Können Sprachnachrichten und Skype über die Distanz wirklich helfen?

Work and Travel in Australien, Auslandssemester in Schottland, Praktikum in Paris – dazwischen Studentenleben in unterschiedlichen Städten. Lisa und David* lernten sich in der Schule kennen und führen seit sechs Jahren eine Fernbeziehung. 

Das lief nicht immer glamourös und großartig – aber sie haben es trotzdem immer wieder hinbekommen. Hier erzählen die beiden 24-Jährigen, wie sie sich trotz Distanz nah bleiben.

Ihr seid schon seit der Schulzeit zusammen, seit wann führt ihr eine Fernbeziehung?

Lisa: Ich ging nach dem Abi für sechs Monate nach Australien. Danach lebten wir zwar für eine Zeit gleichzeitig in Düsseldorf, aber eigentlich war immer einer von uns in einer anderen Stadt oder einem anderen Land unterwegs, für Praktika oder Auslandssemester. Aktuell studiere ich in Köln und David in Mainz. Im August geht David für ein Semester nach Südkorea.

Die Beziehungsweisen

In dieser Reihe reden wir mit Partnern über ihre Beziehungsmodelle und alles, was dazu gehört: über Eifersucht und Sexpartys, über Geld und Liebe, über Konflikte und Geheimnisse.

Wie oft seht ihr euch oder sprecht miteinander?

David: Als Lisa in Australien war, hatten wir noch kein WhatsApp und deshalb nicht täglich Kontakt. Wir haben ungefähr einmal pro Woche geskyped. 

Lisa: Da war der Zeitunterschied ein großes Problem. Einer musste morgens ganz früh raus, der andere schlief schon halb, da konnten wir nicht regelmäßig miteinander sprechen. 

Innerhalb Europas ist das anders. Als wir beide für unsere Auslandssemester in Schottland waren oder ich in Paris, besuchten wir uns und lernten auch die neuen Freunde des anderen kennen. Das ist natürlich leichter, als wenn man immer nur Namen hört und nichts mit ihnen verbinden kann. 

Habt ihr nie überlegt, ob ihr einen Auslandsaufenthalt auslasst, um eure Beziehung nicht zu riskieren? 

Lisa: Für mich war es nie eine Frage, ob ich ins Ausland gehe oder nicht – oder ob ich David bitte, es nicht zu tun. Dafür ist der gegenseitige Respekt zu groß. Wir sind beide noch so jung und wollen diese Erfahrungen machen. Wenn eine Beziehung dauerhaft halten soll, sollte man sich nicht gegenseitig einschränken. Gerade bei Erfahrungen, bei denen man so viel erlebt. Wir haben auch noch nie gefragt: Schatz, darf ich das? Wir machen es einfach. 

David: Ich glaube, dass es sonst den Druck auf die Beziehung extrem erhöhen würde. Wenn man für den Partner zu Hause bleibt und diese Chance sausen lässt. 

Lisa ging nach dem Abi nach Australien – David blieb in Deutschland. (Bild: Unsplash/Joey Csunyo )

Wie sehr nehmt ihr in diesen Phasen trotzdem am Leben des anderen Teil?

David: Wir teilen sehr viel miteinander. Natürlich nicht live vor Ort, aber ich finde es wichtig, sich gegenseitig viel zu erzählen. In den Auslandssemestern schreiben wir einmal am Tag oder schicken Sprachnachrichten. So wissen wir immer, was der Andere gerade macht.

Lisa: Ich muss sagen, dass das schwieriger für den ist, der gerade weg ist. Natürlich erzähle ich von unterwegs aus sehr gerne von allem, aber mir ist es schon passiert, dass wir zum Telefonieren verabredet waren und ich es verpennt habe. Bei einer Auslandsstation ist oft so viel los, dass das untergeht.

Wie schafft ihr es trotzdem, dass eure Beziehung nicht darunter leidet und ihr euch nah bleibt?

David: Klar, das ist eine harte Zeit, wir vermissen uns ja. Aber gleichzeitig wissen wir, dass es irgendwann wieder vorbei ist. Und die Welt bleibt nicht stehen für denjenigen, der gerade zu Hause ist. Wir haben auch hier unsere Freunde und unser Leben.

Lisa: Wir hangeln uns schon von Treffen zu Treffen. Das hat sich nochmal verändert, seit David in Mainz lebt. Früher wohnten wir immerhin in Deutschland in der gleichen Stadt und sahen uns im Normalfall mehrmals pro Woche. 

Die Fernbeziehung von Köln nach Mainz finde ich fast schwieriger als die Auslandsphasen.
Lisa

Inwiefern das denn? 

Lisa: Wir sehen uns jetzt ungefähr alle zwei bis drei Wochen. David hat in Mainz neue Freunde gefunden und will nicht jedes Wochenende in die Heimat fahren – außerdem arbeiten wir beide neben der Uni. Wenn wir uns sehen, versuchen wir, drei oder vier Nächte miteinander zu verbringen und uns eine gute Zeit zu machen. Das ist aber nicht jedes Mal total "special", oft fahren wir zu unseren Eltern oder treffen gemeinsame Freunde. 

Aber trotzdem kommt ihr nie in den täglichen Trott? Es gibt ja Paare, die behaupten, dass die Beziehung gerade dadurch immer aufregend bleibt. 

David: Wir haben noch nie zusammen gewohnt und kennen deshalb keinen gemeinsamen Alltagsstress. Und natürlich freuen wir uns immer darauf, uns zu sehen. Aber wir müssen dann nicht das beste Wochenende unseres Lebens planen. 

Nicht jedes Wochenende muss total "special" sein: David und Lisa sehen sich alle zwei bis drei Wochen. (Bild: Unsplash/Joshua Ness )

Gibt es Termine, zu denen ihr immer versucht, zusammen zu sein? 

Lisa: Auch wenn das vielleicht kitschig klingt: Es ist immer schön, wenn wir Weihnachten und Silvester zusammen verbringen. Bei Geburtstagen haben wir meistens kein gutes Timing, da kommt oft etwas dazwischen. 

Man muss sich irgendwie arrangieren und Kompromisse eingehen – es läuft nicht immer alles so, wie man es gerne hätte.
Lisa

Was ist für euch die größte Herausforderung dabei? Fehlt euch eher das Körperliche oder die emotionale Nähe? 

Sie sind beide kurz still, lachen etwas verlegen, schweigen wieder. 

Lisa: Wenn man immer nur Nachrichten schickt oder telefoniert, dann kommt man schnell dazu, nur noch Fakten auszutauschen: Ich war in der Uni, dann arbeiten, gleich gehe ich schlafen, gute Nacht. Dass dabei die emotionale Verbindung nicht verloren geht, ist für mich eine große Herausforderung. 

David: Es ist immer schwierig, am Ende des Tages noch einmal die lustigsten Sachen zu erzählen. Wenn man vor dem Handy sitzt, überlegt man schon manchmal, was man schreiben soll. Das ist ganz anders, wenn man abends zusammen ist und und locker erzählt. 

Habt ihr denn den Plan, dass es irgendwann anders wird? Dass ihr in den nächsten Jahren zusammenzieht oder vielleicht gemeinsam ins Ausland geht? 

David: Eine gemeinsame Wohnung wäre in jedem Fall ein komplettes Kontrastprogramm. Am Anfang wäre das sicher sehr ungewohnt.

Lisa: David würde schon gerne wieder in Richtung Heimat kommen und einen – in Anführungszeichen – normalen Alltag einführen. Ich bin eher rastlos und möchte gerne noch woanders leben und arbeiten. Wir werden sehen, welchen Kompromiss wir auf lange Sicht finden. 

*Lisa und David heißen eigentlich anders, wollen aber in diesem Interview lieber anonym bleiben. 


Grün

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