Weihnachten ist das Fest für die ganze Familie. Aber was, wenn nur noch zwei halbe da sind? Und diese Hälften jeweils 100 Prozent vom Kind für sich haben wollen?

Scheidungskinder haben an Weihnachten den Luxus, doppelt beschenkt zu werden. Und den Stress, die Feiertage irgendwie zwischen Mama, Papa, den einen Großeltern, den anderen Großeltern, dem einen Familienteil des Partners und dem anderen Familienteil des Partners zu planen. Und dabei dreimal Braten zu essen.

Diese Momente kennen Scheidungskinder, die Weihnachten nicht in einer einsamen Skihütte verbringen:

Deine Weihnachtsplanung beginnt schon Anfang Oktober. Du hoffst aber, bis Mitte Dezember feste Zusagen verhindern zu können.
(Bild: Pixabay)
Trotzdem ist dein Terminkalender am 24.12. voller als an einem ganz normalen Arbeitstag. Und die beiden Tage danach auch.
Die Zeit dazwischen verbringst du im Zug, im Auto oder im Bus.
Die Eltern deiner Freundin wollen dieses Jahr auch noch mit dir Weihnachten feiern? Sorry, zieht 'ne Nummer.
(Bild: Giphy )
Kurz vor Weihnachten kommt dann die Killer-Frage: Und bei wem schläfst du?
Wenn sich deine Eltern noch halbwegs gut verstehen – spätestens zu den Feiertagen gibt es wieder Ärger.
Die erste Frage, wenn du nach dem Besuch beim Vater wieder zu deiner Mutter kommst: "Und? War sie auch da?"
Deine Eltern wollen dir jeweils "nur eine Kleinigkeit" schenken – und dann bekommst du zwei neue iPads.
Bei der Übergabe heißt es: "Von deiner anderen Hälfte hast du ja sicher viel mehr bekommen…"
Im Gegenzug musst du dafür aber auch nicht mehr zwei, sondern im schlimmsten Fall gleich vier Menschen beschenken.
Oder deine Eltern erleben gerade jeweils ihren zweiten Frühling. Und sind über Weihnachten im Urlaub. Okay.

Wir haben eine Psychologin gefragt, wie man mit dem Familienspagat umgeht:


Fühlen

Mein Weihnachten ist anders, seit ich es mit Hunderten Fremden feiere

Als ich mit vollem Bauch und einem letzten halben Knödel auf dem Teller den riesigen Tannenbaum betrachte und "Stille Nacht" singe, überrollt mich auf einmal ein so intensives Weihnachtsgefühl, dass ich kurz innehalten muss. 

Ich sehe die Menschen um mich herum an – wir sind einander alle fremd und doch fühle ich mich gerade genau am richtigen Ort und in genau der richtigen Gesellschaft.

Seit fünf Jahren verbringe ich Heiligabend nun schon nicht mehr zu Hause, sondern feiere ihn mit Hunderten Menschen: Bei der Heiligabendfeier für Obdachlose und Einsame in der Hamburger St. Petri-Kirche.

Ich kann mir kein schöneres Fest vorstellen.