"Hätten wir den besten Sex unseres Lebens gehabt?"

Manchmal passt es einfach. Egal ob Freund von einer Freundin, Urlaubsflirt, Tinderdate oder alte Bekannte aus der Schule: Wir treffen in unserem Leben auf Menschen, die wir anziehend finden und mit denen wir uns vorstellen könnten, mehr als nur Freunde zu sein.

Doch was ist, wenn es nur bei dieser Vorstellung bleibt? Wenn beide sich gut, aber nie zueinander finden. Wenn man sich immer wieder fragt: "Was wäre, wenn?"

Solche Menschen geistern für immer in unseren Köpfen rum. Sie stehen für verpasste Chancen und nie gelebte Erfahrungen. Es bringt nichts, ihnen nachzuheulen und doch denken wir an sie.

Bei mir heißt sie Marie. 

Ihren Namen habe ich geändert, aber es gibt sie wirklich.

Ich lernte sie mit 16 bei einem DVD-Abend über eine Freundin kennen. Sofort verknallte ich mich in dieses zierliche, blonde Mädchen mit dem umwerfenden Lächeln und der offenen Art. 

Sie hatte zwar einen Freund, ein paar Tage später trafen wir uns trotzdem auf einen Kaffee. Es war perfekt. Wir waren beide der Meinung, dass Partys nur mit viel Alkohol und Zigaretten erst richtige Partys waren, dass Matthias Schweighöfer in seinen Filmen früher besser, aber immer noch "sweet" war, und dass man nie genug Kaffee trinken konnte. Wir wussten beide nicht, was wir nach der Schule machen wollten, mussten aber natürlich erst mal reisen. Aber bitte nicht nach Australien oder Neuseeland. Das machte ja jeder. Wir waren ganz einfach typische Teenager.

Beim zweiten Date lud sie mich zu sich nach Hause ein. Trotz ihres Freundes küssten wir uns. Für mich spielte er irgendwie keine Rolle, dass sie vergeben war. 

„Sie war so schön und wir verstanden uns so gut, ich blendete ihren Freund einfach aus.“

Sie anscheinend nicht. Denn einen Tag später bekam ich eine Nachricht von ihr. Sie hätte das zwar alles sehr genossen, wollte aber mit ihrem Freund zusammenbleiben. Das war ein harter Schlag. Ich hatte mir mehr erhofft. Es hatte sich alles so richtig angefühlt.

Natürlich kam ich darüber hinweg und lernte andere Frauen kennen, sie blieb auch noch ein paar Jahre mit ihrem Freund zusammen.

Doch der Kontakt zwischen uns brach nie ab. Wir hielten uns auf dem Laufenden. Nach drei Jahren trennte sie sich von ihrem Freund und meldete sich bei mir. Wir tranken wieder Kaffee und knutschten danach wild auf einer Parkbank rum. Zu mehr kam es nicht. Eine Woche später ging sie nach Köln zum Studieren und ich blieb in unserer Heimatstadt. Sie meldete sich, wenn sie Zuhause bei ihren Eltern war.

Irgendwann sprachen wir auch über dieses Knistern zwischen uns. Wir waren uns beide einig: Hier gab es auf jeden Fall eine sexuelle Spannung. Ihr Blick danach in ihre Kaffeetasse, das tiefe Luftholen und die Bemerkung, dass sie deswegen gerne mal mit mir schlafen würde, werde ich nie vergessen. Sie sah so gut aus in ihrem weißen Pulli und der schwarzen Jeans und sagte auch noch so was. 

„Ich fiel vor Erregung fast vom Stuhl.“

Aber zu all dem kam es nie. Auch nicht, als sie mich in meiner Wohnung besuchte und ich mich gerade von einer Frau getrennt hatte. 

Wir landeten in meiner Küche wieder beim Kaffee und redeten über Gott und die Welt. Ich ärgere mich immer noch, dass ich sie nicht einfach geküsst habe. Vielleicht lag es daran, dass ich mit den Gedanken noch bei meiner Ex-Freundin war, aber ich frage mich bis heute, warum wir diesen Nachmittag nicht in meinem Bett verbracht haben. Sie war Single, ich auch, die Lust war da und Kondome lagen im Nachttisch – es hätte alles gepasst. 

Danach brach unser Kontakt ab. Nicht ganz abrupt, aber wir ließen beide weniger voneinander hören und hatten wieder neue Beziehungen.

Manchmal denke ich noch an diesen Nachmittag zurück und frage mich, wie der Sex gewesen wäre. Hätten wir den besten Sex unseres Lebens gehabt? Wäre er wild oder zärtlich gewesen? Aber vor allem, was wäre danach passiert? Wären wir zusammengekommen und hätten uns verliebt? Hätten wir zusammen die Welt bereist und würden heute zusammenwohnen?    

„Ich würde unglaublich gerne die Zeit zurückdrehen.“

Nur um zu wissen, was gewesen wäre, wenn wir uns anders entschieden hätten. 

Aber machen wir uns nichts vor. Im Grunde kannten wir uns kaum. Die paar Stunden Kaffee-Trinken, reichen nicht, um einen Menschen wirklich kennenzulernen. Und trotzdem war da immer diese Spannung. Diese Lust aufeinander.

Vielleicht war es auch genau das. Vielleicht ging es bei uns beiden mehr um die Spannung, als um die Person. Es sind doch eben die Momente, kurz vor dem ersten Kuss oder kurz vor dem ersten Mal, die eine Sache so spannend machen.

Vielleicht genossen Marie und ich einfach einen überlangen Moment genau dieser Spannung, indem wir uns immer nur eine kleine Dosis voneinander gönnten. So konnten wir uns zwar nicht näher kennenlernen, aber auch nicht enttäuschen. 

Mittlerweile bin ich glücklich mit einer anderen Frau zusammen. Es war auch nie so, dass ich wegen Marie unglücklich war. Sie ist einfach das Symbol für eine Möglichkeit in meinem Leben, die zum Greifen nah war, die ich aber nie wahrgenommen habe. Das lässt sich nicht ändern. Aber dafür bleibt sie mein "Was-wäre-wenn"-Mensch. Wahrscheinlich für immer.

Ob ich auch ihrer bin, werde ich nie erfahren. 


Today

Was machen Menschen, die Valentin heißen, am Valentinstag? Wir haben sie gefragt
"Do you wanna be my valentine?"

Am Valentinstag gibt es jedes Jahr zwei ziemlich ungleiche, wenn nicht sogar verfeindete Gruppen von Menschen: Diejenigen, die den Valentinstag einfach in Ruhe feiern wollen und diejenigen, denen der "Tag der Liebe" nicht egaler sein könnte. 

Es gibt aber eine Gruppe, die seit Jahren von allen vergessen wird: Nämlich diejenigen, die mit Vornamen Valentin heißen. Wie geht es ihnen eigentlich an ihrem großen Tag – dem Valentinstag?   

Wir haben vier von ihnen gefragt.

Werden sie wegen ihres Namens angesprochen oder müssen sie sich sogar blöde Sprüche zum Valentinstag anhören? Sind sie hoffnungslose Romantiker und wie verbringt man als Valentin eigentlich den Valentinstag? 

Philipp, 18, heißt mit Zweitnamen Valentin, studiert Wirtschaftswissenschaften.

Es ist nicht so, als würde mir mein Zweitname Glück in der Liebe bringen. Die Geschichte klingt für Außenstehende vielleicht etwas unglaubwürdig, aber Zufälle soll es ja geben: Meine Ex-Freundin hieß Julia und sie hat mich mit einem Roman betrogen. Roman klingt ein bisschen wie Romeo. Romeo und Julia betrügen Valentin.