Als Paar teilt man Sorgen und Wünsche, Bett und Esstisch, man ist erster Ansprechpartner und ständiger Ratgeber – kein Zweifel, dass das mit der Zeit Spuren hinterlässt. Was macht es mit dem "Ich", wenn es Teil eines "Wir" wird? 

Drei junge Paare haben bento erzählt, wie sie sich im Lauf ihrer Beziehung verändert haben: innerlich und äußerlich.

Fatih und Sibel (beide 29):

Sibel und Fatih 2009, bevor sie ein Paar wurden – und heute, schwanger mit ihrem zweiten Kind.

(Bild: Privat/Annika Krause)

Fatih: Wir haben uns vor neun Jahren durch gemeinsame Freunde kennengelernt. Als ich sie zum ersten Mal sah, wusste ich direkt, dass ich Sibel einmal heiraten möchte – und nun sind wir tatsächlich seit fünf Jahren verheiratet, haben einen dreijährigen Sohn, und gerade ist Sibel wieder schwanger, mit unserer Tochter.

Ich war früher sehr schüchtern, Sibel hat mir gezeigt, dass es dafür keinen Grund gibt. Mittlerweile kann ich offen auf fremde Menschen zugehen und habe mehr Selbstbewusstsein. Optisch habe ich mich insofern verändert, als dass ich 20 Kilo zugenommen habe. Ich denke schon, dass das mit unserer Beziehung zusammenhängt, weil es mir einfach nicht mehr so wichtig ist. Ich verbringe lieber Zeit mit meiner Familie, als ins Fitnessstudio zu gehen. Mich stört es nicht so sehr, und auch Sibel sagt, dass ich früher etwas zu dünn war, jetzt bin ich einfach kräftiger. Außerdem habe ich nun lange Haare, insgesamt gefalle ich mir heute besser als früher.

Sibel: Fatih ist empathischer geworden, früher hatte er manchmal Schwierigkeiten, meine Gefühle nachzuvollziehen. Anfangs war ich sehr stur, und Fatih musste immer nachgeben, mittlerweile haben wir einen guten Mittelweg gefunden und führen eine gleichberechtigte Beziehung. Ich schaffe es jetzt, ruhiger zu bleiben, und rege mich nicht mehr so schnell auf. Wir haben uns also gegenseitig positiv erzogen und unterstützen uns dabei, an uns selbst zu arbeiten. Wir sind sehr glücklich, und ich denke, wir sind gemeinsam in der Beziehung reifer geworden.

Markus (24) und Rodin (29): 

Markus und Rodin jeweils 2016 als Singles und heute als Paar.

(Bild: Privat/Annika Krause)

Markus: Wir sind seit Oktober 2016 ein Paar, seit dem letzten Jahr wohnen wir zusammen. Dadurch ist unsere Beziehung nochmal enger geworden, und wir lernen, gegenseitig Rücksicht aufeinander zu nehmen und uns abzusprechen, wenn wir uns verabreden oder jemanden einladen. Wir haben einen gemeinsamen Freundeskreis, aber trotzdem auch jeweils einen getrennten. Mir ist es wichtig, dass wir eine gewisse Selbstständigkeit bewahren. 

Meine Freunde und Familie sagen mir, dass ich durch die Beziehung selbstbewusster und erwachsener geworden bin. Aber ich bin natürlich auch einfach älter geworden. Ich denke auf jeden Fall, dass ich durch Rodin gelernt habe, geduldiger zu sein, weil er viel ruhiger ist als ich.  

Rodin: Letztens hat mich eine Freundin darauf aufmerksam gemacht, dass ich ständig "wir" statt "ich" sagen würde. Früher habe ich mich immer über diese Leute lustig gemacht, und anscheinend gehöre ich jetzt selbst dazu – aber ich möchte das nicht übertreiben, denn eigentlich ist es nervig. Ich möchte keine Symbiose eingehen, wir beide haben Freiheitsdrang.

Ich glaube, wir haben gegenseitig die Mimik und Gestik voneinander angenommen. Natürlich sind wir noch eigenständige Personen, aber bestimmte Bewegungen und Redewendungen benutzen wir nun einfach beide.

Jule und Roman (beide 18):

Jule und Roman – einmal 2016 am Anfang ihrer Beziehung und heute, drei Jahre später.

(Bild: Privat/Annika Krause)

Jule: Roman und ich waren in einer Stufe, dieses Jahr haben wir Abi gemacht, seit drei Jahren sind wir jetzt ein Paar. Während der Schulzeit haben wir uns ganz automatisch jeden Tag gesehen, was schön, aber auch anstrengend war. Außerhalb der Schule sehen wir uns zwei-, dreimal pro Woche. 

Ich fühle mich sicherer mit Roman. Er beruhigt mich, wenn ich mich aufrege, und kennt meine Macken. Es tut gut, jemanden zu haben, der mich respektiert, wie ich bin. Auch in der Schule konnten wir uns gegenseitig unterstützen.

Ich möchte in Bochum Jura studieren, deshalb werde ich wahrscheinlich umziehen. Roman macht ein FSJ und bleibt zu Hause. Wir müssen schauen, wie es weitergeht mit uns. Zwei Wochen sind die längste Zeit, die wir uns nicht gesehen haben während der Beziehung – das wird jetzt auf jeden Fall anders.

Roman: Ich bin selbstbewusster geworden durch unsere Beziehung. Ich traue mich eher, auf fremde Menschen zuzugehen, weil ich weiß, dass ich den Rückhalt von Jule habe.

Bei Jule finde ich, dass ihr Style viel besser geworden ist. Früher hatte sie schlichte, sportliche Klamotten an und ihre Haare meist im Zopf, jetzt trägt ihr Haar meist offen und traut sich mehr. Wir gehen oft zusammen shoppen, wobei wir uns natürlich gegenseitig beeinflussen. Ich bin in den letzten drei Jahren bestimmt noch fünf Zentimeter gewachsen und meine Statur ist breiter geworden, ich habe Bart bekommen – wir sind halt beide erwachsener geworden.


Future

Bargeld verstecken? Warum junge Menschen zu Hause Geld bunkern

Nur Bares ist Wahres? Quatsch! Wir bezahlen Kaugummi im Supermarkt mit Karte, überweisen Freunden Geld via PayPal und wissen: Der Notfall, für den wir richtig viel Bargeld sofort benötigen, wird vermutlich nie eintreten. Und trotzdem bunkern wir größere Mengen an Bargeld zu Hause – unter der Matratze und zwischen Bücherseiten im Regal.

Die Deutschen erhöhten im ersten Quartal 2019 ihre Bestände an Bargeld in Milliardenhöhe, teilte die Deutsche Bundesbank in der vergangenen Woche mit. Ende März hatten sie 244 Milliarden Euro in Bargeld zur Verfügung. Das sind 23,4 Prozent mehr Bargeld als noch im ersten Quartal 2018. In absoluten Zahlen macht das 17,7 Milliarden aus.

Und es ist nicht nur die Oma, die ihr Erspartes in der Keksdose aufbewahrt. Auch viele junge Menschen, die in der digitalen Welt aufgewachsen sind, horten Bargeld. Davon haben sie uns erzählt.

Warum wird auch im digitalen Zeitalter noch Bargeld zu Hause gehortet, und woher kommt diese Angewohnheit?

Klaus Kraemer ist Professor für Wirtschaftssoziologie an der Uni Graz und beschäftigt sich mit der Soziologie des Geldes. Er sagt, dass einige Menschen das Gefühl hätten, einen besseren Überblick über ihre Finanzen zu haben, wenn die Euros als Bargeld zu Hause lägen. Misstrauen gegenüber Banken könne auch ein Grund sein. "Ich kann bezahlen, auch wenn die Bank geschlossen oder pleite ist, und ich kann zahlen oder Geld verschenken, ohne dass ich dabei Datenspuren hinterlasse", sagt Kraemer. Bargeldloses Bezahlen mit einer App würde beliebter, aber während einer Finanzkrise könne sich das schnell ändern, vermutet er. Dann wolle man sich eher nicht an solche Zahlungssysteme binden und lieber selbst über sein Geld verfügen.

Kraemer sieht noch mehrere Gründe: "Unsere Vermutung ist, dass man sich das Verhalten abschaut." Sprich: Die Eltern horten Bargeld zu Hause, also übernehmen wir als Kinder das auch. Geld sei nicht nur ein Zahlungsmittel, sondern eingebettet in bestimmte kulturelle und soziale Praktiken. Man lerne den Umgang mit Geld von klein auf. "Was man immer schon so gemacht hat, hinterfragt man nicht und setzt es fort."

In einem Forschungsprojekt fanden Kraemer und sein Team heraus, dass die große Mehrheit der Befragten nicht weiß, wie unser Geldsystem funktioniert. "Geldmythen sind in der gesamten Gesellschaft weit verbreitet", so Kraemer. Die Menschen glaubten, dass Geld einfach durch das Drucken entstehe, und dass Kredite durch Bargeld, das irgendwo lagert, gedeckt sei. Ob diese Unwissenheit und der Wunsch nach Bargeldbesitz zusammenhingen, kann Kraemer nicht mit Sicherheit sagen.

Wir haben mit zwei jungen Menschen gesprochen, die viel Bargeld zu Hause aufbewahren, und sie gefragt, warum sie das tun.

Konstantin, 23, versteckt Geld von seinen Eltern in Büchern und Küchenschränken