Bild: Natural Cycles
Was ist passiert?

In Schweden sind 37 Frauen binnen drei Monaten ungewollt schwanger geworden, weil sie sich auf die Verhütungs-App "Natural Cycles" verlassen haben sollen. Diese Fälle wurden an nur einem einzigen Klinikum in Stockholm bekannt, weil sich die Frauen dort nach einer Abtreibung erkundigten. Das Klinikum schaltete daraufhin die schwedische Arzneimittelbehörde ein (SVT). Über weitere ungewollte Schwangerschaften im Zusammenhang mit der App ist noch nichts bekannt.

Dass die meisten Zyklus-Apps nicht besonders sicher sind, ist bekannt. Wieso ist das trotzdem brisant?

Die Entwickler der App präsentieren die Methode als natürliche und gleichzeitig sichere Alternative zur hormonellen Verhütung. Für 65 Euro im Jahr bekommen die Nutzerinnen neben der App ein Basalthermometer. Jeden Morgen soll die Frau damit ihre Temperatur messen. 

Ein Algorithmus errechnet daraus, wie hoch für sie gerade die Wahrscheinlichkeit ist, schwanger zu werden. Die App sagt dann, ob beim Sex eine zusätzliche Verhütungsmethode benutzt werden muss oder nicht.

700.000 Nutzerinnen hat "Natural Cycles" weltweit (Telegraph), darunter auch Frauen aus Deutschland. Das Physiker-Ehepaar Elina Berglund und Raoul Scherwitzl gründeten die App als Start-Up, dessen Sitz mittlerweile in Schweden ist. Laut ihrer Website haben die "Natural Cycles" entwickelt, weil sie selbst auf der Suche nach einer natürlichen Verhütungsmethode waren.

Berglund und Scherwitzl bewerben sie als "einzige zertifizierte App", die bereits in zwei klinischen Studien getestet wurde. Eine davon, an der fast 23.000 Frauen teilnahmen, ergab, dass die App zu 93 Prozent sicher sei. 

Seit August 2017 ist "Natural Cycles" die einzige Verhütungs-App, die von der EU als Verhütungsmethode anerkannt wird (The Week).

(Bild: Natural Cycles)
Wie reagieren die Gründer auf die ungewollten Schwangerschaften?

Raoul Scherwitzl sagte, ihn würde die Meldung aus Schweden nicht überraschen (Business Insider). Seine Begründung: Die App sei eben nicht zu 100 Prozent sicher. Außerdem sei es wie bei der Pille. Manche Frauen nehmen sie jeden Tag, manche eben nicht. 

Er sieht den Fehler also bei den Frauen, die die App möglicherweise nicht korrekt angewandt haben.

Wie funktioniert die App?

Die App zeigt etwa zehn rote Tage pro Zyklus an, an denen ein zusätzlicher Schutz beim Sex verwendet werden sollte. Die Zahl der roten Tage erhöht sich, wenn der Zyklus unregelmäßig ist. Außerdem sollten Nutzerinnen auf die Körpertemperatur achten. Sie verändert sich, wenn man sich krank fühlt, verkatert ist oder zwei Stunden mehr oder zwei Stunden weniger als normal geschlafen hat. Diese Abweichungen lassen sich zwar in die App eintragen, dadurch steigt die Zahl der roten Tage aber noch einmal. 

So kann es sein, dass über die Hälfte des Zyklus rote Tage angezeigt werden. 

"Natural Cycles" berücksichtigt neben der Temperatur, den LH-(Ovulation)-Tests und die Spermien-Überlebensdauer.

Ob sich die 37 schwangeren Schwedinnen an die Vorgaben der App gehalten haben, muss nun die schwedische Arzneimittelbehörde untersuchen.


Gerechtigkeit

"Bürgerwehr" aus Norddeutschland verlangt Gebühr für "neugeborene Ausländer"

Neumünster liegt in Schleswig-Holstein, hat rund 79 000 Einwohner, ein neugotisches Rathaus und muss kurz vor dem Übergang in ein islamisches Kalifat stehen. So wirkt es zumindest, wenn man einen Brief des "Bundes wehrhafter Neumünsteraner" in den Händen hält. 

Der "Bund" ist eine Art Bürgerwehr, die ihre Heimatstadt vor "Überfremdung" beschützen will. Seit einigen Tagen verschickt sie in Neumünster einen Brief, in dem sie gegen Ausländer hetzt.

Im ersten Schreiben fordern die "wehrhaften Bürger" unter anderem, "Zusammenrottungen von Ausländern" seien sofort aufzulösen, ein Kopftuch-Verbot für Neumünster und eine "Zwangsgebühr von 400 Euro für neugeborene Ausländer".