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Eine Expertin erklärt, wie man trotzdem befreundet bleibt.

Es ist Freitagabend, Monatsende. Marwin würde gerne essen gehen und danach ins Kino. Seine Freunde sind allerdings pleite. Also zahlt Marvin. Denn er verdient viel mehr als sie.

Auch Franziska geht mit Freunden aus. Sie bestellt nur einen Kaffee, während die anderen essen. In ihrem Freundeskreis ist sie diejenige, die weniger Geld hat.

Wenn sich nach der Schulzeit Lebens- und Ausbildungswege unterscheiden, wird Geld in vielen Freundschaften auf einmal zu einem Thema. Und manchmal zur Belastungsprobe.

Marwin lebt in Kiel und arbeitet als Soldat auf Zeit bei der Marine. Vier Jahre wird er dort noch bleiben, später würde der 22-Jährige gerne als Pädagoge mit Jugendlichen zusammenarbeiten. Bis dahin verdient er viel Geld – zumindest, wenn man sein Einkommen mit dem seiner Freunde vergleicht. "Als Soldat bekomme ich im Monat 1900 Euro netto. Das sind 1000 Euro mehr, als mein Mitbewohner zur Verfügung hat. Das ist schon ein großer Unterschied", sagt Marwin.

Bei Franziska lief es andersherum. Die 26-Jährige aus Nürnberg hat nach ihrem Realschulabschluss eine Ausbildung zur zahnmedizinischen Fachangestellten gemacht und hatte danach jeden Monat etwa 1300 Euro zur Verfügung. Dann entschloss sie sich dazu, ihr Abitur nachzuholen, um Zahnmedizin zu studieren. Plötzlich hatte sie kein Einkommen mehr, bekam erst Geld von ihrer Mutter, später 700 Euro Bafög.

"Als Vollzeitkraft hatte ich keine Einschränkungen. Ich konnte mit Freunden feiern, essen oder shoppen gehen, ohne mir Gedanken zu machen." Dann verdienten ihre Freunde plötzlich 1000-2000 Euro mehr im Monat als sie.

Ein deutlicher Unterschied.

Aus der Psychologie weiß man, dass sich Freunde untereinander oft ähneln – in Alter, Charakter, Bildungsstand oder Herkunft.  In der Wissenschaft wird dieses Phänomen als soziale Homophilie bezeichnet.

Psychologin Miriam Junge erklärt, was das in Freundschaften bedeutet: "Wir suchen uns schon als Kinder Freunde, die ein ähnliches Wertesystem wie wir haben", erklärt Miriam. "Wir umgeben uns mit Menschen, die die gleichen Hobbies und Interessen haben." Später ginge es auch darum, mit wem man gute Gespräche führen und mit wem man zum Beispiel einfach nur feiern gehen könne. 

Miriam arbeitet als psychologische Psychotherapeutin für Verhaltenstherapie und Coach in Berlin. 

(Bild: Sabin Tambrea)

Irgendwann kommen auch die Finanzen hinzu. "Da in unserer Gesellschaft Geld und Gehalt einen hohen Stellenwert haben, können sie auch innerhalb einer Freundschaft zum bedeutenden Faktor werden", sagt Miriam. 

Franziska spürte den finanziellen Unterschied im gemeinsamen Alltag. Oft sagte sie Verabredungen ab, zum Beispiel weil sie sich einen gemeinsamen Saunabesuch nicht leisten konnte. Das war nicht immer einfach, sagt sie, aber der Wunsch, nach dem Abitur studieren zu können, sei größer gewesen.

Als sich Franziska entschied, ihr Abitur nachzuholen, brach ihr Einkommen aus ihrer Vollzeitstelle weg. 

(Bild: privat)

Marwin wiederum meint, dass sich seine Freundschaften selbst nicht verändert haben. Er gibt zwar häufiger Dinge aus, ausgenutzt fühle er sich aber nicht: "Die meisten meiner Freunde kenne ich schon lange. Und sie kennen mich auch alle aus Zeiten, in denen ich ständig pleite war. Deshalb bezweifle ich, dass Geld Auswirkungen auf meine Freundschaften hat." Obwohl es ihm manchmal schon so vorkommt, als ob einige Freunde es inzwischen selbstverständlich finden, wenn er eine gemeinsame Rechnung bezahlt. 

Marwin unterstützt seine Freunde so gut er kann. Für eine Freundin übernimmt er zum Beispiel regelmäßig die Tierarztkosten ihres Hundes. 

(Bild: privat)

Miriam Junge zufolge kann Geld die Verhältnisse innerhalb einer Beziehung durchaus verschieben: "Plötzlich geht das Gefühl von Augenhöhe verloren. Ein Gleichgewicht, das vorher existiert hat, ändert sich und damit ändern sich auch die Gefühle, die man hat."

Freundschaften, die sich durch ein finanzielles Ungleichgewicht verlieren oder deshalb in einer Krise stecken, müssen aber nicht für immer verloren sein, glaubt die Psychologin. Es gäbe immer wieder Zeiten, in denen es vielleicht zwischen zwei Menschen nicht mehr so richtig passt. "Das heißt aber nicht, dass man sich nicht auch wieder bewusst dazu entscheiden kann, an so einer Freundschaft zu arbeiten."

Am wichtigsten seien in einem solchen Fall die Kommunikation und die Bereitschaft, Kompromisse zu finden. 

Dafür müsse man seine Gedanken aussprechen können. "Wenn man plötzlich mehr Geld zur Verfügung hat als ein guter Freund oder eine gute Freundin, könnte man Verständnis zeigen, dass es für den anderen nicht so einfach ist, einen gemeinsamen Urlaub zu planen. Man kann den anderen fragen, welche Hotels er sich leisten könnte und gemeinsam einen Kompromiss finden." Zum Beispiel: mit den Kollegen in das teure Hotel und mit den engen Freunden in den Wanderurlaub.

Zunächst rät Miriam aber jedem, in sich selbst hineinzuhören: "Ist da Neid oder Scham? Schuldgefühle?" Nur, wer sich über die eigenen Gefühle klar ist, kann im Gespräch darüber Kompromisse finden.

Für Marwin gibt es beispielsweise eine klare Grenze: Er würde niemals für einen Freund einen Kredit aufnehmen. Und er hofft, dass das, was er heute gibt, in Zukunft auch wieder zu ihm zurückkommt. Wenn er in vier Jahren eine Ausbildung beginnen wird, werden seine Freunde bereits arbeiten und diejenigen sein, die mehr verdienen. "Irgendwie hoffe ich schon, dass sie mich im Ernstfall dann vielleicht auch unterstützen würden, wenn es mir finanziell nicht so gut geht", gesteht Marwin.

Franziska hat derzeit wieder eine feste Stelle in einer Zahnarztpraxis, während sie auf einen Studienplatz wartet, und somit auch mehr Geld. Im Studium wird sich das vermutlich wieder ändern. Aufgrund ihrer Erfahrungen blickt sie aber optimistisch in die Zukunft. Denn Unverständnis habe sie in den drei Jahren nie erfahren. "Meine Freunde und mein Freund haben mir nie Vorwürfe gemacht, wenn ich Verabredungen abgesagt habe und mich immer auf meinem Weg unterstützt. Dafür bin ich extrem dankbar."


Trip

Stress durch Urlaub: Wieso wir beim Entspannen mal entspannen müssen
Selbstoptimiert ins Burn-out.

Meine früheste Urlaubserinnerung spielt in Dänemark: Wir sind mit einer befreundeten Familie in einem kleinen Holzhaus, umgeben von nichts als Dünen. Es gibt kaum etwas zu tun, außer herumzulaufen, baden oder gemeinsam zu kochen. Abends machen wir im Kamin ein Feuer und spielen Brettspiele. 

Das ist noch nicht so lange her. Heute sehen meine Urlaube aber ganz anders aus und fühlen sich vor allem anders an: durchgetaktet, auf Effizienz getrimmt, optimiert. Wenn ich Urlaub habe, dann sehe ich mehr, mache mehr und hake mehr ab. Urlaub ist Stress geworden. Obwohl ich durch eine Reise eigentlich dem Alltagsstress entfliehen möchte.

Was ist also in der Zwischenzeit passiert? 

Zum einen ist da das Handy. Ob ich nun mit der Bahn zur Isle of Dogs will oder in Thailand einen Tauchkurs buchen möchte: Mit wenigen Apps finde ich mich weltweit zurecht. Ein Segen – einerseits. Doch andererseits hat der kleine Bildschirm Stück für Stück die Kontrolle über meine Reisen und mein Leben übernommen. 

Ehrlicherweise muss ich aber sagen: Das Handy ist nur ein Symptom. Das Problem entspringt woanders. 

Denn inzwischen stelle ich mir beinahe zwanghaft Fragen nach Superlativen. Welches Hotel ist das beste? Welches Restaurant hat den leckersten Hummus? Wo ist der beste Foto-Spot der Stadt? Über jedem Ausflug, jeder Pause und jedem Imbiss schwebt nun die Frage: