Muslime lieben Weihnachten. So wie so ziemlich jedes Fest: In der arabischen Welt wird neben den islamischen Feiertagen auch Ostern, Valentinstag, Halloween und eben Weihnachten gefeiert. 

Allerdings sind die Feiern dort eher folkloristisch: In Geschäften gibt es bunte Deko und Lichter zu kaufen, Restaurants bieten Feiertagsmenüs und irgendwer schmeißt immer eine "Santa Dance Party".

Die Christianisierung des Abendlandes? Ein Händler im ägyptischen Kairo verkauft Tannenbäume aus Plastik.(Bild: Marc Röhlig)
Doch wie feiern Muslime Weihnachten, die in einem christlich geprägten Land leben? 

Gibt es Halal-Plätzchen? Steht ein Tannenbaum im Wohnzimmer? Wir haben Muslime in Deutschland gefragt, was Weihnachten für sie bedeutet. Und welche Traditionen es bei ihnen gibt.

Merve, 25, aus Stuttgart
(Bild: privat)

Meine Familie und ich feiern nicht wirklich Weihnachten – wir haben weder einen Weihnachtsbaum, noch beschenken wir uns an Heiligabend. Wir nutzen das Fest aber, um anderen eine Freude zu machen. 

Tradition ist bei uns, dass wir die Nachbarskinder mit Süßigkeiten beschenken und ihnen eine Karte schreiben. Ich kenne auch Muslime in meinem Umfeld, die an Heiligabend in Altenheime und Krankenhäuser gehen und den Menschen dort einen Besuch abstatten, damit sie nicht allein sind. 

Wir nutzen das Fest, um anderen eine Freude zu machen
Merve

Wir wollen so unsere Wertschätzung zum Ausdruck bringen. Die Nicht-Muslime in der Nachbarschaft wissen auch immer, wann das Opfer- oder Ramadanfest ist und beschenken dann uns mit Kleinigkeiten. Für das Zusammenleben sind solche Gesten unerlässlich – sie symbolisieren einfach Respekt.

In der Adventszeit freue ich mich am meisten auf Plätzchen, den Weihnachtsmarkt und auf das Beisammensein. Die Plätzchen verbinde ich immer mit meiner Kindergartenzeit, an die ich mich wahnsinnig gern erinnere. Dort habe ich meine ersten Plätzchen gegessen. 

Oh, eine richtig harte Weihnachtstradition fällt mir doch ein: Wir ziehen uns jedes Jahr "Kevin allein zu Haus" rein. Und das wirklich, seit ich denken kann.

Benjamin, 22, aus Hamburg
(Bild: privat)

Ich werde an Heiligabend mit anderen Flüchtlingen in die Blankeneser Kirche in Hamburg gehen. Dort schauen wir uns das Krippenspiel an. Die Geschichte von Jesus ist auch für Muslime wichtig. Im Islam gilt er als einer von mehreren Propheten, im Koran heißt er Issa. Wenn er an Weihnachten gewürdigt wird, dann interessiert mich das natürlich. 

Ich werde an Heiligabend mit anderen Flüchtlingen in die Kirche gehen
Benjamin

Ich bin Afghane, wuchs aber im Iran auf. Seit 2016 bin ich in Deutschland – es wird also erst mein zweites Weihnachten. Und dieses Mal freue ich mich richtig drauf. Im letzten Jahr war ich bei einem Fest für Flüchtlinge und Deutsche. Alle haben Geschenke und selbstgekochtes Essen mitgebracht. Wir haben Musik gemacht und getanzt, es war eine richtig schöne Party. 

Weil ich neu in Deutschland war, war mir zunächst nicht nach Tanzen zumute – so fern der Heimat. Aber die Stimmung war so schön, dass ich eine Art inneren Frieden gespürt habe. Weihnachten hat mich beruhigt, die Menschen nahe bei Gott zu sehen, das war eine sehr schöne Erfahrung.

Außerdem habe ich meinen ersten Nikolaus gesehen! Im Iran kennen wir Weihnachtsgeschichten natürlich – also auch Nikolaus. Es hat sich aber nie jemand verkleidet. In Hamburg war ich dann bei einem Fest in einer Kirche, wo ein Nikolaus Geschenke an Flüchtlingskinder verteilt hat. Das Bild werde ich nie vergessen.

Amir, 27, aus Kiel

Meine Familie ist vom Iran nach Deutschland geflohen, als ich sechs Jahre alt war. Allerdings waren wir nicht die ersten: Meine Oma lebte schon seit den Achtzigern in Deutschland. Also war sie es auch, die uns unsere ersten Weihnachtstraditionen beigebracht hat. 

Bei ihr stand immer ein kleiner Weihnachtsbaum aus Plastik im Wohnzimmer. Also hat meine Mutter angefangen, auch Plastikbäume zu kaufen – die zugegeben ziemlich hässlich waren. Erst später sind wir auf echte Tannen umgestiegen. Weil meine Mutter nicht genau wusste, ab wann man einen Weihnachtsbaum hat, stand der immer schon zu Nikolaus in der Wohnung. An Heiligabend hat er dann genadelt.

Meine Mutter kaufte zunächst Plastikbäume – die zugegeben ziemlich hässlich waren
Amir

Weihnachten ist für uns kein religiöses Fest, aber wir gehen trotzdem seit einigen Jahren in die Kirche. Dann beten wir zwar nicht, zünden aber Kerzen an. Ich finde, das ist einfach eine Sache des Respekts. 

Seit mehreren Jahren habe ich eine deutsche Freundin, sie hat uns weitere Traditionen beigebracht. So gibt es seither an Heiligabend zum Beispiel kein persisches Essen mehr, sondern auch mal Gans oder Fondue. Und ich bastele für sie immer einen Adventskalender.


Fühlen

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