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Entscheidungen wägen wir sorgfältig ab, einem Scharlatan würden wir niemals glauben und Menschen in Not helfen wir natürlich sofort – zumindest reden wir uns das ein.

Die Wahrheit ist: Unser Unterbewusstsein ist ein mieser Verräter.

Während wir nämlich glauben, unser Verhalten willentlich steuern zu können, manipuliert uns unser Gehirn. Und zwar andauernd.

Wie wenig Einfluss wir tatsächlich auf unsere Emotionen und Entscheidungen haben, zeigt die Kölnerin Svenja Eisenbraun. Für das Buch "Lexikon des Unterbewussten" – der Prototyp war ihre Bachelorarbeit – erforschte die Kommunikationsdesignerin das Innere der menschlichen Psyche. Sie sammelte die skurrilsten Erkenntnisse, wissenschaftliche Experimente, zahlreiche Geschichten und Anekdoten, die wir selbst so oder in ähnlicher Form auch schon erlebt haben. Die Ergebnisse erklärt sie leicht und verständlich mit eigenen Illustrationen.

Und so sieht das Buch aus:
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"Wir alle gehen davon aus, dass wir die Welt so sehen, wie sie tatsächlich ist. Dabei verfangen wir uns täglich in Selbsttäuschungen und sind dem Eigenleben unseres Gehirns ausgeliefert", sagt Svenja Eisenbraun.

Ein Beispiel: der "Spotlight-Effekt".

Es kommt uns so vor, als ob unsere Mitmenschen genau darauf achten, wie wir aussehen und was wir tun. Die Wahrheit ist allerdings: Solange sie keinen Anlass dazu haben, achten andere Menschen nicht besonders auf uns.

In ihrem Buch greift Svenja Eisenbraun auf das T-Shirt-Experiment zurück. Dabei ließen Forscher Menschen mit grässlichen Prints auf der Kleidung einen gut gefüllten Raum betreten. Die Probanden vermuteten, dass mindestens 50 Prozent der Leute das auffällige T-Shirt bemerken und sich lustig machen. Tatsächlich schauten aber nur 20 Prozent genauer hin. Dem Rest war die Kleidung anderer Leute schlichtweg egal.

"Menschen unterschätzen ihre eigene Unauffälligkeit", sagt Svenja. Was erst mal hart klingt, hat auch Vorteile: Niemand interessiert sich wirklich für den Kaffeefleck auf der Bluse oder den Dreckklumpen an den Schuhen.

Ein weiteres unterbewusstes Phänomen: der "Zuschauereffekt".

Wer würde nicht von sich behaupten, einem Menschen in Not zu helfen? Auch falsch. In Wahrheit neigen Menschen dazu, erst mal nur zu schauen. Gerade dann, wenn etliche andere auch zuschauen. In einer anonymen Menge empfinden die meisten Menschen kein Verantwortungsbewusstsein. Einem Unfallopfer auf einer einsameren Landstraße würden wir eher helfen als einer gestürzten Oma in der dicht gedrängten Fußgängerzone.

Warum man das Buch unbedingt lesen sollte:

Svenja Eisenbraun beschäftigt sich mit den kleinen Details im Alltag. Sie schaut hin, wo wir schon längst den Autopilot anknipsen. Sie schafft es, auch komplexe wissenschaftliche Sachverhalte leicht verständlich aufzuschreiben und zu visualisieren. Und: Es kann im Alltag äußerst nützlich sein zu wissen, wir wir uns täuschen und manipulieren lassen.

Die Autorin selbst sagt, sie habe bei der Recherche einiges über sich gelernt. Lange hielt sie es für logisch, nach einem Streit ordentlich Dampf abzulassen. Seit sie weiß, dass chemische Botenstoffe dazu führen, dass man anschließend nur noch wütender ist, trinkt sie lieber einen Tee. Und wartet.


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Pegida-Verbot: Dresden erklärt Lutz Bachmann für nicht demo-fähig

Pegida-Chef Lutz Bachmann darf keine Pegida-Demos mehr organisieren. Das hat ihm die Stadt Dresden verboten – für die kommenden fünf Jahre. Konkret hat Bachmann am Montag einen Bescheid erhalten, der ihm untersagt, bis zum 31. Oktober 2021 als Versammlungsleiter bei Demonstrationen zu fungieren.

Das bestätigte ein Sprecher der Dresdner Stadtverwaltung bento am Dienstag. Zuvor hatte auch Bachmann selbst auf der Montagsdemo der fremdenfeindlichen Pegida-Demo von dem Verbot gesprochen ("Berliner Zeitung"). Neben Bachmann wurde auch sein Vize Siegfried Däbritz gesperrt.