Beim Gedanken an Weihnachtsgeschenke empfinde ich hauptsächlich eines: Stress.

Hast du schon alle Geschenke zusammen?“, unterhalten sich die Kollegen am Mittagstisch. Während Amazon-Wunschlisten erörtert werden, schneide ich mir ein dickes Stück Steak ab. Weihnachten, wir sind hier unter uns, dreht sich doch schon lange nicht mehr um den altruistischen Part des Schenkens.

(Bild: Dan Century / CC BY-SA)

Beim Gedanken an Weihnachtsgeschenke empfinde ich hauptsächlich eines: Stress. Ich stelle mir vor, wie ich ideenringend in schlecht durchlüfteten Läden stehe und durch die Regale streife, immer die Augen offen haltend nach dem allerbesten Film, dem spannendsten Buch, dem Design-Kerzenständer von Hay. Um gefühlte 55 Euro. Ein Konstrukt aus Pflichtempfinden und Großzügigkeit hält den Brauch am Laufen. Unterstützt von Industrie und Kindheitsnostalgie, um sich am 24. Dezember nicht dafür schämen zu müssen, keine inspirierenden Gedanken gehabt zu haben. Oder einfach keine Zeit.

Unter der kostbar geschmückten Tannenzucht liegt im besten Fall ein Gegenstand, den man nach dem Kaufen schon wieder vergessen hat. So funktioniert das Geschäft seit Jahrzehnten: Aus Angst, die Ansprüche des Gegenübers nicht zu erfüllen, bürdet man sich in der angeblich besinnlichsten Zeit des Jahres zusätzliche Aufgaben auf. Zum Ausgleich sitzt man dann vor versammelter Mannschaft vor dem Baum und muss sich über Socken und das falsche Parfüm freuen.

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Was die Geste des Schenkens mit Liebe zu tun hat, frage ich mich. Ich liebe meine Familie und meine engsten Freunde das ganze Jahr über, und das wissen sie. Um das zu demonstrieren, suche ich lieber das Gespräch, als zwei Tage vor dem 24. panisch nach Bestsellerlisten zu googeln. In manchen Fällen funktionieren Geschenke ja überhaupt erst als Kompensation dessen, was über die Jahre hinweg vernachlässigt wurde. Statt sich künstlich für Geschirr und nicht zum eigenen Stil passende Ohrringe bedanken zu müssen, könnte man die in Kaufhäusern verbrachten Samstage auch gemeinsam auf der Couch sitzen. Oder spazieren gehen.

Es geht mir weder um antikapitalistische Ideologien, noch um bewussten Verzicht. Ich konsumiere das Jahr über viel zu viel, um hier einen auf Moralapostel zu machen. Der Hauptgrund, warum ich nichts schenke, ist auch nicht jener, dass ich eine herzlose Geizhälsin bin. Es verursacht mir schlichtweg Magenkrämpfe, mich wegen eines solchen Anlasses derart unter Druck zu setzen.

Schenken ist zur Pflichtveranstaltung verkommen, zum Muss. Wie oft habe ich meine Freunde in letzter Zeit sagen hören, dass sie “keine Zeit hätten“, weil sie noch Weihnachtsgeschenke besorgen müssten. Kann man den Part nicht bitte weglassen und einfach zum gemeinsamen Essen übergehen? Einkaufen im Weihnachtstrubel ist vor allem eines: unbefriedigend.

(Bild: flickr.com / Mario Mancuso (cc by)

Sowieso ist alles jederzeit käuflich erwerblich. Das neue Game? Kauf ich mir als erwachsener Mensch selbst. Am besten noch am Erscheinungstag. Ja, und warum auch nicht? Die Tradition zu warten kann gleich mit hinterfragt werden. Wenn etwas nur dann einen besonderen Wert erlangen kann, wenn man es künstlich wegsperrt, um es dann an einem besonderen Anlass mit billigem Glitzerpapier zu umhüllen, spricht das nicht unbedingt für die Sache.

Ich hätte ein paar Geschenkideen, die man nicht kaufen kann: Einen in Ruhe zusammen verbrachten Abend, offline. Lachen im Bett. Streicheleinheiten. Eine Tasse Tee mit den besten Freundinnen. Den Moment des langersehnten Wiedersehens. Zu sagen, wie sehr man sich vermisst hat und wieder vermissen wird. Dass man den anderen nicht vergisst.

Und das nächste Treffen kaum erwarten kann.

(Bild: flickr.com / Cliff (cc by)