Ich habe letztens gescherzt, dass ich ja wieder bei ihm einziehen könne. Er hat nur gelacht und "Nein" gesagt. 

Micaela Peter, 50, hat seit fast 20 Jahren eine eigene Praxis für Paartherapie in Hamburg. Sie erklärt uns, warum es nicht schlecht sein muss, wenn Paare wieder auseinander ziehen.

Wann empfehlen Sie Paaren auseinanderzuziehen?

Beispielsweise wenn es um ewige Konflikte geht, die sich durch Kompromisse nicht ändern lassen – unterschiedliche Schlafgewohnheiten oder andere Hygienevorstellungen. Wenn unvereinbare Dinge aufeinander treffen, die im Alltag zu ständigen Problemen führen. Wenn einer von beiden einen Auszug als Lösungsvorschlag nennt, kann man das bestärken und sich die Alternative gemeinsam anschauen. Der Therapeut empfiehlt nie von alleine diese mögliche Lösung.

Viele haben Angst vor diesem Schritt. Sie denken, wer auseinanderzieht, kann sich doch auch gleich trennen. Meine Erfahrung ist: Es kann auch ein Gewinn sein.

Woran liegt es, dass diese Lösung nicht alltäglicher ist?

Es handelt sich um ein kulturelles Problem und falsche Vorstellungen von Normalität und Außergewöhnlichem. Diejenigen, die zu mir kommen, kennen das weder aus ihrer Familie noch von anderen Paaren. Das versunsichert Paare, sie haben Angst vor den Reaktionen aus ihrem Umfeld. Meine Aufgabe ist es, sie darin zu unterstützen, selbstbewusst ihren Weg zu gehen. Sie müssen sich immer wieder bewusst machen, dass sie eine kluge und souveräne Entscheidung getroffen haben. 

Wie können Sie diese Ängste nehmen?

Es gibt berechtigte und sogenannte irrationale Ängste. Irrational ist zum Beispiel die Angst davor, alleine nicht zurecht zu kommen. Das ist eine fast kindliche Angst – ein Erwachsener kann alleine zurecht kommen.

Es gibt auch rationale Ängste, wenn ein Partner wegen der Trennung um seine Existenz fürchten muss. Das trifft oft Frauen, die zugunsten ihrer Kinder auf die Karriere verzichtet haben und ohne Ehevertrag aufgeschmissen sind.

Man reflektiert die Angst, schaut wie realistisch es ist, dass sie eintritt und entscheidet dann, was man dagegen tun kann.

Wie geht es Paaren, die wieder auseinandergezogen sind?

Viele berichten davon, wieder aufgeregt zu sein, sich aufeinander zu freuen. Es bringt Frische in die Beziehung, wenn man sich wieder miteinander verabreden muss und nicht aneinander vorbeilebt.

Ich weiß aber nicht, wie es den Paaren langfristig geht. Wenn die Paare sich gut fühlen, endet in der Regel auch meine Arbeit. Statistisch gesehen trennen sich etwa 60 Prozent nach einem Auszug. Meine Vermutung ist aber, dass es sich um Paare handelt, bei denen nur einer von beiden den Auszug will. Sehen beide das als gute Lösungmöglichkeit, bleiben sie auch langfristig eher zusammen.


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