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Wissenschaftler haben Männern 20 Frauenfotos vorgelegt.

Ich will's klassisch. Ich will's endlich. Ich will's lustvoll. Ich will's unartig. Immer wieder erinnern die "Gib Aids keine Chance"-Poster: Mach's mit Kondom. Und das ist auch immer noch nötig, wie eine aktuelle Studie zeigt: Demnach ist die Wahrscheinlichkeit umso größer, dass ein Mann auf ein Kondom beim Sex verzichten will, je attraktiver er die Frau findet. Mehr noch: Er will sogar auf Verhütung verzichten, obwohl er vermutet, dass attraktive Frauen eher an sexuell übertragbaren Krankheit leiden als unattraktive.

Wer hat an der Studie teilgenommen?

Für die Studie haben Wissenschaftler der Universitäten Southampton und Bristol 51 Männer zwischen 18 und 69 Jahren persönlich interviewt. Sie alle sind heterosexuell, 21 Teilnehmer sind weiße Briten, die anderen Männer kommen ursprünglich unter anderem aus Italien, Indien, der Karibik oder Asien. Ihr erstes Mal hatten die meisten Männer mit rund 18 Jahren, im Schnitt hatten sie mit etwa zehn Partnerinnen geschlafen; wobei vier Teilnehmer noch nie Sex hatten, einer aber nach eigenen Angaben mit 60 Frauen geschlafen hat.

Wie war die Studie aufgebaut?

Die Wissenschaftler haben den Teilnehmern 20 Fotos von Frauen gezeigt und sie gefragt:

  1. Wie attraktiv finden Sie die Frau?
  2. Wenn Sie Single wären: Wie groß wäre die Wahrscheinlichkeit, dass sie mit dieser Frau Sex hätten – sofern sich die Gelegenheit ergibt?
  3. Wenn Sie Single wären und mit dieser Frau Sex hätten, wie wahrscheinlich ist es, dass Sie ein Kondom benutzen?
  4. Wie viele von 100 Männern würden ungeschützten Sex mit der Frau haben?
  5. Wie wahrscheinlich ist es, dass diese Frau eine sexuell übertragbare Krankheit hat?

Die Männer haben ihre Antworten jeweils auf einer Skala von 0 bis 100 einsortiert.

Wie bewerten die Forscher die Ergebnisse?

"Männer sind eher bereit, ungeschützten Sex mit attraktiven Frauen zu haben", schrieben die Forscher der "Washington Post". Über das Warum können die Wissenschaftler nur spekulieren: Vielleicht wollen sich Männer eher mit Frauen fortpflanzen, die sie besonders attraktiv finden, vermuten sie. Vielleicht glauben Männer unterbewusst auch, ihren Status erhöhen zu können, wenn sie mit einer attraktiven Frau schlafen. Dafür könnten sie ein höheres Risiko (also die Ansteckungsgefahr) in Kauf nehmen.

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Wie aussagekräftig sind die Ergebnisse?

Je attraktiver ein Mann eine Frau findet, desto wahrscheinlicher ist es, dass er gern Sex mit ihr hätte; dieses Studienergebnis dürften wohl die meisten heterosexuellen Männer unterschreiben. Aber lässt sich auch auf andere Männer übertragen, dass sie eher auf Kondome verzichten wollen, je attraktiver sie eine Frau finden? Schwer zu sagen. Denn mit 51 Teilnehmern haben nur sehr wenige Männer zu der Studie beigetragen.

Hinzukommt, dass die Männer persönlich interviewt wurden – unter anderem von Wissenschaftlerinnen. Das könnte das Ergebnis beeinflusst haben. Auch macht es natürlich mitunter einen Unterschied, ob man vor dem Sex Alkohol getrunken hat. Das konnten die Forscher ebenfalls nicht berücksichtigen.

In ihrer Studie befragten die Wissenschaftler nur heterosexuelle Männer – sie würden ihre Studie aber auch gern auf homosexuelle ausweiten, schrieben sie der "Washington Post".

Was machen die Forscher mit den Ergebnissen?

Sie wünschen sich, dass sie den Aufklärungsunterricht verbessern. So könnten junge (und alte) Menschen besser über Risiken und Missverständnisse informiert werden.

Kann man die Studie nachlesen?

Die Forscher haben ihren Aufsatz "Does attractiveness influence condom use intentions in heterosexual men? An experimental study" im "British Medical Journal Open" veröffentlicht. Hier gibt es den Essay als PDF.

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