Die Züge sind voll Ende Dezember – Kinder fahren zu ihren Eltern. Und freuen sich auf leckeres Essen und Geschenke. Doch wie erleben eigentlich unsere Eltern diese Tage?

Wir haben sechs Eltern* gefragt.

(*Wobei die Väter die Mütter haben reden lassen)

(Bild: Cornelia Jeske)
Cornelia Jeske, 54, aus Hamburg, zwei Töchter im Alter von 15 und 18 Jahren

In diesem Jahr sind meine Töchter zum ersten Mal an Heiligabend nicht da. Bis diesen Sommer haben beide zu Hause gewohnt, meine Jüngste macht gerade ein Auslandsjahr in Arkansas, meine Älteste ist nach dem Abi ein Jahr in Santiago de Chile unterwegs.

Die Kinder werden bestimmt Heimweh haben – und ich auf jeden Fall "Kinderweh". Ich fahre mit meinem Mann zu meiner Mutter und versuche, aus der Situation das Beste zu machen. Es fühlt sich komisch an, dass nur meine halbe Familie da ist.

Weihnachten erinnert mich dieses Jahr an die Feiertage während meiner Studienzeit. Ich bin gespannt, ob ich wieder in die "Kinderrolle" schlüpfe. Einige Dinge ändern sich nie – meine Mutter schenkt mir immer noch einen "süßen Teller", obwohl ich ihr oft gesagt habe, dass ich Süßigkeiten nicht mag. Auch Streit kann an Weihnachten dazugehören. Ich fände es blöd, ihn für die Feiertage künstlich zu verbieten.

Auch wenn meine Kinder dieses Jahr nicht hier sind, ist es mir wichtig, dass sie eine Kleinigkeit zu Weihnachten bekommen. In die USA habe ich ein kleines Päckchen geschickt. Der Freund meiner großen Tochter ist gerade in Santiago de Chile, er soll ihr etwas Nettes von uns kaufen.

Ich freue mich schon, wenn wir Weihnachten alle vier skypen. Ich habe nur ein bisschen Angst, weinen zu müssen.

(Bild: Barbara Jung)
Barbara Jung, 54, aus Achern, einen Sohn im Alter von 18, eine Tochter im Alter von 20

Dieses Jahr freue ich mich ganz besonders darauf, meine Kinder wiederzusehen. Mein Sohn macht gerade ein Au-Pair-Jahr in Spanien, meine Tochter studiert seit Oktober in München Medizin. Sie ist in der Zwischenzeit noch nicht wieder zu Hause gewesen. Obwohl beide nicht mehr zu Hause leben, ist es ihnen wichtig, Weihnachten bei der Familie zu sein. Das finde ich total schön!

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Weihnachten feiern wir traditionell im großen Kreis bei meiner Mutter. Es ist immer ein tolles Fest – mit prächtigem Baum und einem großen Essen. Als ich noch Kind war, hat mein Vater Klavier gespielt und ich habe gesungen. Heute setzt sich mein Sohn an den Flügel.

Vor ein paar Jahren wollten mein Mann und ich uns mal durchsetzen: Wir haben alle zu uns nach Hause eingeladen. Ich fand es nett. Aber beide Kinder meinten, dass es kein richtiges Weihnachten war. Sie kennen das Fest von klein auf nur bei ihren Großeltern, für sie gehört das zu den schönen Kindheitserinnerungen.

(Bild: Doris Hameister)
Doris Hameister, 59, aus Hamburg, zwei Söhne im Alter von 21 und 19 Jahren

Seit zwei Jahren feiern wir Heiligabend bei meinem neuen Lebensgefährten. Wir kochen zusammen, essen gemütlich und spielen anschließend Gesellschaftsspiele. Als meine Kinder klein waren, habe ich oft mit ihnen Kekse gebacken und einen Weihnachtsbaum geschmückt.

Privat ist die Vorweihnachtszeit heute nicht stressig, da mir inzwischen Deko und Traditionen nicht mehr wichtig sind. Der 24. Dezember ist nur beruflich stressig: Ich bin für einen Biomarkt mitverantwortlich. Heiligabend fange ich schon um 6 Uhr an zu arbeiten, anschließend muss ich unser Essen für zu Hause einkaufen.

In der Vorweihnachtszeit nervt mich jedes Jahr die Weihnachtswerbung einiger Supermärkte. Unter dem sinngemäßen Motto "Das schönste Geschenk ist deine Zeit" wird da eine heile Welt mit geschmückten Tischen, lächelnden Menschen und spielenden Kindern präsentiert. Diese Welt gibt es nicht, schon gar nicht an solchen Tagen in der Einzelhandelsbranche.

Gerade dann verbringen Mitarbeiter viel Zeit bei der Arbeit und können eben nicht bei ihrer Familie sein. Ich hatte früher deswegen ein schlechtes Gewissen: Ich hatte das Gefühl, nicht genug für meine Jungs da zu sein. Heute sehe ich das entspannter.

Wenn ich die Haustür hinter mir zu mache, ist der ganze Stress vergessen. Und ich genieße den Abend mit meinen drei Jungs.

Meine Kinder gestalten Weihnachten mit. Mein ältester Sohn bereitet dieses Jahr die Vorspeise und den Nachtisch vor. Was es gibt, ist sein Geheimnis. Geschenke sind meinen Söhnen nicht mehr so wichtig, mein Jüngster will sogar gar nichts. Es ist schön zu sehen, wie die beiden langsam weiter erwachsen werden.

Ich selbst habe Weihnachten als Kind nicht in guter Erinnerung, deshalb habe ich Heiligabend recht früh schon mit Freunden gefeiert. Mir ist es daher so wichtig, dass das Fest bei uns entspannt, locker und liebevoll ist.

(Bild: Geneviève Böttner)
Geneviève Böttner, 52, aus Bordeaux, zwei Töchter im Alter von 21 und 22

Meine jüngere Tochter studiert, sie kommt alle drei Monate nach Hause. Meine ältere Tochter ist zwar öfters bei uns, weil sie in der Nähe eine Ausbildung macht, aber sie ist dann oft mit ihrem Freund zusammen. Weihnachten ist auch für sie etwas Besonderes, sie waren bisher immer dabei.

Ich denke, wir sind recht coole Eltern, es gab auch schon Heiligabende, an denen wir Chips und Wurst gegessen und zu Technomusik getanzt haben. Jedes Jahr ist es anders, es ist immer eine Überraschung.

Ich lebe eigentlich in Deutschland, aber dieses Jahr feiern wir Weihnachten bei meinen Eltern in der Nähe von Bordeaux mit meiner Familie und der meiner Schwester.

Wir bereiten das Fest nicht lang im Voraus vor: Für das Essen schauen wir, was es Leckeres auf dem Markt gibt oder worauf wir gerade Lust haben.

Das einzige, was mich während der Vorbereitungszeit manchmal stresst, sind die Geschenke. Ich möchte natürlich, dass meine Töchter sich freuen. Da frage ich mich oft: Haben wir genug gekauft? Ist es genau das, was sie sich wünschen? Wird es noch rechtzeitig geliefert? Diese kommerzielle Seite des Festes finde ich anstrengend.

(Bild: Larissa Spadi)
Larissa Spadi, 53, aus Höxter, zwei Töchter im Alter von 17 und 20

Wir haben einige Traditionen aus Kasachstan mitgebracht, daher stammt meine Familie. Wir ehren an den Weihnachtstagen besonders die Älteren, meine Töchter kümmern sich zum Beispiel sehr fürsorglich um die Großeltern.

Auch beim Essen denken wir in besonderer Weise an unsere Vorfahren. Die Rezepte für die Gans oder den Kuchen sind seit Generationen in unserer Familie. Es ist, als sitzen dadurch die Seelen der Verstorbenen mit am Tisch.

Im Slider: Wie erleben Nicht-Christen Weihnachten? (Zum ganzen Text geht es hier)

"Ich war eines der wenigen muslimischen Kinder, die an Weihnachten mit zur Kirche gegangen sind. Aber es war immer klar, dass ich Ramadan feiere und dann beschenkt werde."
"Ich selbst bin Atheistin und feiere kein Weihnachten – aber ich glaube, dass es in Zukunft eher ein Familienfest statt einem religiösen Fest sein wird."
"Manchmal vermisse ich in Deutschland die weihnachtliche Stimmung im Ramadanmonat. In arabischen Ländern ist alles zum muslimischen Feiertag geschmückt, es gibt bestimmte Spezialitäten – ähnlich wie hier an Weihnachten."
"Ich feiere Weihnachten mit – obwohl ich einen anderen kulturellen Background habe: Meine Eltern sind in Marokko geboren. Aber ich bin an Heiligabend gerne mit meiner Familie zusammen."
"Früher habe auch ich mich der vorweihnachtlichen Hektik ausgesetzt, aber diese ganze Kommerzialisierung war mir irgendwann zuwider. Mittlerweile bekenne ich mich zum Hinduismus und feiere kein Weihnachten mehr."
"Mein Vater ist Muslim und meine Mutter Christin, aber Weihnachten hat immer eine große Rolle in meiner Familie gespielt. An den Festtagen kommen alle zusammen, es gibt viele Geschenke und viel Essen."
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Für alle ist klar, dass Weihnachten das Fest der Familie ist. Für mich ist es sehr wichtig, dass wir zusammen sind. Es gab noch keinen Heiligabend, an dem meine Töchter nicht mit dabei waren, sie wohnen auch noch bei uns.

Natürlich bedeutet Weihnachten viel Vorbereitung, aber ich mache das gerne – und zum Glück habe ich vor dem Fest Urlaub. Meine Kinder helfen inzwischen auch mit: Unseren Baum hat dieses Jahr zum Beispiel meine große Tochter gekauft. Beide habe die Tanne geschmückt, ich habe sie einfach machen lassen und nur ab und zu aus der Küche einen Blick drauf geworfen. Sieht super aus.

(Bild: Astrid Kleinmann Daferner)
Astrid Kleinmann Daferner, 63, aus Achern, einen Sohn im Alter von 21

Wir feiern recht traditionell Weihnachten und gehen vor Bescherung und Essen in die Kirche. Ich habe jedes Jahr ein leicht schlechtes Gewissen, weil wir den Rest des Jahres wenig hingehen.

Damit am großen Tag nichts schief geht, koche ich mindestens ein Testessen. Mein Mann und ich waren uns in diesem Jahr leider einig, dass die Entenbrust noch nicht perfekt war. Ich probiere weiter. Wir haben zu Weihnachten eine feste Rollenverteilung: Ich kümmere mich ums feste Essen, er sich ums Flüssige. Er hat schon sein Aperitif-Rezept getestet.

Mein Sohn studiert in Heidelberg und wenn er sonst alle zwei bis drei Monate nach Hause kommt, schleudert er meist seine Tasche in die Ecke und trifft sich gleich mit seinen Freunden. An Weihnachten ist das anders – die Tage sind auch bei ihm für die Familie reserviert. Das ist schön.

Die ultimative Umfrage: Feierst du so Weihnachten wie andere Menschen?


Haha

Dieser Typ macht die schlimmsten (aber auch witzigsten) Weihnachtskarten

In den USA gehören persönliche Weihnachtsgrüße zum guten Ton – am besten versammelt sich die ganze Familie für ein schönes Foto. Auch die Familie von Comedian John Cessna macht das an Weihnachten gerne so. Bis zum Jahr 2008.

In dem Jahr konnte John nicht zum Fototermin kommen – seine Mutter empfahl ihm daher, doch wenigstens eigene Karten zu entwerfen: