In der Wildnis campen, Sonnenuntergänge sehen, surfen und unter Wasserfällen baden: Davon träumen viele. Und doch leben nur wenige diesen Traum einer großen, langen Reise – auch, weil viele von ihnen zu Hause eine Beziehung haben, der Partner oder die Partnerin nicht mitkommen kann oder möchte – und man nicht einfach für ein Jahr auf Pause drücken kann.

Die Frage ist dann: Was ist mir wichtiger, mein Partner oder die Reise? Wir haben drei Menschen gefragt, für was sie sich entschieden haben – und wie ihr Leben anschließend weiterging. 

Celina, 20, hat sich getrennt und das nie bereut

Ich hatte immer von einer Reise nach Australien geträumt – aber da war ja noch mein Freund. Wir waren seit etwa vier Jahren ein Paar und wollten eine gemeinsame Zukunft, ein Haus kaufen und heiraten. Ich dachte damals, meine Beziehung würde für immer halten. 

Aber immer häufiger fragte ich mich: Will ich das wirklich? Ich war ja noch so jung und wollte auch die Welt sehen. Ich hatte Angst, dass ich etwas verpassen würde, wenn ich meine Träume nicht verwirkliche.

An meinem Geburtstag fasste ich den Entschluss: Ich fliege nach Australien. Ich fragte meine Schwester, ob sie mitkommt, sie war einverstanden. Ich wusste aber: Das geht nur ohne meinen Freund. Ihn interessierten Reisen nicht, und er flog nicht gern. 

Es fiel mir schwer, aber ich trennte mich. Ich dachte, es ist besser, das vorher zu machen, und nicht von unterwegs per WhatsApp. Ich hätte mich schlecht gefühlt, wenn er ein Jahr auf mich gewartet hätte, und dann wäre ich nach Hause gekommen – und hätte Schluss gemacht.

Er reagierte gefasst auf meine Entscheidung. Er sagte, er wolle mir das nicht verbauen. Vielleicht wollte er mir aber auch einfach kein schlechtes Gewissen machen. Dann ging alles sehr schnell: Visum beantragen, Auslandsführerschein ausstellen lassen, Flug buchen. Zwei Wochen später waren wir schon unterwegs.

Kurz vor meinem Abflug bekam ich nochmal Zweifel. War es richtig, mich für die Reise und gegen die Beziehung zu entscheiden? Ich war doch glücklich mit meinem Freund? 

Heute glaube ich, es war eher die Gewohnheit, die uns damals zusammengehalten hat. Und ich bereue nichts: In Australien hatte ich bisher die beste Zeit meines Lebens.  

Torben, 25, blieb zu Hause und wartete auf seine Freundin

Als mir meine Freundin erzählte, dass sie nach Neuseeland wollte, dachte ich: Wir schaffen das. Auch sie sagte das. Wir waren zwar erst fünf Monate zusammen, aber für mich war sie die große Liebe. Wegen meiner Ausbildung musste ich zu Hause bleiben und konnte nicht mitkommen.

Am Anfang skypten wir alle drei Tage. Das hatten wir uns so vorgenommen. Dann fuhr meine Freundin mit dem Bus in den abgelegenen Süden von Neuseeland. Oft hatte sie keinen Empfang. Einen Monat lang hörte ich fast nichts von ihr. Das war echt schwer. Manchmal sah ich dann Fotos von ihr mit anderen Kerlen auf Facebook – da war ich auch ein bisschen eifersüchtig.

Irgendwann legte ich mein ganzes Geld zusammen, für einen Flug zu ihr. Sie freute sich, aber als sie mich am Flughafen abholte, war da ein komisches Gefühl. Sie hatte sich äußerlich sehr verändert: Sie hatte zugenommen und die langen braunen Haare abrasiert, die ich immer so mochte. Es fühlte sich an, als würde ich mit einer Fremden Händchen halten. 

Irgendwan gewöhnte ich mich daran, die Zeit mit ihr in Neuseeland wurde die Reise meines Lebens. Wir fuhren mit einem Bus über die ganze Insel, campten, sahen Sonnenaufgänge und probierten Fallschirmspringen aus. Nach fünf Wochen mussten wir uns am Flughafen verabschieden: Da wäre sie am liebsten mit mir zurückgeflogen.

Nach einem Jahr kam sie wieder. Ich hatte die ganze Zeit auf sie gewartet. Trotzdem war es erst wieder komisch. Sie hatte sich verändert – auch vom Wesen. Manchmal fing sie mitten im Satz an, Englisch zu reden. Das fand ich aufgedreht und nervig

Zwei Wochen später machte sie Schluss. Sie habe keine Gefühle mehr für mich. Wir hätten uns auseinandergelebt. Für mich war das ein Schock. Noch heute muss ich manchmal an sie denken. Vor allem, wenn ich Fotos aus Neuseeland sehe. 

Nadine, 30, ist gerade wieder unterwegs 

Als ich nach Suriname wollte, war uns beiden klar: Das hält unsere Beziehung nicht aus. Ich stand kurz vor meinem Bachelor und wollte für ein Auslandssemester nach Südamerika. Aber die Reise war nicht das einzige Problem. Ich hatte in den Niederlanden studiert und wollte nach dem Auslandsemester zurück nach Deutschland. Mein Freund war Niederländer und wollte in seiner Heimat bleiben – also trennten wir uns.

In der ersten Zeit in Suriname ging es mir richtig schlecht. Am liebsten wäre ich wieder nach Hause geflogen und hätte die Trennung rückgängig gemacht. Das kam für ihn aber nicht infrage. Wir hatten weiter Kontakt, das machte die Sache noch schwerer. 

Heute weiß ich: Es war richtig, dass wir uns damals trennten. Wir hätten es nach meinem Auslandssemester sowieso tun müssen. 

Gerade bin ich auf meiner nächsten großen Reise: einer Weltreise. Sechs Länder in Asien, fünf Monate in Australien, fünf Monate in Neuseeland. Wenn ich im Dezember zurückfliege, war ich fast ein ganzes Jahr unterwegs.

Als ich Mitten in der Planung für diese Reise steckte, lernte ich meinen aktuellen Freund kennen. Ich dachte: nicht schon wieder so ein Drama. Diesmal wollte ich die Reise und die Beziehung vereinbaren

Also machte ich von Anfang an klar, was ich vorhatte – und dass ich die Reise niemals für eine Beziehung abblasen würde. Er meinte: Wenn das dein Traum ist, akzeptiere ich das. 

Wir haben während der ganzen Zeit viel geskypt und waren ständig in Kontakt. Mir tat es gut, so etwas wie einen Reisebegleiter zu haben. Wenn ich einen Tiefpunkt hatte, baute er mich auf. Wenn jemand allein reist, muss der Andere dahinterstehen. Das ist das Wichtigste – nur dann kann sowas funktionieren. 

Aber beide müssen etwas für die Beziehung tun und sich die Zeit dafür nehmen. Ich habe meinem Freund schon vor meiner Reise Briefe geschrieben – für jeden Monat einen. Derjenige, der  zu Hause bleibt, muss merken, dass er dem Anderen weiter wichtig ist.

Vor ein paar Tagen ist er in Neuseeland angekommen. Wir reisen jetzt noch einige Wochen zusammen, dann fliegen wir zurück. Ich glaube, durch die Reise sind wir uns sogar noch ein Stück nähergekommen.  

bento per WhatsApp oder Telegram


Today

Wie gut kennst du 2018?
Der ultimative Test zum Jahresende.

Fußball-WM, Özil-Skandal, Seehofer oder Maaßen: Spätestens im Dezember weiß man nicht mehr wirklich, was genau uns noch im Juni wichtig erschien. Kurz vor dem Jahreswechsel blicken wir zurück auf 2018 – in 12 Fragen, die testen, ob du aufgepasst hast.