Bild: Pixabay

Viel Zeit mit Freunden zu verbringen, macht glücklich. Oder? Zumindest für einige Menschen ist das wohl falsch, belegt eine neue Studie. Die erstaunliche Erkenntnis:

Je mehr Zeit intelligente Menschen mit Freunden verbringen, desto trauriger sind sie.

Also sofort das Handy ausschalten und alle Kontakte löschen? Ganz so einfach ist es nicht. Aber wer sich nach der Studie der Evolutionspsychologen Satoshi Kanazawa und Norman Li richtet, sollte tatsächlich ein Leben als Einsiedler ernsthaft in Betracht ziehen.

Was haben die Forscher genau herausgefunden?

Im Kern haben sie zwei Thesen statistisch belegt:

  1. Je dichter das Gebiet besiedelt ist, in dem die Befragten leben, desto unglücklicher fühlen sie sich. Diese Erkenntnis ist nicht neu, viele andere Studien kommen zu einem ähnlichen Ergebnis. Man kann also davon ausgehen, dass Dorfbewohner sich im Schnitt wirklich glücklicher fühlen als Großstädter.
  2. Je mehr Zeit die Befragten mit engen Freunden verbringen, desto glücklicher fühlen sie sich. Vereinfacht: Gute Freunde machen glücklich. Aber es gibt eine Ausnahme, für besonders intelligente Menschen scheint das nicht zu gelten. Sie sind mit mehr Freunden unglücklicher. Und auch die Bevölkerungsdichte wirkt sich auf das Glücksgefühl dieser Menschen viel weniger aus als auf das Glücksempfinden von Menschen mit niedrigem IQ.
Wer gilt als überdurchschnittlich intelligent?
  • Befragte mit einem IQ von über 116. Durchschnittlich ist ein IQ-Wert zwischen 90 bis 109.
Wie messen die Forscher Glück?

Sie fragen die Menschen einfach. Die Befragten mussten auf einer Skala von eins bis fünf angeben, wie glücklich sie sich fühlen.

Diese Methode ist nicht die einzige mögliche Art, Glück zu messen: Andere Forscher fragen stattdessen nach vermeintlich objektiveren Kriterien – zum Beispiel wie häufig die Befragten am Tag lachen. Satoshi Kanazawa und Norman Li versichern aber: Ihre Erkenntnisse sollen unabhängig davon gelten, wie man Glück misst.

Wer wurde befragt?

Insgesamt werteten Satoshi Kanazawa und Norman Li 15.000 Interviews mit Erwachsenen im Alter zwischen 18 und 29 Jahren aus. Es kann also sein, dass ältere Menschen anders antworten würden.

Warum machen Freunde intelligente Menschen unglücklich?

Die beiden Autoren der Studie sind Evolutionspsychologen und führen ihre Beobachtungen auf das Leben unser Vorfahren zurück. Sie erklären ihre Ergebnisse mit der sogenannten Savannen-Theorie. Die basiert auf einer simplen Annahme: Die Dinge, die uns in der Frühzeit glücklich machten, machen das auch heute noch, weil sich unser Gehirn seitdem nicht wesentlich weiterentwickelt hat. Es ist immer noch am besten geeignet für ein Leben in kleinen Gemeinschaften, mit viel Kontakt zu langjährigen Freunden.

Unser Lebensstil hingegen hat sich seitdem völlig verändert. Ständig erreichen uns WhatsApp-Nachrichten, wir sind von vielen verschiedenen Menschen umgeben, Freundschaften halten nicht immer ewig.

Das Fazit der Autoren: Wozu unsere Gehirne ursprünglich einmal gedacht waren und wie wir tatsächlich leben, passt nicht mehr zusammen. Intelligente Menschen können mit dieser Diskrepanz besser umgehen als weniger intelligente Menschen. Sie können es also auch leichter verkraften, wenn sie weniger Kontakt zu Freunden haben als unsere Vorfahren.

Eine alternative Erklärung liefert die Glücksforscherin Carol Graham. Ihre Vermutung: Intelligente Menschen arbeiten auf ein längerfristiges Ziel hin. Viel Zeit mit Freunden zu verbringen, behindere sie bei der Verfolgung dieser Ziele. Das macht sie unzufrieden. (Washington Post)

Kann man sich auf die Ergebnisse verlassen?

Die Savannen-Theorie ist nicht viel mehr als eine Annahme der Forscher, zu der sie nun passende statistische Ergebnisse gefunden haben. Die Ergebnisse machen es wahrscheinlicher, dass die Savannen-Theorie wirklich stimmt. Mehr aber auch nicht.

Die grundlegenden Annahmen der Evolutionspsychologie stehen allerdings bereits seit längerer Zeit in der Kritik. Sind wirklich so elementare Gefühle wie Glück und Zufriedenheit nur auf die Lebensgewohnheiten unserer Vorfahren zurückzuführen?

Dazu kommt: Satoshi Kanazawas ist auch als Wissenschaftler umstritten. 2011 behauptete er in einem Blogpost, eine Umfrage zeige, dass schwarze Frauen deutlich unattraktiver sind als weiße, asiatische und amerikanische Ureinwohner. (IBTimes)

Die statistischen Zusammenhänge hingegen sind gut belegt. Die Studie wurde im renommierten "British Journal of Psychology" veröffentlicht. Hätten Kanazawa und Li unsauber gearbeitet, wäre das wohl aufgefallen. Trotzdem haben die Forscher nur eine Korrelation bewiesen – einen kausalen Zusammenhang zwischen Freundschaft, Intelligenz und Bevölkerungsdichte konnten sie nicht zweifelsfrei zeigen. Auch andere Dinge, die in der Studie nicht abgefragt wurden, könnten die Ergebnisse beeinflusst haben.

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