Bild: unsplash / sarah diniz outeiro
Und ich hatte wegen des Vortäuschens ein schlechtes Gewissen.

Guter Sex endet damit, dass beide kommen. Am besten gleichzeitig. Oder? In Wirklichkeit kommen Frauen beim Hetero-Sex viel seltener als Männer. (Studie) Und sie täuschen den Orgasmus öfter mal nur vor. (Statista)

Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen nennen das den "orgasm gap".

Aber wie kommt man aus der "Orgasmus-Lücke" wieder raus? Wir haben mit drei jungen Frauen gesprochen, die lange keinen Orgasmus bekommen konnten. Sie erzählen, was das mit ihren Partnerschaften gemacht hat – und mit welchen Tricks sie heute doch "kommen".

Marie, 26

Ich dachte immer, ich gehöre zu den wenigen Frauen, die keinen Orgasmus bekommen können. Damit will ich nicht sagen, dass ich Sex nicht mochte –  ich konnte nur nicht "kommen", sogar beim Masturbieren nicht. Ich dachte, das ist bei mir nun mal so. Den Männern, mit denen ich ins Bett ging, sagte ich das auch ganz offen.

Mit 20 hatte ich dann einen Freund, der das nicht akzeptieren wollte. Nachdem wir die unterschiedlichsten Stellungen ausprobiert hatten, kaufte er ein spezielles Heiß-Kalt-Gel. Mit dem rieb ich meine Klitoris ein, meine Haut begann angenehmen zu pulsieren und als er mit seinem Penis in mich eindrang, hatte ich meinen ersten, kleinen Orgasmus: Ich war hin und weg. Nicht, weil das Gefühl so umwerfend war, sondern, weil ich einfach nicht damit gerechnet hatte "orgasmusfähig" zu sein.

Ich fand heraus, dass ich noch besser zum Höhepunkt komme, wenn ich beim Sex meine unteren Bauchmuskeln anspanne und mich ein bisschen nach rechts und links bewege. Seitdem ich das weiß, habe ich eigentlich keine Probleme mehr, einen Orgasmus zu haben. Auch ohne Gel.

Nach meinem ersten, richtigen Orgasmus fiel mir ein, dass ich doch schon mal einen gehabt hatte: In der Grundschule, beim Stangenklettern. Das war dasselbe wohlig, warme Gefühl, das den gesamten Körper durchzuckt. So wie heute beim Sex.

Luisa, 30

(Bild: Privat)

Mein erstes Mal war schön. Ich hatte keine Schmerzen. Einen Orgasmus hatte ich aber nicht, als er mit seinem Penis in mich eindrang, sondern als er mich oral befriedigte und beim Petting. Ich fand das nicht schlimm, wir hatten ja trotzdem Spaß im Bett.

Nach ein paar Monaten fragte ich mich aber, ob mit mir etwas nicht stimmt. Das hat mich ziemlich verunsichert. Besonders, weil meine Freundinnen immer behaupteten beim vaginalen Orgasmus keine Probleme zu haben. Mittlerweile weiß ich, dass das bei vielen nicht stimmte – sie wollten nur einfach nicht darüber reden.

Später hatte ich eine Affäre mit einem erfahrenen Mann – das war wie eine Offenbarung. Während er in mich eindrang stimulierte er mich auch klitoral, mit den Fingern. In jeder Stellung. Das war sehr intensiv. In dem Moment wurde mir klar, dass ich völlig normal bin.

„Ob ich einen Orgasmus bekomme ist einfach eine Frage der Technik.“

Bei mir liegt die Klitoriseichel, also der äußere Teil der Klitoris, etwas entfernt vom vaginalen Eingang und wird von den äußeren Schamlippen versteckt. Beim Penetrieren kommt der Penis deshalb schlecht an sie heran. Die Klitoris ist aber mit vielen Nerven durchzogen und das wichtigste Lustorgan der Frau.

Frauen, bei denen die Eichel der Klitoris näher am Eingang der Vagina sitzt, haben es leichter, beim Sex durch Penetration zu kommen. Diesen anatomischen Vorteil haben aber wenige Frauen.

Bei mir müssen die Finger oder ein vibrierendes Spielzeug helfen. Das zu erkennen, war für meine sexuelle Entwicklung sehr wichtig. Vielen meine Freundinnen geht es ähnlich. Aber einige Männer wissen das nicht oder ignorieren es.

Merke ich heute, dass ich beim Sex nicht komme, weil der Mann sich zu sehr auf meine Vagina konzentriert, lege ich deshalb selbst Hand an oder erkläre ihm das kurz. Die meisten reagieren positiv, und finden es erregend, dass ich so entschieden bin. Früher hätte ich mich das nicht getraut.

Anja, 27

Ich hatte eigentlich nie Probleme, einen Orgasmus zu bekommen – zumindest nicht mit mir alleine. Das erste Mal masturbierte ich mit 14 Jahren. Meine Freundinnen hatten mir erzählt, wie toll sich das anfühlt. Der Orgasmus war ein Feuerwerk und ich fing an, mich regelmäßig selbst zu befriedigen.

„Damals war ich noch Jungfrau und hätte nie gedacht, dass ich beim Sex mit einem Mann keinen Orgasmus haben würde.“

Aber so war es: Vier Jahre später hatte ich Sex. Ich war gerade 18 Jahre geworden, betrunken und hatte den Typen gerade erst kennengelernt. Eigentlich dachte ich immer, dass mein erstes Mal etwas Besonders werden soll. Es hat wehgetan, einen Orgasmus hatte ich nicht und den Typen sah ich nie wieder.

Bei meinem ersten Freund dachte ich: Okay, mit ihm wird es sicher besser. Wir sind schließlich verliebt. Aber trotz Liebe gab es keinen Orgasmus. Ich fing an, meine Orgasmen vorzutäuschen – und mit den Monaten wurde das Vortäuschen zur Routine.

Ich bekam ein schlechtes Gewissen. Und obwohl die Beziehung sonst richtig gut lief, wurde der Sex immer frustrierender. Nach einem halben Jahr nahm ich meinen Mut zusammen und sagte meinem Freund die Wahrheit.

Er war ziemlich enttäuscht. Die Wahrheit zu sagen, war trotzdem gut: Wir begannen zu experimentieren, probierten verschiedene Stellungen aus und ich traute mich, ihm zu sagen, was mir gefällt – und was nicht.

Den ersten Orgasmus hatte ich dann in der Doggy-Position. Ich kniete vor ihm und er drang von hinten in mich ein. Mit dem Mann bin ich nicht mehr zusammen – das "Hündchen" ist aber meine Lieblingsposition geblieben.


Gerechtigkeit

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