Hast du ein Vorbild?
Timm, 17, wohnt in der Nähe von Hamburg. In wenigen Tagen wird er für ein Jahr nach Spanien gehen. Danach möchte er Journalismus studieren

Mein Held ist Troye Sivan. Er ist ein Musiker und LGBT-Aktivist aus Australien. Er hat mein Leben stark beeinflusst.

Auf seinem YouTube-Kanal hatte er ein Video hochgeladen, indem er sein Coming-Out erklärt hat. Ich sah dieses Video in einer schwierigen Phase meines Lebens, meine Noten wurden schlechter, ich habe mich nicht mehr oft mit Freunden getroffen.

Ich fragte mich, wie Troye so offen damit umgehen kann – bis mir klar wurde: Wenn er das kann, kann ich das auch.

Anfang des Jahres sagte ich meinen Freuden, dass ich schwul bin. Sie reagierten locker und motivierten mich, das meinen Eltern zu sagen. Auch meine Mutter reagierte letztlich entspannt.

Troye Sivan vermittelt die Grundeinstellung, dass man jeden akzeptieren sollte. Das finde ich cool an ihm. In Zukunft möchte ich offener damit umgehen. Wenn ich in Spanien bin oder mein Studium beginne, möchte ich keine Ausreden erfinden. Ich weiß nicht, ob ich das ohne ihn gekonnt hätte.

Im Slider: So sehen die Helden aus
Wir haben Abiturienten gefragt: Wer ist dein Held?
Timm sagt: "Ich fragte mich, wie Troye so offen damit umgehen kann – bis mir klar wurde: Wenn er das kann, kann ich das auch."
Heute produziert Taddl keine YouTube-Videos mehr, er macht vor allem Musik. So inszeniert er sich auf Instagram.
Sie sagt: "Umso mehr Menschen man als Vorbilder sieht, umso mehr Inspiration bekommt man."
Sie sagt: "Meine Familie ist mein Held. Sie inspirieren mich und versuchen, mir immer zu helfen."
Den ganzen Helden-Artikel lest ihr hier.
1/12
Klara aus Kreuztal, 17, muss noch ein Jahr zur Schule gehen. Nach dem Abitur möchte sie Medizin studieren

In der Schule war ich einmal auf Ski-Freizeit. Ich hatte meine Bibel dabei und las abends darin. Am nächsten Tag, beim Frühstück, machten meine Freunde sich darüber lustig. Ich fand das nicht so schlimm, trotzdem sagte ich, dass ich dazu stehe.

Ich kann mir mein Leben ohne Jesus nicht vorstellen. Ich wachse in einer Generation auf, in der moralische Werte nicht mehr wichtig sind. Jesus aber lebte bedingungslose Nächstenliebe vor.

Ich versuche das in meinem Alltag oft anzuwenden. Wenn ich zum Beispiel sehe, dass in der Schule über jemanden gelästert wird, versuche ich, nicht mitzureden oder sage, dass das nicht okay ist.

Ich war schon immer sehr gläubig. Meine Eltern nahmen mich oft mit in die Gemeinde. Später beschäftigte ich mich intensiver mit der Bibel.

Heute betrachte ich Jesus als meinen Helden. Er inspiriert mich durch biblische Texte, die ich oft auf mein Leben übertrage. Wenn ich unsicher bin, frage ich mich, wie würde Jesus handeln? Ich habe das Gefühl, dass er mich auffordert, das Beste aus mir zu holen und dass er mich auffängt, wenn es mal nicht so gut läuft. Auch wenn viele das anders sehen: Ich bin froh, dass ich an Jesus glaube.

Seda, 18, kommt aus Dortmund und geht noch ein Jahr auf ein Wirtschaftsgymnasium

Ich rede oft mit meiner Familie über die Zeit nach der Schule. Ich will zwar unbedingt studieren, aber ich weiß noch nicht was. Meine Familie versucht, mir Orientierung zu geben.

Meine Mutter sagt, ich soll Jura studieren. Mein Vater tendiert eher zu Lehramt. Mir ist das manchmal unangenehm, weil ich einfach kein Ziel habe. Aber meine Eltern sagen mir immer, dass ich das machen soll, was mir gefällt. Das finde ich toll.

Deswegen ist meine Familie auch mein Held. Sie inspirieren mich und versuchen, mir immer zu helfen. Meine Mutter arbeitet sehr viel und ist oft erschöpft, aber sie versucht dennoch, immer für mich da zu sein. Das fasziniert mich.

Auch mein Bruder ist eine große Unterstützung für mich. Ich glaube, er merkt, dass ich noch sehr orientierungslos bin. In diesem Jahr motivierte er mich, an einer Sommerschule teilzunehmen. Dort gab es Workshops zur Selbstfindung. Das hat mir sehr geholfen.

Meine Familie gibt mir das Gefühl, dass sie immer hinter mir stehen – egal, was ich nach dem Abitur mache.

Im Slider: Wer bin ich? Was will ich? Diese bento-Texte geben Antworten
1/12
Metin, 18, lebt in Dortmund und hat noch zwei Jahre vor sich

Früher war Taddl Tjarks mein Held. Bei YouTube lud er Tutorials zu Grafikdesign und Gaming hoch. Bevor ich in die Oberstufe kam, wollte ich deswegen unbedingt etwas mit Mediendesign machen. Er hat mich inspiriert.

In meiner Freizeit mache ich viel mit Grafikdesign. Ein Freund von mir ist Rapper, für ihn erstelle ich zum Beispiel Bilder und Videos. Das habe ich alles von Taddl Tjarks gelernt.

Eine zeitlang hat er mich auch sonst beeinflusst: In seinen Videos wirkte er immer sehr ruhig und hinterfragte vieles. So wurde ich auch. Es gab sogar eine Zeit, in der ich immer dachte: Was würde Taddl jetzt tun? Ich wollte so sein wie er.

Mittlerweile denke ich aber anders. Ich möchte mich auf keine Person versteifen, sondern einfach so sein, wie ich es möchte. Deswegen habe ich zurzeit keinen Helden. Und Mediendesign möchte ich auch nicht mehr studieren, sondern Elektrotechnik.

Maram, 18, aus Karlsruhe, hat dieses Jahr ihr Abitur gemacht. Sie wird Architektur studieren.

Helden sind Menschen, die andere inspirieren. Aktivisten, YouTuber oder auch Demonstranten. Diese Menschen beeindrucken mich, weil sie etwas verändern wollen.

Aktivisten sind für mich zum Beispiel auch Leute, die über Zustände in anderen Ländern twittern, wie zum Beispiel Ägypten oder Palästina. Wer Spenden sammelt oder auch Demonstrationen organisiert, ist ein Held.

Ich finde allerdings, dass wir in Deutschland zu wenig Helden haben. Klar, gibt es einige, die in Flüchtlingsheimen helfen. Aber wir brauchen mehr davon!

Ich selbst war schon auf vielen Demonstrationen, zum Beispiel auf einer Anti-Kriegs-Demonstration. Auf Twitter schreibe ich viel über den Syrienkrieg und über den Israel-Palästina-Konflikt.

Aktivisten inspirieren mich. Egal, für was sie sich einsetzten. Deswegen habe ich nicht nur einen Helden, sondern mehrere. Umso mehr Menschen man als Vorbilder sieht, umso mehr Inspiration bekommt man.

Ferdinand, 18, aus München, hat dieses Jahr Abitur gemacht. Ab Oktober studiert er Jura. Sein großer Traum: Bundestagsabgeordneter werden.

Ich habe mich bereits in der Schule für Geschichte und Politik interessiert. Einer meiner Lehrer empfahl mir deswegen, mich selbst zu engagieren.

Dabei sind für mich die sozialdemokratischen Werte Leitmotive: Freiheit, Gleichheit und Solidarität. Ich finde, dass gerade Willy Brandt sich für diese Ideen eingesetzt hat. Deswegen ist er auch mein Held.

Er setzte Reformen durch, die Deutschland demokratischer und offener gemacht haben. Er war ein Brückenbauer, er brachte Menschen zusammen, setzte sich für soziale Gerechtigkeit ein. Brandt war ein Politiker, dessen Ideale sich auch in seinem alltäglichen Handeln widerspiegelten. Das fasziniert mich. Besonders, dass dass er niemals aufgegeben hat.

In der 11. Klasse war ich häufiger krank und einige Lehrer meinten, dass ich die Jahrgangsstufe wiederholen müsse. Aber ich lernte dennoch viel und schrieb sehr gute Noten. Als ich auch noch ein sehr gutes Abitur hinlegte, waren gerade diese Lehrer sehr erstaunt.

Ich finde, dass man seinen Helden im Allgemeinen nicht überhöhen sollte. Ein Held sollte einen vor allem inspirieren, etwas zu tun und Dinge zu bewegen. Willy Brandt ist für mich ein großes Vorbild. Er zeigt, dass man die Welt mit einer menschlichen Vision zum Besseren verändern kann.

Mehr Helden


Today

Das Leben von Britney Spears wird verfilmt

Das Leben von Britney Spears ist ein Auf und Ab. Sie hatte Riesenhits wie "Baby One More Time" oder "Oops! I Did It Again". Aber auch Tiefpunkte: Drogenprobleme, eine gescheiterte Ehe mit Kevin Federline und der kurzzeitige Entzug des Sorgerechts für ihre Kinder. All das und noch viel mehr soll jetzt verfilmt werden. "Britney" soll der zweistündige Film über das Leben von Britney Spears ganz schlicht heißen (Rolling Stone).