Bild: Unsplash, Pixabay; Montage: bento

Sorry, ich schaffe es leider heute nicht. Aber euch trotzdem ganz viel Spaß. 

Ein Satz, den wir alle kennen, über WhatsApp erhalten, aber hin und wieder auch gern selbst eintippen. Ein Satz, der Unverbindlichkeit bedeutet. 

Ich bin durchgehend erreichbar und flexibel. Es ist normal geworden, dass ich konstant zehn offene Chats habe. Sind diese beantwortet, fühlt es sich an, als hätte ich Hausaufgaben erledigt. Messenger Apps wie Facebook und WhatsApp sind nicht mehr von meinem Smartphone wegzudenken. 

Doch genau das wird mir manchmal zum Verhängnis. Kurzfristige Planänderungen und spontane Absagen: Ob im Einzelchat oder in Gruppen, Verabredungen sind so kompliziert und doch so unverbindlich wie gefühlt noch nie zuvor.

Und ich bin ein Teil dieser Absage- und Ausweichkultur. Auf lang vereinbarte Verabredungen habe ich oft plötzlich keine Lust mehr, oder will lieber etwas anderes machen. Verabredungen engen mich immer wieder ein – und ich überlege: Wie komme ich da wieder raus? Meistens sage ich dann ab. Kurz vorher fällt das zwar schwer, aber meine vermeintlichen Gründe besiegen oft das schlechte Gewissen.

Zuletzt habe ich das in diesen zwei Situationen beobachtet: 

Montagabend. Ich sitze auf der Couch und schaue "Pretty Little Liars". Zum Einkaufen bin ich zu faul, der Montag war einfach wie immer – viel zu anstrengend. Ich schaue auf mein Handy und sehe eine Nachricht von einer guten Freundin: "Wir haben uns viel zu lange nicht gesehen! Was hältst du von Drinks am Freitag?" Ich freue mich und sage direkt zu.

Am Donnerstag lädt mich dann ein guter Freund zu seiner Geburtstagsparty am Freitag ein. Ich öffne die Nachricht, will eine Absage eintippen, weil: Ich bin ja schon verabredet. 

Doch irgendetwas in mir wehrt sich dagegen. Eigentlich habe ich mehr Lust auf den Geburtstag als auf die Verabredung. Stunde für Stunde vergeht. Ich weiß nicht, was ich schreiben soll und sitze meine Lage aus. Warum verabrede ich mir nur immer schon am Anfang der Woche? 

Freitagmorgen: Ich sitze in der U-Bahn auf dem Weg zur Arbeit und mache meine Verabredung rückgängig: "Meine Liebe, es tut mir total Leid, aber ich habe das Familientreffen bei meiner Oma verschwitzt. Da muss ich heute hin." Familienausreden gehen immer.

Du willst herausfinden, welcher Typ Freund du bist? Mach unser Quiz: 
Ein Freund aus dem Studium lädt auf Facebook zu seiner Einweihungsfeier ein. Ich sehe die Einladung und drücke auf "Vielleicht". Wer weiß, was noch so kommt an möglichen Events, auf die ich auch gehen könnte. Später fragt mich eine Freundin, ob wir am Sonntag etwas kochen wollen. Eigentlich schön, aber was ist, wenn ich von Samstag noch verkatert sein werde? 

Ich schreibe: "Lass uns am Wochenende noch mal schnacken." Schön unverbindlich bleiben. Am Tag der Einweihungsparty sehe ich bei Facebook, dass von meinen anderen Freunden kaum einer zugesagt hat. Wenn das so ist, dann will ich auch nicht mehr hin. Aber ist ja halb so schlimm, ich treffe mich ja Sonntag zum Kochen. Am Sonntagmorgen fällt mir ein: Weder habe ich mich bei der Freundin noch einmal gemeldet, noch haben wir eingekauft. Ich tippe: "Wollen wir einfach etwas essen gehen?" Und sie antwortet: "Sorry, du hast dich nicht mehr gemeldet, deswegen schlafe ich heute bei meinem Freund."

So was passiert mir ständig. Aber warum stehen wir uns so oft selbst im Weg?
Autorin Jasmina Rust am Smartphone
Das habe ich Friedemann Schulz von Thun gefragt, Psychologe und Kommunikationswissenschaftler:
Warum sagen wir immer häufiger Verabredungen kurzfristig ab? 

"Wir wollen etwas unternehmen, das mit unserer inneren Verfassung übereinstimmt. Wenn ich einen Tag hinter mir habe, an dem ich sehr viel kommuniziert habe, kann es sein, dass ich für einen geselligen Abend nicht mehr der Richtige bin. 

Leider ist es bei einer Verabredung oft schwer vorauszusehen, wie mir in zwei oder zwölf Tagen zumute sein wird. Vielleicht habe ich Kopfschmerzen, wenn es soweit ist. Soll ich mich trotzdem hinschleppen? Wir sollten in diesem Phänomen eher das Menschliche entdecken, als das Verwerfliche beklagen." 


Haben Messenger-Apps denn tatsächlich zur Folge, dass wir unverbindlicher werden?

"Sind wir verabredet, wollen das aber eigentlich nicht mehr, beginnt ein Abwägungsprozess: Gut, wenn ich mich zur Verbindlichkeit verpflichtet fühle – aber auch gut, wenn ich mir unter Umständen die Freiheit nehmen kann, mich wieder zu entbinden. Apps wie WhatsApp senken die Schwelle zur Absage. Denn immerhin weiß der andere gleich Bescheid und muss nicht zwischen Hoffen und Bangen warten und im Unklaren bleiben."

Mehr dazu hier:

Warum drücken wir so gern auf "Vielleicht"? 

"Wahrscheinlich steckt die Angst dahinter, etwas zu verpassen. Wenn diese Angst bei jemandem groß und ständig wird, sollte er sich dem Problem lebensphilosophisch stellen. Aber die Angst wird auch geschürt in dieser Welt der tausendfachen Optionen."

„Wenn früher im Dorf ein Feuerwehrball stattgefunden hat, dann war es klar, wo man an diesem Tag hingehörte.“
Friedemann Schulz Von Thun
Wie kann ich wieder verbindlicher und zuverlässiger werden? 

"Wir sollten ein stimmiges Gefühl für die Gesamtsituation entwickeln. Wenn meine Freundin eine Geburtstagsfeier ausrichtet und für ihre Freunde die Feier und ein Essen liebevoll vorbereitet, dann ist es etwas anderes, als wenn die Hockeymannschaft sich abends noch beim Bier trifft.

Bei dem Geburtstag wäre eine leichtfertige Absage eine schwere Gemeinheit, da liegt die Hürde, kurzfristig abzusagen, sehr hoch – und ein Mangel an Verbindlichkeit wäre schlicht ein Mangel an Anstand und Empathie. 

Bei dem Teamabend steht und fällt das Treffen hingegen nicht mit meiner Anwesenheit, da kann ich mich kurzfristig auch gut herausziehen.

Im Zweifel könnte es eine gute Idee sein, den Grad der gewünschten Verbindlichkeit ausdrücklich abzustimmen: "Kann ich fest mit dir rechnen?"

Zwei Monate und drei Absagen später: Eine Verabredung mit einer alten Freundin kommt ausnahmsweise zustande – weder ich noch sie hat kurzfristig abgesagt.

Meine Freundin kommt ganz ohne Ausreden zu mir. "Es ist so schön, dich endlich wieder zu sehen! So lange ist es schon wieder her – wir haben ganz viel zu reden", sagt sie gleich im Flur.  

Und wie sie vor mir steht, da fällt es mir plötzlich auf: Man, habe ich dich vermisst. Du bist mir doch eigentlich so wichtig. 

Vielleicht sollten wir uns mal wieder einen Terminkalender aus Papier anschaffen, denke ich noch, in dem man nicht einfach auf Löschen klicken kann. 

Dann fallen wir ins Sofa und erzählen.

Also warum nicht einfach mal wieder zusammen in den Urlaub fahren?


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