Ein kuratierte Einkaufsliste

Hallo, Mann! Du bist wahrscheinlich gerade hier, weil du sehr viele Meinungen zu einem Thema hast. Es geht um Frauenrechte, Frauenrollen oder darum, wie Frauen auszusehen haben, kann es sein? Falls ja: Toll, dass du dich dafür interessierst! Solche Leute wie dich brauchen wir in unserer Gesellschaft. 

Wichtig ist aber, dass wir (als Gesellschaft, aber auch als Männer!) uns bei Diskussionen nicht im Kreis drehen – zum Beispiel, indem wir Dinge behaupten, die schon lange widerlegt sind. Ebenso wichtig: Vor allem wir Männer müssen aufpassen, nicht permanent die Strukturen und Ungerechtigkeiten zu ignorieren, unter denen die meisten Frauen jeden Tag leiden. 

Warum 2020 die bento-Männer alle Artikel zum Frauenkampftag verantworten

Der Kampf für mehr Geschlechtergerechtigkeit wird meist vor allem von Frauen, Intersexuellen, Trans*- und nicht binären Menschen geführt. Für Sonderhefte und Themenspeziale zum 8. März müssen auch in deutschen Medienhäusern jedes Jahr vor allem sie die Überstunden leisten. 

Wir wollten das dieses Jahr umdrehen – und haben unsere Beiträge dazu von Cis-Männern planen, schreiben und produzieren lassen. Hier liest du mehr zu unserer Aktion #männerfürfrauen.

Um das zu wuppen, gibt es es einen einfachen Trick: zuhören! Glücklicherweise sind in den letzten Jahren wieder einige starke Bücher von Frauen herausgekommen, die den aktuellen Stand der Diskussion zusammenfassen. Keine total wissenschaftlichen Wälzer, sondern Bücher, die starke Thesen haben und dich sagen lassen: 

„Ach, so ist es also heute, Frau zu sein. Interessant, das wusste ich gar nicht!“

Wenn du einige dieser Bücher liest, verstehst du vielleicht besser, worum es in den aktuellen Debatten geht. Und vielleicht hinterfragst du sogar deine eigene Meinung. Wäre das nicht verrückt? 

Affiliate-Links. Was ist das?

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Diese fünf Bücher meinen wir: 

1 "Untenrum frei" von Margarete Stokowski 

Die SPIEGEL-Kolumnistin zieht fast jede Woche den Hass verschiedenster Männergruppen auf sich, einfach, weil sie ehrlich ausspricht, was in unserer Gesellschaft schiefläuft. Und, nun ja, oft sind Männer daran Schuld. Es tut weh, das zu hören.

Ihr Buch "Untenrum frei" von 2016 tut ebenfalls weh. Weil es so persönlich ist, weil es ihr eigenes Leben beschreibt. Weil es beschreibt, was Männer und eine auf die männliche Perspektive gedrillte Gesellschaft ihr bisher angetan haben. 

Vor allem aber beschreibt es den Prozess, den die Autorin durchmachen musste, um irgendwann sagen zu können: "Ich mache das nicht mehr mit." "Untenrum frei" handelt von sexueller Selbstbestimmung, Macht und Herrschaft. Und es ist ein großartiger Start für Leute, die sich besser mit Feminismus auskennen wollen.

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2 "Sie hat Bock" von Katja Lewina 

Wie viele Männer kennen den Unterschied zwischen Vulva und Vagina? Wer leckt so oft wie er einen geblasen bekommt? Und wie viele Männer beschimpfen eine Frau als "Schlampe", nur, weil sie genau so gern Sex hat wie ein Mann? 

In kurzen Kapiteln (häufig etwas längere Versionen ihrer Kolumnen) gibt Journalistin Katja Lewina einen Einblick in das Missverhältnis der Geschlechter beim Sex. Kaputte Schönheitsideale, Machtspiele und Wortlosigkeit bekämpft sie breitbeinig, mit knallharter Gossensprache und mehr als einer verbalen Faust auf den Tisch. Denn, das verspricht schon der Klappentext: "Die Krusten unserer Sozialisation lassen sich abkratzen." Stark.

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3 "Frauen und Macht" von Mary Beard

Wenn ein Buch zeigt, wie wichtig der Kampf für Frauenrechte war und ist, dann dieses. Das kurzweilige Werk zeigt nicht einfach auf, was gerade schief läuft – sondern, was für Frauen einfach schon immer beschissen lief. Mary Beard ist nämlich Historikerin und auf die Antike spezialisiert. Dort galt: Wer das Wort hat, hat die Macht – und das beides hatten in den meisten Fällen Männer. 

Leider, so Beards These, hat sich bis heute kaum was geändert, immer noch werden Frauen systematisch mundtot gemacht, sei es in der Politik, beim Smalltalk oder im Job. Reden sie doch, werden sie als "hysterisch" oder "Piepsstimme" verunglimpft. Etwas, das wir in jedem Wahlkampf beobachten können.

Wer nicht wie Caesar oder Trump rumgockeln will, sollte sich "Frauen und Macht" zu Herzen nehmen.

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4 "Sprache und Sein" von Kübra Gümüsay

Wer ist "normal" – du? Oder "die anderen"?

Was du sagst und wie du es sagst beeinflusst dein Denken und dein Tun. Was sich nach einer Binsenweisheit anhört, hat tiefgreifende Effekte. Zum Beispiel sorgt es dafür, dass du weniger Mitleid empfindest, wenn du über "Flüchtlingswellen" redest – weil es sich nach einer gefährlichen Naturgewalt anhört und nicht nach Menschen in Not.

Genauso ist es nachweisbar, dass Frauen eben nicht mitgedacht werden, wenn man anstatt von "Ärztinnen und Ärzten" nur von "Ärzten" redet. Oder, dass du dir unter dem Oberbegriff "Muslima" direkt einen ganzen Haufen Vorurteile und Klischees vorstellst.

Stück für Stück verschiebt sich durch Sprache unsere Wahrnehmung, ja unsere Realität. Das Lesen dieses Buches kann helfen, die Prozesse dahinter zu begreifen und die eigene Art zu sprechen – und zu denken – nachhaltig verändern.

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5 "Alte weiße Männer – Ein Schlichtungsversuch" von Sophie Passmann

Der Kampfbegriff "alter weißer Mann" wabert schon seit Jahren durch die Kommentarspalten. Aber was bedeutet er eigentlich? Autorin und "Neo Magazin"-Mitarbeiterin Sophie Passmann will die Antwort auf diese Frage finden, indem sie sie den mächtigen Männern selbst stellt.

Von Robert Habeck über Kai Diekmann und Peter Tauber bis Rainer Langhans bietet jedes Kapitel einen anderen Ansatz, eine andere Perspektive, was das Feindbild "alter weißer Mann" bedeuten könnte.

Begleitet werden die Ausführungen der Männer durch rasiermesserscharfe Beobachtungen Passmanns, die ihre Interviewpartner beim Fabulieren und Definieren gedanklich auseinandernimmt. Gute Unterhaltung und Perspektivwechsel in einem!

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Gerechtigkeit

Angriffe auf Lesbos: Flüchtlingshilfe in Gefahr
Was der Rückzug vieler Freiwilliger für das Lager Moria bedeutet.

Als ihr Auto am Sonntag in eine Menschenmenge geriet, als die Leute mit Metallstangen auf den Wagen einschlugen, ein Seitenfenster zertrümmerten und versuchten, sie herauszuzerren, fühlte sie sich einfach nur hilflos, erzählt Verena Röck.

Verena ist 24 und Helferin der NGO "Eurorelief". Gemeinsam mit 60 bis 70 anderen Freiwilligen der Organisation hat sie sich um Neuankömmlinge im Flüchtlingscamp Moria auf Lesbos gekümmert, hat unter anderem versucht, dafür zu sorgen, dass zumindest die Familien mit Kleinkindern einen halbwegs menschenwürdigen Ort zum Schlafen haben. 

Nur wenige Kilometer trennen die griechischen Insel Lesbos vom türkischen Festland. Seit Jahresbeginn kommen jeden Tag mehr als 100 Migrantinnen und Migranten auf Lesbos und anderen griechischen Inseln in der Ägäis an – in den vergangenen Tagen auch mehr. Um die kritische Situation auf der Insel ein wenig zu entlasten, werden die Neuankömmlinge mittlerweile direkt ans Festland gebracht – und zum Zwecke der Ausweisung festgehalten. (SPIEGEL)

Mehr als 400 Organisationen soll es in Griechenland geben, die sich um Geflohene kümmern (AlJazeera), vor einigen Jahren zählte der "Guardian" mehr als 80 auf der Insel Lesbos allein (Guardian). Viele von ihnen füllen die Lücken, die die griechischen Behörden in der Versorgung offenlassen – auch, weil Griechenland seit Jahren um mehr Unterstützung aus dem Rest Europas fordert.