Sie sind die Ersten, die erfahren, wenn in unserem Leben etwas Aufregendes passiert. Wenn wir Liebeskummer haben, heulen wir uns bei ihnen aus. Sie sind da, wenn wir sie brauchen – gute Freunde. Doch was ist, wenn eines Tages alles vorbei ist?

Anders als Liebesbeziehungen, die plötzlich und laut zerbrechen, gehen Freundschaften oft schleichend auseinander. Die Freundin antwortet immer seltener und knapper auf WhatsApp-Nachrichten. Der Kumpel fährt lieber mit anderen Leuten zum Festival.

Selten wird klar ausgesprochen, dass eine Freundschaft beendet ist. Wer zurückbleibt, fühlt sich oft ratlos und verletzt. Viele Fragen bleiben offen, derer wir uns schämen, sie laut zu stellen. Habe ich etwas falsch gemacht?

Diese drei Frauen haben schon mal einen guten Freund verloren. Hier erzählen sie, wie sie damit umgegangen sind.

Anne, 26: "Ich wünsche mir noch immer einen finalen Schlussstrich"

Mit 14 Jahren habe ich sie in einem Chat kennengelernt. Wir kamen beide aus der gleichen Stadt und waren beinahe gleich alt, haben uns sofort gut verstanden. Schnell haben wir nichts mehr allein gemacht. Später, mit 19, waren wir sogar auf derselben Ausbildungsschule, lediglich in unterschiedlichen Kursen.

Die ersten Veränderungen kamen mit einem gemeinsam Kurs: Plötzlich unternahm sie nur noch etwas mit "ihren Leuten". Die neuen Freunde waren zum Spaß haben da, ich war am Ende fast nur noch ihre persönliche Psychologin.

Irgendwann war ich nicht zu ihrem Geburtstag eingeladen.

Später haben wir gar nicht mehr miteinander geredet.

Mit dem Verlust kam ich damals nur schwer zurecht: Ich habe mich sehr zurückgezogen. Sie machte mich vor den anderen aus unserem Kurs schlecht. Das habe ich recht lange mit mir machen lassen – bis ich irgendwann alles klargestellt habe. Wirklich geholfen hat mir nur ein Wechsel, zurück in meinen alten Kurs.

Eine Aussprache im klassischen Sinne gab es nie. Nach meinem Kurswechsel haben wir nie wieder ein Wort miteinander gesprochen. Ich habe sie noch einmal gesehen, als mir mein Abschlusszeugnis überreicht wurde – seitdem nicht mehr.

Lange habe ich versucht, die Freundschaft zu retten, mit ihr zu reden, aber sie hat es immer abgeblockt. Ab einem gewissen Punkt hatte ich keine Kraft mehr und hab aufgegeben.

Warum... Wieso... Weshalb? Ich habe nie Antworten bekommen und hätte gern gewusst, was ich getan habe, um so verletzt zu werden. Heute pflege ich nur wenige wirklich feste Freundschaften. Das Erlebnis beeinflusst mich also heute noch – aber es bessert sich.

Bienja, 31: "Ich hätte mir Anerkennung von ihr gewünscht und dass sie sich für mich freut"

Ich habe in meiner Jugendzeit immer mit fünf guten Freundinnen abgehangen. Sie kamen von der Realschule oder vom Gymnasium; ich war die Einzige von der Hauptschule. Schließlich habe ich eine weiterführende Schule besucht, und eine von den Freundinnen wechselte mit mir.

Der Konflikt mit dieser Freundin begann, als sie sich hinter meinem Rücken für ein Jahrespraktikum auf dieselbe Stelle beworben hatte. Plötzlich traf ich sie beim Vorstellungsgespräch. Heute würde ich sagen: Die Bessere gewinnt. Damals aber habe ich mich minderwertig gefühlt.

Letztlich hat sie den Platz bekommen und ich musste mich neu bewerben. Ich war enttäuscht, aber meine Freundin hat keine Anteilnahme gezeigt.

Zu dieser Zeit war ich oft ziemlich erschöpft. Neben dem Vollzeitpraktikum habe ich zu Hause viel im Haushalt geholfen: In der Mittagspause habe ich zum Beispiel für meine Familie gekocht, abends musste ich noch Schulaufgaben machen.

Schließlich habe ich das Praktikum noch mal gewechselt – ein Glücksgriff, den meine Freundin mir neidete. Ich hätte mir gewünscht, dass sie sich für mich freut. Später spielte sie mir gegenüber meine Leistungen aus dem Praktikum und der Schule runter. Das hat mich sehr getroffen! Ich war sehr traurig und enttäuscht. Danach hatten wir fünf Jahre lang keinen Kontakt.

Irgendwann bin ich wieder einen Schritt auf sie zugegangen und habe mich mit ihr verabredet, da wir beide die gleichen Freunde hatten. Aber ein richtiges Vertrauen ist nicht mehr entstanden, meine Skepsis bleibt.

Was ich aus dieser Erfahrung mitgenommen habe? Bei neuen Freundschaften ist mir wichtig, dass man sich füreinander freuen und die Stärken des anderen wertschätzen kann. Freunde sollten sich gegenseitig helfen und motivieren.

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Jasmin, 29: "Sie hat mit großem Drama unsere Freundschaft beendet"

Wir sind zusammen zur Schule gegangen, bis zur Oberschule war sie meine beste Freundin. Danach hat jeder sein Ding gemacht, aber wenn wir uns getroffen haben, war gleich wieder diese Nähe da.

Während des Abiturs ist sie mit einem Typen zusammengekommen, der mit uns zur Schule gegangen ist. Während des Studiums führte sie eine Fernbeziehung.

Letztlich zerbrach die Beziehung, weil sie ihn betrogen hat. Ich hatte trotzdem weiterhin Kontakt zu ihm, schließlich waren wir auch befreundet. Als er mich mal allein besucht hat, dachte sie, zwischen uns wäre was gelaufen. Was nicht stimmte. Aber irgendwie hatte ich nicht die Möglichkeit, das klarzustellen.

Sie beendete mit großem Drama unsere Freundschaft: Sie blockierte mich überall, sagte, dass sie keinen Kontakt mehr haben möchte, ich hätte ihr Leben zerstört. Ich fühlte mich von ihr vor allem missverstanden und hatte den Eindruck, dass sie nur Schwarz-Weiß sieht.

Ich habe vor drei Jahren ein Praktikum in der Stadt gemacht, in der sie lebt und ihr noch mal geschrieben. Es hat nichts geholfen, sie ist bei ihrer Meinung geblieben.

Inzwischen habe ich neue Freunde. Mit denen kann man Dinge ausdiskutieren, denen kann ich sagen, dass sie gerade Mist bauen. Die sagen mir das auch; das ist nicht geil, aber es bringt einen weiter.

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Wann zerbrechen Freundschaften?

"Freundschaften werden meist dann beendet, wenn Sympathie und positive Qualität nachlassen", sagt Franz Neyer, Psychologie-Professor an der Uni Jena. Besonders dann, "wenn die Balance des Gebens und Nehmens nicht mehr gegeben ist".

Konkret bedeutet das: In einer Freundschaft sollte nicht einer immer nur geben und der andere nur nehmen. Stattdessen sollten beide gegenseitig füreinander da sein. Auch Neid und Missgunst können eine Freundschaft zerstören. Und manchmal lebt man sich ganz einfach auseinander.

Was ist ein guter Freund?

Ein guter Freund ist für Neyer jemand, mit dem wir gemeinsame Werte und Interessen teilen. "Deshalb lernt man seine Freunde auch meist in der Schule, im Studium oder Arbeitsleben kennen – Orte, die unserer Persönlichkeit entsprechen."

Laut Wolfgang Krüger, Psychotherapeut und Autor des Buches "Freundschaft: beginnen, verbessern, gestalten", sollte ein guter Freund außerdem "zuhören können, zuverlässig sein und uns verstehen, sodass wir in der Lage sind, mit ihm auch über unsere Ängste und peinlichen Situationen zu reden".

Wie viele Freunde haben wir?

Drei gute Freunde und zwölf lockere Freundschaften pflegen wir laut Krüger im Durchschnitt. Laut Neyer sind es nur selten mehr als neun Menschen, denen wir uns wirklich nahestehen. Irgendwie traurig: "Im Laufe des Lebens nimmt diese Zahl kontinuierlich ab. So haben ältere Menschen in der Regel nur noch halb so viele Freunde wie junge Leute." Dafür sind die Beziehungen im Alter intensiver, denn ältere Menschen kennen ihre Freunde oft schon ein Leben lang.

Wie beende ich eine Freundschaft?

Sich schweigend zurückziehen, sei in der Regel tatsächlich der beste Weg, findet zumindest Wolfgang Krüger. "Jeder aktive Abschied ist kränkend, weil man dann jene Gründe offenbart, die so gut wie immer verletzen", sagt er. "Doch wenn ich mich nicht mehr melde und nicht mehr reagiere, schläft die Freundschaft ein. Das hat den Vorteil, dass ich den anderen noch grüßen kann, wenn ich ihn zufällig sehe – und ich kann sogar die Freundschaft wieder aufnehmen, wenn ich spüre, dass ich durch die Trennung zu viel verloren habe."

Und dann?

Egal ob wir die Zurückgestoßenen sind oder selber eine Freundschaft beenden: Das Ende tut fast immer weh. "Weil Beziehungen uns so viel bedeuten und wir so viel in sie investiert haben, ist es ganz natürlich, dass es uns schmerzt, wenn sie zu Ende gehen", sagt Professor Neyer. Falsch wäre jedoch, den negativen Gefühlen aus dem Weg zu gehen: Wer verlassen wurde, darf also wie nach einer gescheiterten Beziehung trauern und sollte sich Zeit geben, bis die Wunden heilen.

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