Weihnachten ist großartig. Man wird daran erinnert, dass man mehr Zeit mit den Liebsten und der Familie verbringen sollte. Man kuschelt sich zu Hause ein, wird besinnlich, lässt es sich gut gehen.

Trotz der heimeligen Atmosphäre denkt man an andere, spendet Geld und Kleidung, engagiert sich. Man ist erfüllt von vielen Erinnerungen an die Kindheit, ausgelöst von Gerüchen und Geschmäckern. Kurzum: Alles ist toll.

Wären da nicht die Weihnachtsmärkte.
Darf es noch ein "handgearbeitetes" Vogelhaus zu ihrer "Wildschwein"-Wurst sein?

Da stehen Menschenmassen auf frisch aufgeschütteten Holzspähnen, kippen sich gegenseitig überteuerten Glühwein auf die Füße und betrachten das Kunsthandwerk, das witzigerweise auf jedem Markt in Deutschland gleich aussieht. Man isst – wie auf jedem Volksfest – eine verbrannte Bratwurst, ein Burgunderbrötchen und einen Crêpes und kauft danach schnell noch ein paar chinesische Ersatzhandschuhe beim Billigstand.

Zwischen blinkenden Rentierhörnern und schlechter Musik friert man dann gemeinsam und erinnert sich an die "guten alten Zeiten", die man mit dem Geruch des Glühweins verbindet.

Nur hat das heute nicht mehr viel mit "damals" zu tun.
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Das Weihnachten ein christliches Fest ist, sei einmal beiseite gestellt. Das ist den meisten Menschen, mir als Autor eingeschlossen, wohl eigentlich egal. Der Weihnachtsmann ist immerhin auch eine Erfindung aus dem 19. Jahrhundert und Traditionen ändern sich.

Aber Weihnachtsmärkte sind die grauenvolle und überzeichnete Zusammenfassung von allem, was an Weihnachten falsch läuft, wir aber gerne verdrängen: Ekelhafter Konsum von Dingen, die niemand wirklich braucht, beispielsweise. Oder eine kitschige, falsche Plastikkulisse, vor der wir uns mit billigem Süßkram und Alkohol vollstopfen.

Das macht dann zwölf Euro für die drei Glühwein und 2300 Euro Pfand bitte.
Jeder Glühweinverkäufer

All die bunten Fassaden der Fressbuden, die blinkenden Lichter, das falsche Vanille-Aroma und das Holz-Imitat können über die Flohmarkt-Atmosphäre und das Grölen der Betrunkenen nicht hinwegtäuschen. Klar, es gibt einige (regionale) Ausnahmen, aber wer nicht auf dem Dorf oder im Erzgebirge lebt, bekommt davon nichts mit.

Wenn ich wirklich Weihnachten feiern will, dann nicht in der Innenstadt.

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