Tamara, 26, fragt:

Ich habe nach meinem Abitur in mehreren Städten studiert und Praktika gemacht. Dabei habe ich viele tolle Menschen kennengelernt, die zu engen Freunden wurden. Sie haben mich manchmal über Monate, manche über Jahre begleitet. Sie waren mir zeitweise näher als meine Familie oder mein bester Freund aus der Heimat – einfach, weil diese Menschen viel intensiver an meinem Alltag teilnahmen. So ging es mir mit Maria in Freiburg, mit Laura in München, mit Johannes und Max in Leipzig, mit Sofia in Hamburg.

Hilfe!

Jeder hat mal Angst und Stress. Jeder fühlt sich mal hilflos, machtlos, überfordert. Wenn Freunde, Eltern oder Geschwister nicht weiterhelfen können, wollen oder sollen – dann melde dich bei uns. Die Psychologin Kathrin Hoffmann beantwortet in der Serie Über-Ich für bento ausgewählte Fragen, die wir anschließend veröffentlichen. Dabei ändern wir selbstverständlich alle Namen von Betroffenen.

Ich möchte den Kontakt zu ihnen gerne aufrechterhalten und sie auch treffen. Aber mittlerweile habe ich einen Vollzeitjob in Köln, da bleibt nur das Wochenende, um sie zu sehen. Da möchte ich allerdings auch Zeit mit meinem Freund verbringen und mit meinen Freunden vor Ort. 

Ich versuche, per Whatsapp oder Facetime den Kontakt zu halten. Aber das klappt nicht wirklich gut. Häufig fallen mir die ungehörten Sprachnachrichten erst wieder ein, wenn ich abends im Bett liege. Wie schaffe ich es, Fernfreundschaften richtig zu pflegen?

Unsere Psychologin Kathrin Hoffmann antwortet:

Liebe Tamara,

ich finde es sehr bewundernswert, dass du so viel daran setzt, deine Fernfreundschaften aufrechtzuerhalten und dir nicht einfach denkst: Aus den Augen, aus dem Sinn. Es zeigt, dass dir diese Menschen wirklich ans Herz gewachsen sind und sie auch in dir eine gute Freundin gefunden haben. Sehr verständlich, dass du sie nicht verlieren möchtest. 

Doch gleichzeitig merkst du auch, dass dein Alltag mit Vollzeitjob, Partner und Freunden vor Ort schon so viel Zeit in Anspruch nehmen, dass es dir schwer fällt, mit allen anderen Freunden regelmäßig in Kontakt zu bleiben. Man spürt regelrecht deine Zerissenheit.

Und so praktisch und nützlich Whatsapp oder andere Apps für die Pflege von Fernfreundschaften sind, so kann es doch auch in Stress ausarten, wenn du das Gefühl hast, immer sofort auf Nachrichten antworten zu müssen. 

Ich denke, du solltest zunächst einmal deine Ansprüche an dich selbst und deine Fernfreunde hinterfragen. 

  • Wie häufig schreiben ist realistisch, ab wann wird es stressig? 
  • Wie detailliert willst du über deinen Alltag berichten? 
  • Müssen die Fernfreunde ständig über alles Bescheid wissen oder reicht es auch, alle paar Wochen etwas länger zu telefonieren? 
  • Wie viele Treffen pro Jahr sind machbar? 
  • Kannst du zu einem Treffen mehrere deiner Fernfreunde zusammen einladen? 
  • Wen kannst du mal zu dir einladen? 
  • Wäre ein gemeinsamer (Kurz-)Urlaub mit ein paar deiner Fernfreunde gemeinsam denkbar? 
  • Wie könntest du deine Freunde vor Ort und deinen Partner miteinbeziehen?

Es könnte sinnvoll sein, mit deinen Fernfreunden darüber zu sprechen, welche Erwartungen ihr jeweils an eure Freundschaft habt. So nehmt ihr etwas Druck aus der Sache, indem ihr euch "erlaubt", euch auch mal eine Weile nicht zu hören, ohne damit gleich die Freundschaft zu gefährden.

Auch wenn es schwer fällt, wirst du annehmen müssen, dass sich Beziehungen über die Zeit hinweg verändern und deine alten Freundschaften nicht mehr so intensiv sein können wie damals. Mit manchen wirst du mehr in Kontakt bleiben, mit manchen weniger, und manche wirst du vielleicht mit der Zeit ganz aus den Augen verlieren. 

Das ist zwar schade und traurig, gehört aber auch zum Leben dazu. Der Anspruch, mit allen Fernfreunden für immer in intensiven Kontakt zu bleiben, ist definitiv zu hoch. Du kannst dir Mühe geben, solltest aber nicht das Gefühl haben, ständig etwas zu müssen – das würde weder dir, noch deinen Freundschaften gut tun.

Alles Gute für dich!

Deine Kathrin

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